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Beteiligte: u.a.:
Franz Ehrlich, Herbert Schneider,
Herbert Conert, Rudolf
Fleischmann, Rudolf
Neubert,
Hans Hopp, Otto
Schubert, Kurt Bärbig
Zeit: __-----._1946
Ort:
_
__----_Nordhalle
(späteres Armeemuseum, jetzt MHM)
"Eine am 10. Mai 1945 durch die sowjetische Stadt-kommandantur
berufene Stadtverwaltung mit Dr. Rudolf Friedrichs als Oberbürgermeister
und Dr. Herbert Conert als Stadtbaurat, bildete am 13. Juli 1945 einen
"Ausschuss zum Wiederaufbau der Stadt Dresden". Dessen erste Maßnahmen
galten zwangsläufig der Instandsetzung städtischer Infra-struktur
und der Schaffung des dringend benötigten Wohnraums durch Instandsetzung
beschädigter Wohnbauten.
Bereits zu Beginn des Jahres 1946 wurde ein offener Wettbewerb durch
die Stadt ausgeschrieben, zu dem Vorschläge und Ideen zum Wiederaufbau
der Stadt eingebracht werden sollten. Die Aufforderung fand bei den
Bewohnern der Stadt eine außerordentliche Resonanz und reichte von
Briefen einfacher Menschen bis hin zu Bebauungsvorschlägen und städtebaulichen
Lösungen renommierter Architekten. Die keiner Wertung unterliegenden
Ergebnisse wurden ab 20. Juli 1946 in der Ausstellung "Das neue Dresden"
in der ehemaligen Stadthalle am Nordplatz (jetzt Olbrichtplatz ) gezeigt.
Die hier dargelegten Auffassungen waren noch mit denen anderer deutschen
Städte vergleichbar. Auch hier gab es die Suche nach einer Vermittlung
zwischen Tradition und Moderne wie auch die nahezu vollständige Negierung
des alten Stadtgrundrisses. Besonders die Arbeit Conerts war hierfür
interessant, denn sein "Neuaufbauplan vereinigt(e) in sich organisch
und maßvoll das Ererbte, das wert ist erhalten zu werden" (1). Doch
etwa einen Monat vor Ausstellungseröffnung verstarb Conert. Nach seinem
Tode wurde durch Walter Weidauer - seit Herbst 1946 mit dem Amt des
Oberbürgermeisters betraut - eine andere Politik verfolgt. Natürlich
spielte in der SBZ (Sowjetisch besetzte Zone Deutschlands) die politische
Einflussnahme seitens der Besatzungsmacht auf den Städtebau
eine bestimmende Rolle."
(Textquelle: www.wohntippdresden.de/geschichte/teil5/seite3.html
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hier auch Geschichte der Wohnungsbaugenossenschaften in Dresden)
(1) Krieg – Zerstörung – Aufbau. Architektur und Stadt
1940 – 1960, Schriftenreihe der Akademie der Künste, Band 23, Henschel
Verlag 1995, Seite 275
Teilnehmer des Wettbewerbes:
Die 1946 beginnende Wiederaufbauplanung mit dem
"1. Dresdner Aufbauplan" zeigte ihre Ergebnisse in der Ausstellung
"Das neue Dresden". Teilnehmer dieses deutschlandweiten Wettbewerbes
waren unter anderem:
Herbert Schneider mit der Arbeitsgemeinschaft von Hellmut Berger,
Rudolf Fleischmann und Rudolf Neubert. Sie zählten zu den Preisträgern.
Besondere Wertschätzung kamen auch den Arbeiten von Franz Ehrlich
und Herbert Conert zu.
Auf starke Ablehnung bei der Dresdner Bevölkerung stieß
u.a. die Arbeit von Hans Hopp. / Auch der Plan von Mart Stam stieß
auf Abwehr. Wenige Jahre später allerdings wurden die ersten
Zeilenbauten in der Seevorstadt durchaus nach diesem offenen, durchgrünten
Prinzip gebaut.
Weitere Teilnehmer waren u.a.: Otto Geiler, Oswin Hempel, Otto Lachnit,
Carl Buchka, Otto Schubert, Eberhard Neumann, Wolfgang Rauda und E.
Lucas, Kurt Bärbig, Walter Henn, Hans Reingruber, Hans Freese
& Willy Neuffer, Eberhard Naumann, Otto Reinhardt, Eduard Schuchardt.
Es wurden beim Wettbewerb bzw. der Ausstellung "Das Neue Dresden"
insgesamt 129 Preise und 92 Anerkennungen vergeben.
10 Fotographien von der Ausstellung 1946
in der Deutschen Fotothek (SLUB)
Stadtbaurat Herbert Conert (1886-1946)
Nachfolger von Erlwein, Poelzig und Wolf
Im Juni 1946 legte der Rat der Stadt den "Großen Dresdner Aufbauplan"
vor. Das schlüssigste Konzept kam von Herbert Conert, der seit
1930 Leiter des Stadtplanungs- und Hochbauamtes unter Stadtbaurat
Paul Wolf war und der nach Pauls Entlassung ab 11.5.45 bis zu Conerts Tod im Juni.46
seine Funktion übernahm. (Seltsamerweise erschien das Wirken des CDU- Mannes Conert in
der NS-zeit nicht weiter problematisch.)
Conert sah die Einrichtung einer
Nord-Süd-Achse und einer Ost-West-Achse mit dem Altmarkt als Schnittpunkt
vor. Die historische Stadtstruktur sollte soweit wie möglich gewahrt
bleiben, was dann aber kaum gelang. Der Plan enthielt auch Maßnahmen
zur Sicherung historischer Gebäude und Denkmäler. Dennoch wurden viele
architekturhistorisch wertvolle Bauwerke wie z.B. die Sophienkirche
später endgültig abgebrochen.
Conerts Plan ging von einer Sicherung des alten Stadtgrund-risses
aus und knüpfte an die Vorkriegsplanungen der 20er bis späten
30er Jahre (z.B.
erweiterte Verkehrsbänder) an.
Für das Stadtinnere forderte er: "Wahrung der barocken Haltung
und des Maßstabs in diesen Straßen und Platzräumen".
Zentral ist für Conert der Begriff der Synthese, nur "das
Alte, ans Herz Gewachsene" in die neue Zeit hinüber zu retten,
"was wir uns leisten können und praktischen Nutzwert besitzt".
Enteignung von privatem Bodenbesitz
Der Erste Bürgermeister Walter Weidauer favorisierte dagegen
ein Leitbild, das sich von der historischen Stadt vollkommen abwendet:
"Was nützt dem Menschen die Tradition, wenn
er dadurch in eine Zwangsjacke gesteckt wird, wenn er unbequem wohnt
und den Krankheiten Vorschub leistet... Keine Paläste für
die Reichen und Hütten für die Armen, sondern Demokratie
im Wohnungsbau."
Darin
kündigte sich bereits die radikal politische Klärung der
Bodenfrage an, auf deren Basis von willkürlicher Enteignung und
Zwangsvergesellschaftung die neue sozialistische Stadt aus den Trümmern
errichtet werden sollte. Die Landesregierung verabschiedete bereits
Ende 1946 eine Änderung des Bodenrechts, die den "Abschied
vom alten Dresden" einläutete.
Bericht von Otto Schubert an die Neue BAUWELT
von den Ergebnissen der Ausstellung "Das Neue Dresden" 07.
August 1946, im folgenden ein kleiner Auszug:
"Eberhard Neumann beschäftigt sich, gestützt auf eingehende Verkehrsuntersuchungen,
mit der Lösung des Postplatzes, jenem gefahrvollen Verkehrsknoten,
der dem Zwinger seitlich angefügt ist. Er hat zu allen Zeiten zu den
schwierigsten Problemen der Stadt gehört, da sich in ihm acht Verkehrszüge
schneiden. Die Erfordernisse der Gegenwart und die Rücksichten auf
die Vergangenheit prallen hier so hart wie an keiner anderen Stelle
der Stadt aufeinander.
Otto Reinhardt strebt eine monumentale Umgestaltung des Sachsenplatzes
an. Überdies weist er auf den für das zerstörte Stadtbild typischen
Reichtum an schönen Erkern hin, die vom Erdgeschoss bis zum obersten
Geschoss, ja teilweise zum Dach durchgreifend durch die gleichmäßigen,
doch vielgestaltigen Reihen schmückender Vertikalen dem Dresdner Straßenbilde
der Barockzeit das Gepräge verliehen.
Im Gegensatz hierzu will
Eduard Schuchardt die ganze Innenstadt in Glaseisenarchitektur neu
erstehen lassen trotz des durch die Zeitumstände bedingten Mangels
an Glas und Eisen, der uns voraussichtlich noch auf lange Jahre hinaus
zwingen wird, andere Wege der Baugestaltung zu wählen. (...)"
Der gesamte Bericht
Der noch raumbildend denkende Architekt Otto Schubert war von 1910-1953
Professor für Bauformenlehre und Geschichte der Baukunst an der TH
Dresden (mit Unterbrechung der Jahre von 1940- 45, in denen er aus
politischen Gründen entlassen worden war). Er hatte von 1897-1902
an der TH Dresden studiert und war ab 1906 Regierungsbaumeister in
Sachsen und von 1909-1910 freischaffender Architekt in Dresden. Herr
Schubert beteiligte sich
mit einem eigenen Plan an der Dresden Nachkriegsausstellung 1946.
Franz Ehrlich [Architekt und Künstler]
geb.: 1907 in Leipzig, gest.: 1984 in Bernburg (heute: Sachsen Anhalt)
Der Referent für Wiederaufbau Franz Ehrlich hat die Ausstellungsarchitektur
entworfen und selbst einen Entwurf eingereicht. Hier einige Kurzdaten
von seinem heute in Vergessenheit geratenem Lebenswerk:
- 1927 bis 1930 Studium am Bauhaus Dessau
- 1934 - 35 Zuchthaushaft wegen politischer Betätigung
- 1936 - 37 Lagerhaft im KZ Buchenwald, danach
"arbeitsverpflichtet"
- 1943 - 45 Kriegsdienst im Strafbataillon 999
- ab 1946 Leiter des Referats für Wiederaufbau der Stadt (Planungen
zur Bebauung des Hellers für 30 000 Einwohner nach Gesichtspunkten
der Gartenstadt Hellerau); Projekt einer Siedlungsstadt
im Elbtal; Studien zu Wohnzellen in Stadtteilen
- 1946 Gestaltung der Ausstellung "Das neue Dresden".
- 1948 - 50 Freier Architekt in Dresden, u. a. Arbeit für die Deutschen
Werkstätten in Hellerau. Der 1956 für die Deutschen Werkstätten Hellerau
entwickelte Typenbausatz 602 wurde von 1957-66 produziert.
1946 Organisation und Gestaltung der 1. Leipziger Messe.
- 1955 - 58 Architekt des Ministeriums für Außenwirtschaft
www.archinform.net
(Biographie und Werke)
siehe auch: Isabel Schmidt: Franz
Ehrlich. Leben und Werk.
Seminar Sommersemester 1999: Thomas Topfstedt/ Christoph Glorius,
DDR-Architekten - Lebenswege und Werke.
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Plakat von Horst
Naumann 1946 - Vergrößerung
(farbig)

Ausstellungsplakat 1946

Teilnehmer der
Ausstellung: Felix Reinhold Voretzsch mit einem Entwurf für ein
Gewerbehaus an der Ostra-Allee, 1946

Großer Dresdner
Aufbauplan von Herbert Conert, Dezember 1945 - Neuaufbau in Anknüpfung
an den alten Stadtgrundriss, am 5. Januar 1946 durch die Dresdner
Stadtverordnetenversammlung beschlossen. Vergrößerung

Entwurf zum Wiederaufbau
von Herbert Schneider 1946 - Aufgabe des alten Stadtgrundrisses (wie
z.B. Prager Straße, Altmarkt) und Ausbildung neuer Platz- und
Straßenräume. Die Äußere Neustadt mit ihren
Hinterhöfen inklusive des Preußischen Viertels wäre
z.B. komplett abgerissen und in modernen Blockformen neu errichtet
worden. Ebenso der Altbertpaltz mit seinen Villen. Neue Brücken
am Thomas Münzer Platz und in Pieschen. Blockrandbebauung bis
zum Abwinken. Vergrößerung

Versuchsmodell
für die Neuplanung:
die kompakte Stadt, Aufnahme: 1947 /
Vergrößerung

Das gleiche Versuchsmodell, Ansicht vom Westen (Ostraallee)
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Hans
Hopp (1890 - 1971)
geb. in Lübeck, gest. in Ostberlin
Architekt, BDA-Präsident, Hochschullehrer, Prof. Dipl.-Ing.
Seine Ausbildung als Architekt in Karlsruhe und München stand
zu weiten Teilen noch in der Tradition des Historismus.
In Königsberg bauten Hopp etliche herausragende Bauten der Modernde,
wie z.B. die Ostmesse, eine Kino u.a.
Während der NS-zeit Bau großbürgerliche Ein-und Zweifamilienhäuser
und einige Betonbunkern sowie Mitarbeit in der ostpreußischen Landesplanung.
1945 Umzug nach Dresden und KPD-eintritt, 1945 und 46 Entwurf eines
radikal mit den örtlichen städtebaulichen Traditionen brechenden Aufbauplanes
für Dresden, der sich eng an Le Corbusiers "ville contempraine"
von 1922 anlehnte.
An der wieder gegründeten Hochschule für Werkkunst in Dresden wurde
er Leiter der Architekturklasse. Von 1946 bis 1949 hatte er die Leitung
der Kunstschule Burg Giebichenstein in Halle inne und war Landesvorsitzender
des Kulturbundes in Sachen-Anhalt. Zum Jahresbeginn wurde er ins MfA
nach Ostberlin berufen. Als Leiter der Abt. Hochbau im Institut für
Städtebau und Hochbau saß er an der Schaltstelle aller wichtigen Bauvorhaben,
darunter die republikweit gültigen Bautypen im Wohnungsbau und die
großen gesellschaftlichen Bauprojekte, deren Entwurf er sich selbst
vorbehalten konnte. Seit 1951 gehörte er zu den ordentlichen Mitgliedern
der DBA. Er leitete ein Forschungsinstitut und eine der drei Meisterwerkstätten.
Hier entstanden die Entwürfe für die Blöcke E und G der Berliner Stalinallee
(1951-55). Seine Bauten gehörten zu den wichtigsten Zeugnissen des
politisch geforderten Stils der "Nationalen Traditionen".
(aus: Gabriele Wiesemann: Hanns Hopp. In: Hoger Barth, Thomas Topstedt
u.a., Vom Baukünstler zum Komplexprojektanten. Architekten in der
DDR. (=REGIO doc Dokumentenreihe des IRS Nr. 3.), Erkner 2000, S.
112f.)

Studie über den Wiederaufbau deutscher Großstädte
am Beispiel Dresden, Blatt 4. "Schematische Darstellung einer
Hauptverkehrsstraße mit den Bürohochhäusern und Flachbauten",
Zeichnung H.Hopp, 2.Juni 1945
siehe auch: Gabriele Wiesemann: Hans Hopp 1890-1971. Eine biographische
Studie zu moderner Architektur, Schwerin 2000.
Werk
von Hans Hopp (www.archinform.de)
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Hans Hopp: "Neues
Dresden" 1946. Bestehend aus freistehenden uniformen Hochhäusern
in Kreuzform. Dazwischen viel Grünfläche und ein Raster
von breiten Verkehrstrassen, die sich in Plätzen mit Kreisverkehr
schneiden. Rechts oben Altmarkt und Kreuzkirche.
"Zentraler Bezirk" in einem radikalen Modernismus mit Bezügen
zu Le Corbusier's "ville radieuse" Vergrößerung
Am Rand steht: "Bei gleicher Nutzungswohndichte wie bisher: Durchlichtete
und durchsonnte Stadtmitte, ganz im Grünen. 77% der Blöcke
Grünflächen und Parkplätze. 11% bebaut mit 20geschossigen
Geschäftsbauten und 12-geschossigen Wohnbauten ringsum.
12 % 1-2 geschossige Flachbauten als Laden, Gaststätten, Cafes
u. Kinos. Bahnhofsverkehrsplatz liegt unter dem Hauptbahnhof."
im Bild links: Studie über den Wiederaufbau deutscher Großstädte
am Beispiel Dresden, Blatt 7. "Skizze der neuen Stadtsilhouette
von der Marien- brücke aus gesehen. Am Elbufer das Geländer
der Ruinen u. Restaurationen und der Gemeinschaftsbauten." Zeichnung
von H.Hopp, 21. 06. 1945

Wettbewerb "Das neue Dresden", Blick vom Altmarkt in die
sich endlos ausdehnende Prager Straße, Februar 1946 (Vergrößerung)
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Mart
Stam in der DDR
»...spezifisch reformistisch bauhausartig...«
Ein anderer nicht unwesentlicher Mann für Planungen im Nachkriegs-Dresden
war der Niederländer Mart Stam, der ab 1948 als Kunsthochschulprofessor
nach Dresden in die SBZ siedelte und später Direktor der Kunsthochschule
Berlin Weißensee wurde. Er hatte sich verstärkt für
einen dezidiert modernen Aufbau Dresdens ausgesprochen, den aber die
Mehrheit der Dresdner Bevölkerung ablehnte. Simone Hain veröffentlichte
1991 in der Zeitschrift "Form
und Zweck" einen wohlwollenden Aufsatz über ihn, in
dem es u.a. hieß:
"Eine weitere Ursache für den heftigen Widerstand gegen seine
Person in Dresden liegt in Stams Wiederaufbau-planungen für die schwer
zerstörte Stadt begründet. Mit zwei bereits durch die sächsische Regierung
als Generalaufbauplan bestätigten Planungen hatte sich Stam für einen
radikal stadterneuernden Aufbau der Innenstadt ausgesprochen, der
kaum Rücksichten auf den Grundriss der historischen Stadt nahm. Dieser
Generalangriff auf die Identität der Stadt rief die Tradtionalisten
auf den Plan und veranlasste Kurt W. Leucht beim Oberbürgermeister
Walter Weidauer zu intervenieren. Leucht, der seinerzeit im Büro von
Ernst Sagebiel »sehr viel gelernt« hatte, legte 1950 als Dresdener
Stadtbaurat ein umfassendes Planwerk für den Wiederaufbau der Stadt
vor, mit dem er seine in den dreißiger Jahren erworbene Kompetenz
unterstrich. Seine Kenntnisse der Wiederaufbauplanungen unter Rudolf
Wolters und Konstanty Gutschow noch aus den Kriegsjahren sollten ihn
in der Folge prädestinieren als Abteilungsleiter im Ministerium für
Aufbau die Planung der Aufbaustädte der DDR verantwortlich zu leiten.
Er muss als ein wesentlicher Autor der »16 Grundsätze des Städtebaus«
angesehen werden, mit denen die Regierung der DDR im September 1950
das verbindliche Leitbild einer Rekonstruktion der organisch gewachsenen
Stadt unter Beseitigung ihrer Mängel beschloss."
Mart (Martinus Adrianus) Stam, geb. in Rimerend (Holland) (1899 -
1986)
Werke und Biographie (Auszug):
1926 Teilnahme an der Stuttgarter Weißenhofsiedlung
1926 - 30 Van Nelle Fabrik, Rotterdam
1928 Wortführer des CIAM-Kongresses,
1929 - 32 Hellerhofsiedlung in Frankfurt Main
1930 - 34 Städtebauplanungen in der UdSSR
1939 - 1948 Direktor des »Instituut voor Kunstnijverheid-
sonderwijs« in Amsterdam
1948 Übersiedlung in die SBZ Deutschlands (spätere DDR)
1950 Direktorenamt Kunsthochschule Berlin-Weißensee
1953 Abgang aus der DDR und Rücksiedlung nach Holland
ab 1966 Resignierter Rückzug in wechselnde Orte der Schweiz
Website: www.mart-stam.de
Suche nach der neuen sozialistischen Stadt
In diesen Dresdner Aufbauplänen zeigt sich eine ganze merkwürdige
Hybris dieser sozialistisch eingestellten Planergeneration. Hochfliegende
Stadtfantasien für eine
komplett freigeräumte Innenstadtfläche von mehreren Hektaren
verbanden sie mit einer kompromisslos anti-kapitalistischen Philosophie
und radikal staatlich steuerbarer Planwirtschaft, die jede private
Bauinitiative im Zentrum unterband. Was für eine Überbewertung
perfektionistischer Planbarkeit hochdifferenzierter ökonomischer
und stadtgesellschaftlicher Vorgänge! Wahnwitzige Träume
radikal linker Utopisten!
Der (ersehnte) neue Mensch
sollte sich nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes in einer erneut
radikal umstrukturierten Gesellschaft auch in einer ganz neuen veränderten
Stadt entfalten. Die Tabula Rasa des Dresdner Zentrums bot dazu eine
ideale Projektionsfläche, noch dazu mit den vermeintlich wirtschaftlichen
und technischen Möglichkeiten eines rasanten Wachstums in einer
dem "faulenden Kapitalismus" weit überlegenden Gesellschafts-ordnung.
Über die Einwirkung der Sowjetischen Militäradministration Sachsens
(SMAS) und dessen Chef General Oberst Mikhail Efimovich Katukov (1945-1948)
auf die Aufbaupläne sächsischer Städte müssten tiefergehende Forschungen
weitere Auskünfte geben.
Wie man an den wirklich umgesetzten Dresdner Aufbauplanungen von 1950
sehen konnte, folgte deren Grundsätze dann weniger utopistischer
Radikalität, sondern eher Kompromissen, die man aus einer Synthese
von damaligen "bürgerlichen" und "linken"
Planungen gewann.
Zu den tatsächlich für mehr als ein Jahrzehnt verbindlichen
"Planungsgrundlagen" vom Dresdner Stadtplanungsamt unter
Kurt W. Leucht von 1949 - 1950. Auszug siehe: Entwicklungsplan
Innenstadt
Antiurbaner Charakter
Zum Verständnis des antiurbanen Charakters in der zweiten Phase
des Wiederaufbaus (ab ca. 1960) mit dem in Ostdeutschland (ähnlich
wie in der alten BRD) praktiziertem Modell einer durchgrünten
"Stadt-Landschaft" noch einige Gedanken: Schon in den 1920er
und -30er Jahren waren progressive Stadtplaner von der Notwendigkeit
einer Gesundung der hochverdichteten alten, europäischen Innenstädte
ausgegangen. Die schlechte Durchlüftung, das wenige Grün
bzw. der fehlende Sauerstoff, Schadstoffe durch Hunderte Fabrikschornsteine
etc. wurden für gesundheitliche Mangelerscheinungen in den Quartieren
der Unterschichten verantwortlich gemacht. Der Stadtkern und die alten
Vorstädte, einst von Handwerkern besiedelt, waren längst
zu problematischen Sanierungsgebieten in den Industriegroßstädten
geworden.
Die konzentrierte Dichte war auch in Dresdens Innenstadt vor 1945
nicht nur malerische Kulisse, sondern durchaus sozial-hygienischer
Notstand.
Nach der Zerstörung der Innenstadt im Februar 1945 kamen grauenhafte
Erinnerungen an die verheerende Enge während der Fluchtversuche
aus den brennenden Gassen hinzu. Allgemeiner Konsens war: "Nie mehr
sollten zu enge Straßen und Innenhöfe ohne Sicherheitsausgänge
Tausenden Menschen das Leben kosten."
(Zitat aus: Niels Gutschow: Dresden- Von der "neuen"
zur "schönen" Stadt, in: Akademie der Künste (Hg.):
1945 Krieg- Zerstörung- Aufbau. Architektur und Stadtplanung
1940 - 1960, Rostock 2001, S.91 ff)
Kontinuität und Bruch: mit Mut aus Fehlern lernen
Die bescheidenen Mittel und besonnenere Planer verhinder- ten zum Glück
einen vollständigen Bruch mit der vorhand- enen Stadtstruktur.
Stattdessen sollte Dresden diese im Wesentlichen aufnehmen, jedoch
als moderne, gesunde und verkehrsgerechte Stadt wieder erstehen. Die
aufgelockerte Siedlungsdichte spiegelte sich in der Zielmarke von
250
EW pro Hektar, verteilt über die gesamte Stadt, wieder.
Das nicht abgeschlossene Ergebnis des Dresdner Wiederaufbaus ist ein
Kompromiss, der einerseits Defizite + abgebrochene Konzepte, wie ebenso
Mut zur Umkehr von als falsch erkannten Wegen erkennen lässt.
Dieser Mut, Fehler einzugestehen und, daraus lernend, neue Wege zu
gehen, ist eines der größen positiven Impulse der Dresdner
Nachkriegsentwicklungen. Der Gesamteindruck des Citytorso's sollte
im 21. Jahrhundert mehr als produktiv reibende Stadtcollage begriffen
werden, als ein beklagenswertes Scheitern.
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60 Jahre Kriegsende – Wiederaufbaupläne der Städte.
Special der
Bundeszentrale für politische Bildung - 21.04.05
Literatur:
Führer durch die Ausstellung Das neue Dresden, 1946
Architektur und Städtebau der DDR. Die frühen Jahre. Hrsg.
von Werner Durth, Jörn Düwel, Niels Gutschow, Berlin 2007
(Neuauflage von "Ostkreuz" 1999)
Andreas Butter: Neues Leben, neues Bauen. Die Moderne in der Architektur der SBZ/DDR zwischen 1945 und 1951, Berlin 2006
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Mart Stam: Vorschlag
zur Neubebauung Dresdens 1948. Die sächsische Hauptstadt wäre
bis zur völligen Unkenntlichkeit modernisiert worden. Frauenkirchen-
und Schloßruine wären abgerissen worden. Alle bekannten
Plätze, wie Altmarkt, Neumarkt, Wiener Platz, Postplatz, Wettiner-
und Freiberger Platz wären aus dem kollektiven urbanen Gedächtnis
komplett ausgelöscht worden und durch eine offene Stadtlandschaft ersetzt worden. Dem Verkehr wäre ein Höchstmaß an
Prijorität eingeräumt worden.
Dieser Plan wirkt am Beginn des 21. Jahrhunderts in der Rückschau hoch irritierend, obwohl er so ähnlich später
in Teilen der Wilsdruffer- und Pirnaischen Vorstadt wirklich umgesetzt
wurde.
Ein verantwortungsvolles Dresdner Bürgertum konnte die schlimmsten
Auswirkungen dieser rigiden Moderne-Fantasien abwenden.
Vergrößerung
als Gesamtplan der Innenstadt
(Quelle: "Dresden - Europäische Stadt. Rückblick und
Perspektiven der Stadtentwicklung", Symposium 2000)

Der gleiche Plan (Ausschnitt der Inneren Neustadt). Der Albertplatz,
der Neustädter Markt und vor allem das letzte erhaltene Barockviertel
um die Königstraße wären komplett - inklusive dem
Japanischen Palais - den turbo-modernistischen Plänen zum Opfer
gefallen.

Hochverdichtete
Innenstadt (Luftaufnahme 1944, Roal Air Force). Blick von Südost.
In der Mitte Altmarkt. Vergrößerung
(173 KB)

zum Vergleich: ein Luftbild 9 Jahre später: 1953. Die Innenstadt
besteht nur noch aus einzelnen letzten Ruinenrelikten. Der Rest ist
freigeräumte Fläche. Vergrößerung
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