Militärhistorisches Museum als Leitmuseum der Bundeswehr (Heer, Luftwaffe und Marine)
Nachdenken über Krieg und Frieden

 
Architekt: Daniel Libeskind (und Hans-Günter Merz)
Bauleitung: rwplus.de (Berlin)
Bauzeit: 2003 - 2011 (Arsenal: 1874 - 75)
Adresse: Olbrichtplatz 2
Ausstellungs-
gestaltung
  Holzer Kobler Architekturen (Zürich)
http://holzerkobler.ch


Nähere Infos:

www.daniel-libeskind.com (MHM)

www.militaerhistorisches-museum.bundeswehr.de
Die äußerst informative Webseite gibt detaillierte Auskünfte über das Konzept und die Neugestaltung des Leitmuseums der gesamten Bundeswehr (bestehend aus Heer, Luftwaffe und Marinestreitkräften)

www.mhmbw.de - die offizielle Seite zum Museum und der einzelnen Ausstellungsabteilungen

Organisierte Gewalt
Richtfest für Libeskind in Dresden, BauNetz vom 06.10.08

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden
von Daniel Libeskind. Youtube-Video des Goethe-Instituts 2012


1871: Triumph über Frankeich


"Eines der anspruchsvollsten Bauwerke der Albertstadt ist das Arsenal, welches das alte Zeughaus (jetzt 'Albertinum') ersetzte. Es wurde 1874-75 errichtet. An den Entwürfen waren Sempers Nachfolger an der Akademie, Nicolai, vielleicht auch dessen Mitarbeiter Rumpel und Niers beteiligt. Es handelt sich um eine Dreiflügelanlage mit zweieinhalb Geschossen. Die ca. 120 m breite Hauptfassade umfaßt 23 Achsen, zwei Seitenrisalite und ein Mittelrisalit gliedern sie. Über dem Sockelgeschoß durch Pilaster in korinthischer Kolossalordnung zusammengezogen. Höhepunkt der Anlage ist der Mittelrisalit, dessen drei Mittelachsen durch eine Attika über dem Kranzgesims betont werden. Zwischen den gekuppelten Säulen mit korinthischen Kapitellen ist ein Triumphbogen, über Obergeschosse und Attika verlaufend, eingefügt. Die korinthische Ordnung, die antikisierenden Giebelreliefs, das Zahnschnittgebälk usw. geben dem Gebäude eine klassizistische Note, die Gliederung im Grundriß durch die Risalite wirkt eher barock. Dieser Eindruck wurde urspr. durch Aktroterien, Schlußsteinplastiken und den tiefen Triumphbogen unterstützt.

Das Innere zeigt die Funktion als Waffen- und Munitionsdepot: im EG tragen 125 Sandsteinpfeiler ein Kreuzgewölbe (in Anlehnung an das Berliner Zeughaus), in den OG finden sich Stahlträger, die auf gußeisernen Stützen lagern. Die zweiläufige Haupttreppe ist in einem weit in den Hof ragenden Treppenhaus untergebracht. Schon ab 1897 wurden Teile des Arsenals umgestaltet; 1916/17 wurde es sächs. Heeresmuseum, 1972 Armeemuseum der DDR.
Folgenreichste Umbaumaßnahme war der flache Vorbau in Stahlkonstruktion sowie die Verhängung des Triumphbogens mit Stahllamellen (1967-72, Projektierungsbüro Süd der NVA von H.Müller und K.Richter)."
(Architekurführer Dresden 1997)


Wir Deutsche

Finanziert wurde das Arsenalgebäude wie die gesamte Kasernenstadt, in der jetzt z.T. die Bundeswehr-Offiziers-Schule untergebracht ist, u.a. aus den Reparationszahlungen Frankreichs (insgesamt: 5 Milliarden Francs an das Deutsche Reich), die Frankreich aufgrund des begonnenen und verlorenen Krieges 1870/71
an das Deutsche Reich zu zahlen gezwungen wurde.
Der
Ausbau der weitläufigen Armeestadt im Norden Dresdens fällt in die Regierungszeit König Alberts (1873- 1902).
Der Wettiner hatte entscheidend
als Oberbefehlshaber der sächsischen Armee im deutsch-französischen Krieg für einen Sieg des preußisch geführten Deutschlands beigetragen, in dem er u.a. in der Schlacht bei Brie und Villiers am 30.11./02.12.1870 den Ausfall französischen Truppen aus Paris verhinderte. Er wurde 1871 zum Generalfeldmarschall des Deutschen Reichs ernannt.

Dieses riesige Militärgelände der "Albertstadt" war Sitz einer der bedeutendsten deutschen Garnisonen. Sie wurde nach der Neuordnung der sächsischen Armee nach preußischem Vorbild seit 1866 und insbesondere nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 am Südrand der Dresdner Heide entwickelt. Ein ideales Gelände, um exemplarisch Deutsche Militärgeschichte zu präsentieren.


Deutsche Bundeswehrgeschichte - nicht in Berlin, nicht in Bonn, sondern in Dresden

Der auf seine Gedenkarchitektur spezialisierte jüdisch-amerikanische Architekt Daniel Libeskind (u.a. Jüdisches Museum in Berlin-Kreuzberg) hat in einem Auftrag vom Verteidigungsministerium (damals: Struck) das alte Arsenalgebäude zu einem Museum für Deutsche Bundeswehrgeschichte umgebaut. Für Dresden ist das ein großer Glücksfall, denn das dezentrale politische System der Bundesrepublik verteilt seine Verwaltungseinrichtungen in verschiedene Städte Ost-wie Westdeutschlands. Das alte Arsenalgebäude auf dem großen Militärgelände im Norden der Stadt bot sich dazu optimal an.

Eine neue eindrucksvolle und weithin sichtbare Gestaltungs-intervention ist nun seit der Eröffnung am 14. Oktober 2011 der seitlich herausragende Beton-Stahlkeil. Dieser erstreckt sich über alle Geschosse und greift ein Stück der historischen Innensubstanz an.
Als neue Schicht des Gebäudes mit wechselvoller Geschichte überlagerte die hinzugefügte Architektur auch den DDR-Vorbau - um es genau zu sagen, die Libeskind-Intervention beseitigte alle DDR-Zutaten von 1972, als das NVA-dominierte Museum Propaganda zum Kampf gegen die "imperialistische" Bundeswehr der BRD verbreitete.
Die neobarocken Prunkharnische über den Säulen, wie auch die Schmuckwappen auf dem Dach, die nach 1945
beseitigt worden waren, wurden nicht mehr wiederhergestellt. Einzig die erhalten gebliebenen Siegerkränze im Relief künden noch von der ursprünglichen Aussage des Hauses.


2011: Ein Pfeil weist auf die Stadt

Der eindrucksvolle Stahlkeil, der das repräsentative Wehrgebäude von 1875 mit neuen Sichten öffnet, verdeutlicht auf starke emotionale Weise, was mit dieser Stadt und mit unserem Land geschah (Deutsche Teilung) bzw. regt zum Nachdenken an, wie vom nationalsozialistischen Deutschland die Katastrophe ausging. Erklimmt man die zur Erhöhung inszenierte gründerzeitliche Treppe zum Museum, wird man mit einem sichtbaren Bruch konfrontiert. Dieser Bruch mit dem selbstgewissen kaiserlichen Militärpathos, welches bereits 1914 militärische Stärke zu imperialistischer Angriffslust des I. Weltkrieges übersteigerte, verweist dann zusätzlich auf den "Großen Krieg" und auf die fatalen Auswirkungen des vorherigen, deutsch-französischen Krieges 1870-71, als das endlich geeinte Deutschland viel zu überhitzt wuchs.

MHM

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM) - so ein Text auf seiner Webseite: "bietet unterschiedliche Perspektiven auf deutsche Militärgeschichte. Die Gesamtkonzeption von Architektur und neuer Dauerausstellung steht für das Nebeneinander von klassischen und neuartigen Sichtweisen und Ausdrucksformen. Tradition und Innovation – alte und neue Interpretationen von Militärgeschichte bilden die Eckpunkte der Konzeption. (...)

Im Mittelpunkt steht der Mensch
Das Leitmotiv, das alle Ausstellungsbereiche und auch die bauliche Konzeption durchdringt, ist die Frage nach den Ursachen und dem Wesen von Gewalt. Hier wird der Mensch thematisiert mit all seinen Ängsten, Hoffnungen, Leidenschaften, Erinnerungen, Trieben, mit seinem Mut, seiner Vernunft und Aggressionsbereitschaft. Krieg ist nur verständlich, wenn seine Darstellung die Natur des Menschen zur Grundlage nimmt.

Mit über 19 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche ist hier das größte militärhistorische Museum Deutschlands entstanden.

Architektur
Der Erweiterungsbau schafft eine grundlegende Neuorientierung des Gebäudes. Er gibt den Weg frei auf das historische Zentrum Dresdens. Er erhebt sich über die Dachlandschaft des Altbaus als von außen sichtbares Zeichen der Erneuerung und von innen erlebbare Öffnung zur Stadt. Der Neubau „Keil“ schneidet in den Altbau und öffnet den Raum zur Auseinandersetzung mit der Militärgeschichte und ihrer Zukunft und führt den gesellschaftlich-inhaltlichen Diskurs architektonisch fort."


Tiefe Symbolik

Der graue Metallkeil durchbricht die Symmetrie und läßt so alte Sehgewohnheiten und Deutungsmuster klassischer Ordnungen mit Zentralperspektive in einem neuen Blick betrachten.

Auch im Hofbereich sind einige sehr interessante Überschneidungen der alten Ordnung mit der Intervention des Glas- und Metallamellen-Keils entstanden.


Libeskinds gläsernes V soll Sinnbild sein für den Mut zum Aufbruch, den die Dresdner nach dem Zweiten Weltkrieg hatten. In Form eines V wurde auch der Bombenangriff am 13. Februar 1945 auf Dresden geflogen, die erste Markierungsbombe zerstörte das Stadion im Ostragehege, auf welches die Keilspitze mit einem Winkel von 40,1 % zeigt.

DNN vom 26.09.08
"Libeskind möchte nach eigenem Bekunden ein "kritisches Nachdenken über Militärgeschichte" ermöglichen und für Transparenz sorgen. Die Fassade des alten Arsenals im Norden von Dresden wird deshalb durch einen Glaskeil aufgebrochen. Der "Neubau im Altbau" schiebt sich wie ein Schiffsbug durch das Gemäuer. Dabei sind beide Gebäudeteile nicht miteinander verbunden. Zwischen alten und neuen Wänden klafft stets eine winzige Lücke. Die Architektur soll Kontinuität und Brüche in der deutschen Militärgeschichte ausdrücken."


Beleuchteter Zacken

"Kühn" wie Verteidigungsminister Struck formulierte, sei der große Zacken, der sich wie ein Keil in den bisherigen Gebäudekörper bohrt, ihn spaltet, ihn sechs oder sieben Meter überragt und am höchsten Punkt den Blick öffnet auf die "Filetstücke" Dresdens, die Frauenkirche den Zwinger und die Semperoper. Zu sehen sein wird der spektakuläre Zacken auch nachts. Er soll beleuchtet werden. Libeskind bezeichnete es als einen "Raum zum Nachdenken" und stellte klar "das ist kein militärisches sondern ein kulturelles Objekt". Der Keil verläuft zwischen den beiden alten Museumsteilen, in denen auf vier Ebenen eine Chronologie von Militärhistorie seit 1350 präsentiert werden soll. Besucher müssen beim Rundgang immer wieder den Zwischenteil passieren und werden dort mit Fragen konfrontiert wie "Warum gibt es Kriege?", "Was macht Krieg aus Menschen?" oder "Brauchen Kinder Kriegsspielzeuge?" Ausstellungsgestalterin Barbara Holzer, die für den am Entwurf beteiligten Museumsspezialisten Prof. Hans-Günter Merz arbeitet, verwies auf die große Chance, ein neues Konzept gemeinsam mit einer neuen Architektur entwickeln zu können. (aus einem Bericht über den Besuch des Verteidigungsministers in Dresden von www.streitkraeftebasis.de )


Nachdenken über Krieg, (Neo-) Faschismus, Opfer und Täter

Mit dem (noch zu schaffenden) Friedenszentrum Frauenkirche und dem zentralen deutschen militärhistorischen Museum, welches sich aktiv mit den Fragen von (Kalten) Krieg und (inneren) Frieden auseinandersetzt, erhält Dresden zwei schwergewichtige Stätten von großer internationaler Strahlkraft. Das exemplarische Schicksal Dresdens wird in diesen beiden Gebäuden auf Gegenwart und Zukunft Deutschlands und seiner Rolle innerhalb einer europäischen bzw. globalen Friedensordnung nachhaltig Einfluß haben.
35 Millionen Euro hat die Bundeswehr in den Umbau des denkmalgeschützten Militärhistorischen Museums zum Leitmuseum der Bundeswehr investiert
.

Die neue Dauerausstellung erzählt ab Oktober 2011 deutsche Militärgeschichte in internationalem Kontext von 1300 bis heute.

Der umgebaute Bildungsbau behandelt auch die Darstellung der anthropologischen Seite des Soldatseins - ein interessanter neuer museumspädagogischer Ansatz. Ebenso wird die Geschichte der Nationalen Volksarmee (NVA), der Kalte Krieg zwischen Ost- und Westdeutschland und die Besatzungszeit der Roten Armee von 1945 bis 1994 aufgearbeitet werden, als in der Mitte der 80er Jahre der jetzige russische Staatspräsident Putin in Dresden als Offizier des sowjetischen Geheimdienstes KGB wirkte.





Arsenal um 1930
Arsenal vor 1945Armee-Museum im Mai 2004 - mit DDR-Anbau
Armee-Museum 2004 - mit DDR-Anbau Arsenal um 1900
Arsenal um 1900 Überarbeitete Fassung (derzeitiges Bauschild im Februar 05) mit offen- gläserner Vorderfront.
Überarbeitete Fassung 2005Wettbewerbsmodell von Daniel Libeskind
Wettbewerbsmodell von D. Libeskind
Wettbewerbsmodell HofseiteVorderansicht des Modells
Wettbewerbsmodell Vorderansicht
Modell Eigenhändige Ideenskizze von Daniel Libeskind
Eigenhändige Ideenskizze von Daniel Libeskind

Modell mit Schnitt durch den Libeskind-Neubau, Fotografie: B … (Quelle: SIB NL D2), Vergrößerung


Detaillierteres Modell


Militärhistorisches Museum, Foto: Oktober 2011, TK

 

.Daniel Libeskind

Daniel Libeskind baute auch das IWM (Imperial War Museum) North in Manchaster 2002 und gewann den Wettbewerb für die Neubebaung von Ground Zero in New York.

Fotos vom IWM und aller bisher ausgeführten Projekte auf:
www.daniel-libeskind.com

Das IWM wurde als Institution bereits 1920 vom brititschen Parlament als Aufklärungsstätte zum I. Weltkrieg gegründet. Homepage: (www.iwm.org.uk)
(Das britische Volk hatte von 1914- 18 mehr als 1000 Ziviltote u.a. durch die Luftkriegsattacken deutscher Zepeline zu beklagen.)



Libeskinds transparenter Keil wird aus löchrigem Stahl gebaut

SZ vom 22.06.05:
Als wären „Zitronenpresse“ und „Käseglocke“ im Zentrum nicht genug, entsteht in der Albertstadt jetzt eine Architektur, die der gewitzte Dresdner gewiss bald „Käsereibe“ nennt. Der transparente Keil, den Architekt Daniel Libeskind durch das Militärhistorische Museum der Bundeswehr treibt, ist nämlich nicht aus Glas, sondern mit löchrigen Stahlschienen verkleidet. Museumschef Oberstleutnant Franz-Josef Heuser nennt die Konstruktion vornehm „Gardine“.

Seit Herbst wurde das Gebäude geräumt und auf seine Struktur vom Ende des 19. Jahrhunderts zurückgebaut. Die Arbeiten gehen nun in die entscheidende Phase. „Bis 2007 soll der Rohbau fertig sein. Spätestens Anfang 2009 wollen wir eröffnen“, sagt Heuser. 40 Millionen Euro sind für den Umbau veranschlagt, zehn Millionen davon für die Ausstellungsgestaltung auf 10 000 Quadratmetern. Kein Museum in Dresden hat mehr Ausstellungsfläche. Doch sie reicht nur für einen Teil der 1,5 Millionen Objekte vom U-Boot bis zum Uniformknopf. Auch die Depots mit schwerer Militärtechnik werden geöffnet.


view of café, Planung: ursprünglich wollte man im 3. OG ein Café unterbringen. Nach der Eröffnung befindet sich das Restaurant im EG.


viewing platform at top of wedge

"Die Allgemeingültigkeit der Gewalterfahrung im Zweiten Weltkrieg zu vermitteln, ist grundliegendes Anliegen der Installation 'Dresden-Blick' in der Spitze des Keils."

view from the south

Weitere Entwurfszeichnungen unter:
www.daniel-libeskind.com/projects/show-all/military-history-museum/
Aus dieser Website auch dieser Text:

Militärhistorisches Museum Dresden


The central theme of the Military History Museum of the future is the human being: those who went into the war and those who have remained at home; people of different eras; people of different generations. It approaches people of all age and whatever interest.
It addresses to all Dresdners and visitors from abroad.

The new extension is cutting a wedge through the structural order of the arsenal. Therefore the museum gives a place for reflection about organized violence, it creates an objective view to the continuity of military conflicts and opens up vistas to the central anthropological questioning.

The new extension gives a fundamental re-orientation to the existing building. It opens up the view to the historical centre of Dresden. The wedge soars above the roof of the existing building visualizing the modernization to the outside world while offering the opportunity to experience the opening to the city.

The new façade is being conceived against the background of the existing building, in response and contrast to it. The openness and transparency of the new façade stands against the opacity and solidity of the old façade. As one represents the severity of the authoritarian past in which it was built, the other reflects the openness of a democratic society and the changed role of its military. In the new elevation of the Museum both are visible at the same time and one through the other. This correlation corresponds to the juxtaposition of new and old in the building’s interior: The rigid column grid of the old Arsenal is contrasted with a new column free space. The interplay of both together forms the character of the new Military History Museum.


Museum im Bau: Stand November 2009

Architektur- und Ausstellungskritiken um die Eröffnung am 14.10.2011

Ein Keil ohne Donner
Daniel Libeskind hat ein Meisterwerk geschaffen: Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden lässt ins Alte den Blitz der Moderne fahren, Die Welt vom 08.10.2011

Keil der Wahrheit
In Dresden eröffnet das von Daniel Libeskind neu gestaltete Militärhistorische Museum, Von Falk Jäger,
Tagesspiegel vom 12.10.2011

Krieg ausstellen
Die Dauerausstellung im Libeskind-Bau in Dresden, BauNetz vom 17.10.2011


Libeskind Lieblingsgebäude ist das Militärhistorische Museum in Dresden


Der amerikanische Fernsehsender CNN stellte am 27.09.2012 in einem Beitrag zu "Great Buildings" sechs führende Architekten der Welt vor und fragte sie nach ihren Lieblingsgebäuden. Für Libeskind ist das Dresdner MHM sein Favorit:

(CNN) -- Daniel Libeskind (...) says his favorite building is the Military History Museum in Dresden, Germany.

Originally an armory for Kaiser Wilhelm I and subsequently under Nazi and Soviet control, the Bundeswehr's main military museum survived the 1945 bombing of Dresden due to its location on the city's outskirts.

"It is an interesting project for me," says Libeskind, "because now it is a museum of modern democratic Germany. How to transform it? How to create a new sense of what it means to have a military in a democracy which is controlled by the citizens?"

In Libeskind's $85 million redesign, completed in 2011, a huge wedge of concrete and steel scythes through the stone, columned building, to create something he describes as "both disruptive of the old, but [that] also gives you a sense of how we have changed our thinking."

Quelle: Libeskind's dramatic Dresden shard offers space for reflection


Als Material für den Keil wurden einfache Abdeckungen von Abflussrinnen verwendet, die im Straßenbau eingesetzt werden. Fotos: TK










Korrespondierendes Innendesign: Außenwand aus Filz einer "Vitrine"

Daniel Libeskind Skizze: Bezüge des MHM zur Dresdner Innenstadt und zum Stadion Ostragehege, welches 1945 als Ziel-Markierung diente. Der Pfeil des Museums zeigt direkt auf diese Stätte. Foto: TK 2005

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Daniel Libeskind hatte 2002 im Auftrag der Woba Dresden auch einen Entwurf für ein Kinderkaufhaus auf der Hauptstraße in der Inneren Dresdner Neustadt entworfen. Die auffällige dekonstruktivistische Architektur löste eine Kontroverse aus. Aus Mangel an Mietern, die in diese zwei durch die Heinrichstraße separierte Shoppinghäuser einziehen sollen, kam das Projekt nicht zustande.


Erste Fassung


Überarbeitete zweite Fassung mit weniger stürzenden und fallenden, schräg heraus ragenden Formen



Spiegel-Interview with Architect Daniel Libeskind
'Dresden's Past Is Not Just a Footnote' / 13.Feb. 2010
SPIEGEL ONLINE spoke with Libeskind about Dresden's relationship to its past and about the challenges of designing a military museum for Germany.
"The new architectural feature ... It creates a 21st century reading of the complex. It is something like a lantern, a signal, a beacon that evokes the city itself. After you ascend through the historical collections inside the building, you arrive at a new view of Dresden. It is the best-possible canvas of the history which you saw in the museum."