Unentschiedenes Hochhaus
The building is standing empty since 1996.

Architekt:   Hermann Paulick
Konstruktion   Benno Löser
Bauzeit:   1929
Bauherr:   Sächsische Staatsbank
Adresse:   Albertplatz
Aktuell
2010
  aktuelle Umbauplanungen als
"Albert Park Dresden" - Pläne siehe auf
http://albertplatz.blogspot.com/p/start.html


Das Hochhaus am Dresdner Albertplatz wurde bereits in den 1980er Jahren während der DDR-zeit unter Denkmalschutz gestellt. Es steht mittlerweile bereits seit 1996 leer und ist durch Nichtnutzung dem Verfall preisgegeben. 2010 soll es nun endlich saniert und mit Anbauten für Büros/ Wohnungen mit angrenzendem Shoppingscenter ausgebaut werden.

Dieser kraftvolle, stabile Stahlbeton-Skelettbau wurde 1929 von Hermann Paulick für die damalige Sächsische Staatsbank geschaffen. Benno Löser (1878 - 1944), ein anerkannter Betonfachmann, hat ihn dabei unterstützt. Löser hat es mit dem seinerzeit neuen frühhochfesten Zement geschafft, jede Woche ein Geschoß zu vollenden - eine ingenieurtechnische Meisterleistung.

1945 überstand das Bankhochhaus dank seiner stabilen Bauweise den Bombenangriffen. Mit seinen 11 Stockwerken und 37 Meter Höhe stieß es anfangs, laut www.dresden-neustadt.de, auf "energischen Widerspruch in der Dresdner Bevölkerung, die damit ihre Stadtsilhouette verschandelt sah".
Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Dresdner Verkehrsbetriebe hier ihr Domizil. Diese zogen 1996 aus, seitdem steht der Bau leer.

Das gestaffelte Hochhaus ragt aus den beiden niedrigeren Seitenflügeln mit Satteldächern etwas konventionell als vertikale Eckbetonung heraus. Seltsamerweise gliedern horizontale Gesimse das Gebäude, anstatt es dynamisch aufwärts streben zu lassen. Zwei Bewegungen gleichzeitig behindern sich.

Hochhausdebatte in Dresden in den 1920er Jahren

Vielen gilt er als erster Hochhausbau der Stadt, was eigentlich nicht stimmt, denn der Turm des Ernemannwerks ist bereits 1923 fertiggestellt worden (Entwurf bereits 1914).
Hans Poelzig machte 1917 mit einem spektakulären Entwurf mit einem gestaffelten Hochhausentwurf für ein neues Stadthaus Furore, der aber nicht zur Umsetzung kam.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges setzte auch in Dresden eine rege Diskussion über eine mögliche Hochhäuser in der alten Innenstadt ein. (Die USA, aber auch latein-amerikanische Städte, wie Sao Paulo hatten den Europäern die technischen Möglichkeiten des gestapelten Hochbaus, vorgebaut.)

Stadtbaurat Paul Wolf, aber auch Kunsthistoriker wie Gurlitt kamen überein, daß Hochhäuser nicht direkt in der historischen Altstadt errichtet werden sollen, sondern an dessen Rändern, so daß die Silhouette des bekannten Dresden geschont werden könnte. Der Dresdner Rathaus-turm war mit seinen knapp 100 Metern bereits 1905-10 aus diesem Grunde etwas abseits vom Altstadtpanorama errichtet worden.
Als Pendant zum Rathaus bot sich am anderen Ende des Innnerings auf dem ehemaligen Koch-Hessischen Grund-stück am Dippoldiswalder Platz ein weiterer markanter höherer Bau an. Dafür lobte 1926 die Tageszeitung "Dresdner Anzeiger" einen Hochhauswettbewerb aus, dessen Siegerentwurf jedoch ebenfalls durch verschiedene Ursachen nicht gebaut wurde.

In den späten 1920er Jahren und Anfang der 1930er wurden in Dresden dann eine ganze Reihe Häuser errichtet, die turmartige Lösungen als markante städtebauliche Höhendominanten beinhalteten, ohne direkt als freistehende Hochhäuser in Erscheinung zu treten. So z.B. das Gewerkschaftshaus 1929-30 von Carl Fritz Richter am Schützenplatz oder das Finanzamt hinter der Semperoper (jetzt Teil des Sächsischen Landtages) 1931 von Barthold und Tiede. Auch die Knabenberufsschule von Paul Wolf 1929 - 34 hebt sich potentiell zu einer turmartigen Ecklösung empor, verharrt aber dennoch als "Stummel". Paul Wolfs Wohnhaus der Gas- und Wasserwerke an der Wormser Straße/ Spenerstraße von 1927 hat mit 8 Stockwerken ebenfalls einen sichtbaren Hang in die Höhe. Das Paulick-hochhaus ist nur drei Stockwerke höher.


Wohnhochhaus Wormser Straße von
Paul Wolf 1927 - Foto: Dez. 07 - Vergrößerung
Saniert von TLG-Immobilien





Eine Immobilie mit Weitblick

Der Hochhausbau am Dresdner Albertplatz war in seiner Zeit gerade wegen seiner Höhe umstritten. Kantig, selbstbe-wusst, mit hellem einfachen Putz ragte das klare Hochhaus wie ein Fanal für eine neue Zeit aus dem gründerzeitlichen eklektizistischen Stilwirrwarr der angrenzenden wilhelminischen Wohnbauten heraus. Konservative Kreise reagierten mit Empörung.
Aber auch dieser Turmbau war ein architektonischer Aufbruch für Dresden, genauso wie das Hygienemuseum von Wilhelm Kreis oder das Tessenow- Festspielhaus in Hellerau. Jene Gebäude standen am Beginn einer aufkeimenden Moderne, die neue architektonische Wege in einer Umbruchzeit suchte. Dass diese Moderne hoffnungsvoll begann und in den hässlichen Plattenbauten der langen Nachkriegsjahrzehnte dann ihren pathetischen Glanz verlor, ist nicht diesen kühnen Erbauern anzurechnen.

Auch heute dominiert dieser von schöner Klarheit geprägte Bau den Albertplatz. Er steht gerade am Ende der Achse Hauptstraße- Schlossstrasse- Altmarkt- Pragerstraße, sozusagen als Point de View. Auch wenn in der Heterogenität des kreisrunden Albertplatzes das Paulicksche Hochhaus in einer gewissen unentschlossenen Verschlafenheit verharrt ist diese vertikale Stadtdominante am Tor eines der lebendigsten Innenstadtbezirke ein großes Potential, welches nicht als Platzhalter für Dresdenwerbung missbraucht, sondern nun hoffentlich endlich einer naheliegenden Nutzung zugeführt werden sollte.

Nicht zu vergessen: In den oberen Etagen dieses selbstbewußten Gebäudes hat man einen überwältigenden Ausblick auf die Dresdner Altstadt bzw. auf die grünen Hänge des Dresdner Nordens. Ausblicke für neue inspirierende Visionen, wie die Stadt Dresden attraktiver und lebendiger von ihren BürgerInnen genutzt werden kann.


Gerade die Vielfalt ist Dresdens Kapital.
Sie spiegelt sich genau an diesem Platz ab: das gemütliche, natursehnsüchtige Biedermeier, die Ästhetik vom Gesamtkunstwerk im Jugendstil um 1900 (Platzgarten-gestaltung und Brunnen), die prunksüchtigen Gründerzeit-bauten (Eschebachvilla), die baulichen Hinterlassenschaften der postmodernen DDR-Plattenbauten und eben jener Aufbruch Dresdens zur Großstadt in den Zwanziger Jahren durch das Hochhaus. Aber man sollte diese Stilbreite nicht als häßliche Unordnung begreifen, sondern als Bereicherung. Genau das macht die Dresdner Mischung aus, die Offenheit der Stadt, ihre Kraft für Neues, ihre tolerante Buntheit von Lebensstilen und Ansichten.
Man sollte auch die Brache des ehemaligen Alberttheaters, die jetzt als Parkplatz dient, offen halten für einen zukunftsweisenden neuen Bau, der die Offenheit des Albertplatzes unterstreicht.


Strahlende Stadtkrone einer Stadt, die mehr zu bieten hat als Barock
Abends könnte das Hochhaus wie 2002 das Berliner Haus des Lehrers am Alex mit elektronischen Zeichen in den dunklen Fenstern eine knallige ausgeschlafene Videoinstallation erhalten, die schon von weiten auf das wache kreative, zukunftsorientierte Potential der jungen Neustadt hinweist und dem etwas arrivierten Geschichtsbewusstsein der Altstadt etwas dynamisch Heutiges dagegensetzt. Ein weitsichtbares Signal also, dass Dresden eine moderne, pulsierende Großstadt ist und neben Traditions-Akzentuierungen auch innovativ Progressives europaweit ausstrahlt.



Aktueller Stand 2010: Umbaupläne

SZ vom 10.02.2010:

Einkaufszentrum am Hochhaus geplant

Im früheren DVB-Hochhaus am Albertplatz sollen Büros und Wohnungen entstehen. Daneben sind Läden und ein Stadtplatz vorgesehen.


Für das brach liegende Hochhaus am Albertplatz und die benachbarte Freifläche gibt es ein neues Konzept. In das ehemalige DVB-Hochhaus selbst soll im Erdgeschoss Gastronomie einziehen. Darüber sind vier Büroetagen geplant. Ab dem fünften Stock des Elf-Geschossers werden Wohnungen eingerichtet. Die Fassade werde insgesamt wiederhergestellt.

Ebenso bedeutend wie die Wiederbelebung des mit 91 Jahren ältesten Dresdner Hochhauses überhaupt ist das Konzept für die Freifläche daneben entlang der Antonstraße. Hier soll ein Einkaufszentrum für die Neustadt entstehen. Es ist in Form eines U geplant, wobei die Schenkel einen neuen Stadtplatz mit Bäumen, Wasserspielen und Arkadengängen einfassen.

Große Verkaufsfläche geplant

Dieses Konzept für das Hochhaus-Areal wurde neu von der Dresden-Bau und Projektierungs GmbH entwickelt, die das Hochhaus im Jahr 2006 von den Dresdner Verkehrsbetrieben gekauft hatte. Architektin Regine Töberich als Geschäftsführerin erläuterte der SZ den Plan gestern. „Albertpark“ ist der Arbeitsname für das Projekt.

Für das Geschäftszentrum plant sie eine Verkaufsfläche von insgesamt 7000 Quadratmetern. Dabei soll ein Vollsortimenter wie etwa Kaufland allein 5000 Quadratmeter auf zwei Etagen bekommen. Zusätzlich könnte eventuell ein Drogeriemarkt mit tausend Quadratmetern einziehen. Weitere kleine Läden könnten an den Flanken des Platzes unterkommen. Eine Tiefgarage mit 473 Stellplätzen auf zwei Etagen ergänzt den Komplex. Sie soll überwacht sein und für die Öffentlichkeit zur Verfügung stehen.

„Dieser Komplex soll auf keinen Fall wie ein typischer Supermarkt aussehen. Wir planen eine extrem hochwertige Fassade mit viel Glas und Naturstein, um dem Gelände ein anziehendes Gepräge zu geben“, erklärte Regine Töberich.

Für die Belegung der Läden sicherte sie zu, dass damit keine Kaufkraft aus der Neustadt abgezogen werde. Es solle vielmehr endlich eine attraktive Einkaufsmöglichkeit direkt in der Neustadt entstehen, sodass Fahrten zum Elbepark oder andere Zentren überflüssig würden.

Positive Bewertungen

Das Konzept wurde bereits den meisten im Bauausschuss vertretenen Stadträten vorgestellt, berichtete Regine Töberich. Morgen Abend um 20 Uhr wird es im Hochhaus öffentlich präsentiert.

Das Denkmalamt habe das Konzept als sehr ansprechend begrüßt. Auch das Planungsamt stehe der Sache grundsätzlich positiv gegenüber, berichtete die Geschäftsführerin. Allerdings stoße es sich an der Größe der Verkaufsfläche. Wenn es unbedingt nötig sein solle, werde man die noch verringern.

Die Dresden-Bau setzt darauf, dass die Maßnahme ohne neuen Bebauungsplan begonnen werden kann. So solle eine Verzögerung um zwei bis drei Jahre vermieden werden. Das Hochhaus, das bereits seit 1996 leer steht, sei schon erheblich in Mitleidenschaft gezogen und halte kaum noch weiteren Verzug aus. Nach der Fertigstellung soll der Komplex an einen Investor verkauft werden, der Erfahrung mit Einkaufszentren und Wohnanlagen hat. Der Name blieb vorerst unter Verschluss. Stefan Rössel

Visualisierungen:

Umbaupläne Hochhaus Albertplatz: www.sz-online.de

http://albertplatz.blogspot.com




Entwurf für den Albertpark, das an das Hochhaus angebaute Einkaufszentrum am Albertplatz. Modell: Dresden-Bau Foto: Morgenpost, Website: www.dresdenbau-gmbh.de


alte Planungen 2007 zu einem Studentenwohnheim (Ansicht zur Antonstraße) Quelle und andere Ansichten: www.dresdenbau-gmbh.de

weiteres Material zum Paulickhochhaus:
- Tilo Richter: Industriearchitektur in Dresden
- Stadtbaurat Paul Wolf
- Erich Kästner "Als ich noch ein kleiner Junge war" (Zitat)

Netzwerk: Ansprechpartner, Adressen zum Paulickhochhaus, Parallelen nach Berlin Alexanderplatz


Hochhaus 1930
Sächs. Staatsbank im Wolkenkratzer 1930
Situation 1990
Vorkriegssituation
Hochhaus um 1930

Spitze Ecke 2003
Hochhaus 2003
Hochhaus von der Königsbrücker Str. aus

Übriggebliebener Reklameschriftzug aus DDR-Zeiten "Verkehrsbetriebe" (Foto: 2003, TK)
Rückseite des Gebäudes mit Treppenhaus und Balkonen
Aufnahme: Feb. 2005 / Yve K.
Aufnahme: Feb. 2005 / Yve K. /
moment! aufnahme

 

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Umbaupläne "Platz der Einheit" 1969:
was Dresden erspart blieb


Grosse Umbaupläne am ehem. "Platz der Einheit" (nach der Vereinigung von den beiden Arbeiterparteien KPD und SPD im April 1946 so benannt.) - Blick nach Süden in die Fußgängerzone Hauptstraße / Vergrößerung

Das Paulickhochhaus wäre, wie alle historischen Gebäude des alten Albertplatzes, den hybriden Modernisierungs-plänen zum Opfer gefallen. Stattdessen hätte sich ein 30-geschossiges Wohnhochhaus mit Kino + gesellschaftliche Einrichtungen im vorgelagerten Flachbau erhoben,

"das zugleich als bestimmendes Element in der Straße der Befreiung [Hauptstraße] wirkt. Diese Dominante stellt interessante architektonische Beziehungen zu den anderen Bauten des Platzes her, so zur Bezirksparteischule [langer Riegel links im Bild], dem Konsument-Warenhaus und dem neuen Schauspielhaus [Rundbau]."

Der das Zentrum umschließende innere Tangentenring wäre nördlich des Platzes vorbeigeführt worden.



Der Architekt Hermann Paulick

- Mausoleum 1898, von Hermann Paulick und Felix Voss
  für den Zirkusdirektor Paul Busch im Dorotheenstädtischer
  Friedhof II zu Berlin
- Erweiterung einer Schmiede auf der Zwickauer Straße
  40-42

Literatur

Helmut Löser; Jürgen Stritzke:
Aus dem Schaffen von Benno Löser und seiner Mitarbeiter. Eine Dokumentation zur Geschichte des Stahlbetonbaus. Zweite, erweiterte Auflage 1990, TU Dresden.

Linktipp
http://de.wikipedia.org/wiki/Stahlbeton