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| Architekten: |
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Ostseite
und einen Teil der Südseite Wilsdruffer Str. mit Arkadendurchgang
Weiße Gasse: Herbert Schneider (in Zusammenarbeit mit
Kurt Röthig, Hans Konrad und Kollektiv)
Westseite: Johannes Rascher (in
Zusammenarbeit mit Gerd Guder, Gerhard Müller und Kollektiv),
HO-Warenhaus (Wilsdruffer/ Ecke Altmarkt):
Arbeitsgemeinschaft
Alexander Künzer |
| Skulpturen: |
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u.a.
von Ernst Grämer (DD-Hellerau), Otto Rost |
| Bauzeit:
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1953
- 58 |
___
Repräsentation
eines neuen Staates: Deutschland
unter sozialistischen Vorzeichen
"Der 1370 erstmals erwähnte Altmarkt gilt als älteste
regelmäßige Platzanlage Dresdens. Nach seiner völligen
Zerstörung im 2. Weltkrieg wurde er, um ein Vielfaches vergrößert,
wieder aufgebaut, um u.a. als Aufmarschplatz für Maikundgebungen
zu dienen.
Die östliche Seite des Altmarktes, errichtet nach Plänen
H. Schneiders, ist durch eine 7 geschossige Bebauung gekennzeichnet,
die an die traditionelle Dresdner Barockarchitektur anknüpft.
Die Wohnhäuser, in deren unteren Geschossen Läden und gastronomische
Einrichtungen untergebracht sind, verfügen über symmetrisch
gegliederte Sandstein-Putzfassaden mit durchlaufenden Erkern, Satteldächern
mit Dachgauben sowie gespengte Giebel als Schmuckelemente. Ihre Firsthöhe
beträgt 26 m, wobei das OG geschickt zurückgesetzt ist.
Mit dieser Gestaltung wurde versucht, eine für Dresden charakteristische
Dachausbildung weiterzuentwickeln.
Auf der westlichen, von J. Rascher entworfenen Seite des Altmarktes
findet man ebenfalls 7 geschossige Wohnhauszeilen. Die durchgängigen
Arkadenpassagen mit Geschäften und Restaurants stehen in harmonischem
Einklang mit der östlichen Bebauung. Auch hier kamen Sandstein-Putzfassaden
mit einer symmetrischen Gliederung zur Anwendung, die in barocker
Tradition stehen. Einen Akzent der westlichen Platzfront bildet der
Kopfbau zur Wilsdruffer Straße.
Die Marktbebauung ist typisch für die aufwändige, monumentale,
historisierende und durchaus qualitätsvolle Architektur der ersten
Hälfte der 50er Jahre in der DDR." Architekturführer
Dresden 1997
Besetzung der Mitte: der Zentrale Platz
Die Schaffung eines Demonstrationsplatzes für mindestens 100
000 Menschen für stehende Demonstrationen war entscheidender
gedanklicher Ausgangspunkt für den Wiederaufbau der Dresdner
Innenstadt. Anfang 1951 wurden mehrere Vorschläge gemacht, an
welcher Stelle man diesen großen neuen Platz errichten könne.
Herbert Schneider arbeitete genaue Pläne für einen Demonstrationsplatz
östlich des Neuen Rathauses aus, welches gerade im Aufbau war.
Durch Vorgaben der politischen Ulbricht-Führung in Ostberlin
wurde jedoch der Altmarkt - mitten in der barocken Altstadt festgelegt.
Die Besetzung der politischen, ehemals bürgerlichen Mitte durch
die Kommunisten war so ein höchst symbolischer Akt.
Vernetzung des Stadtgefüges zerstört
Ein gravierender, folgenschwerer städtebaulicher Fehler war neben
der völlig maßstablosen Ausweitung des Platzes seine Abriegelung
zu den umliegenden Nebenstraßen und -gassen. Auf der westlichen
wurden alle vier Gassen durch den von der Wilsdruffer Straße
bis zum Ring als Gesamtbaukörper reichenden Riegel abgeschnürt:
Scheffelstraße, Webergasse, Zahnsgasse, Breite Straße.
Auf der östlichen Seite die Große Frohngasse (seit 1451)
und auf der Nordseite die Schösser Straße (seit 1396).
Alle genannten Innenstadtstraßen sind heute nicht mehr existent.
Mit
dieser Abriegelung des Platzes wurde die Durchlässigkeit des
ehemals vernetzten inneren Stadtgefüges erheblich beschädgt
und ihm ein irreparabler Schaden zugefügt. Das Nichfunktionieren
des Dresdner Stadtkerns hängt zu großen Teilen mit diesem
undurchlässigen geschlossenen Stadtraum zusammen.
Die Ausweitung des Platzes zur politischen Instrumentalisierung "werktätiger
Massen" wurde jedoch in der Platzgestaltung selbst nicht konsequent
ausgebildet. Wahrscheinlich aus fehlenden finanziellen Mitteln unterblieb
eine einheitliche Neupflasterung. Die Ausdehnung des alten Vorkriegs-Altmarktes
war bis Anfang 2007 in weiten Teilen des Gründerzeitkopfsteinpflasters
sowie der ehemaligen Bordsteinkanten ablesbar. Für den Bau einer
Tiefgarage wird der Platz ab 2008 umgestaltet. Ein Teil des alten
Pflasters soll als
identitätsbildende Zeitschicht und
Erinnerungsmal wieder in den Boden eingelassen werden.
Architektur:
neobarock-sozialistisch -
im
Inneren: Swinging Fifties
Ist der politisch aufgeladene Städtebau äußerst kritisch
einzuschätzen, kann man die Architektur selbst durchaus positiv
"dresdnerisch" beurteilen. "Eklektizistisch" wäre
eine falsche Beschreibung für diese durchaus kreativ-schöpferisch
interpretierende Bauleistung. Denn das Wort besagt, ein wahlloses
Zitieren und Vermischen historischer Stilelemente verschiedener Epochen.
Am Dresdner Altmarkt aber wurde sehr genau auf das Spezifische eines
Dresdner Lokalkolorits geschaut, wenn auch das Individuelle der bürgerlichen,
einzelnen Wohn- und Geschäftshäuser zugunsten eines kollektiven
Gemeinschaftsgedankens der Gleichheitsutopie aufgegeben wurde.
Das
Innere der durch Treppenanlagen verbundenen Läden über zwei
Geschosse wurde im Stil der Ornamentik der 50er Jahre üppig und
in geschwungener Leichtigkeit gestaltet. Moderne Zeitgeistströmungen
kamen in den swingenden Kurven des Interieurs, der Lichtarchitektur
und -reklame zum Ausdruck.
siehe: Treppenhäuser
am Altmarkt
2005/ 06 werden - ohne jeden Protest der Öffentlichkeit die stadtbildprägenden
Glastulpenleuchten der späten 50er an der Wilsdruffer durch gesichtslose
Lichtstrahler ausgetauscht - wieder ein herber Verlust von gewachsener
Nachkriegs-kultur.

Foto: S. Baumgärtel (Jan. 06)
Der arbeitende Mensch in der Kunst
Eine Vielzahl schmückend künstlerischer
Details in Form von Skulpturen im Stil des Sozialistischen Realismus,
verspielter Mosaiken, schmiedeeiserner Gitter, kupferner Dachreiter
uvm. sollte den festlich- gehobenen Charakter des ältesten- und
Hauptplatz der Stadt unterstreichen sowie (kunst-) handwerkliche Traditionen
- nicht elitär sondern volkstümlich- neubeleben. Natürlich
stand die damals so benannte "Arbeiterklasse", also vorranging
arbeitende Menschen "der Hand" im Mittelpunkt (wie z.B.
die Sandsteinskulpturen "Drogist" [siehe Foto unten] und
"Küfer" [Böttcher] von Ernst Grämer am Eingang
zum Altmarktkeller). Die gegen-ständliche Politkunst Ostdeutschlands
versuchte mit dieser Arbeiterverherrlichung, sich von einer Westkunst
abzusetzen, die zunehmend, ebenfalls politisch motiviert, abstrakte
Darstellungen förderte.

Otto Dix, Former II, 1951- gezeigt auf der
3. Deutschen Kunstausstellung in Dresden 1953
Auch der ehem. Dresdner Prof. geriet in die Ost-West-
Kunstkonfrontation des kalten kriegerischen Denkens.
Das Abqualifizieren schmückender Bauelemente als "Zuckerbäckerstil",
ein Frontbegriff aus Zeiten des Kalten Krieges, weicht zusehens einer
sachlicheren anerkennenden Beurteilung. Was an dieser Architektur
"stalinistisch" oder gar "bolschewistisch", was
regional, was national, was DDR-deutsch und was allgemeiner Zeitgeist
innerhalb der Ostintegration in den "Warschauer Pakt" (ab
1955) gewesen ist, müßten eingehende kunsthistorische Analysen
klären.
Etwas verkürzt und ungenau in den historischen Dimensionen beschreibt
2005 Wolfgang Pehnt es so: "ein Nationalstil, der eigentlich
ein Heimatstil war."
Hohe
Decken, großzügige Wohngrundrisse, Parkett, z.T. Stuck,
lichte breite Hausflure, moderne Fahrstühle
- die Arbeiterpaläste bestechen durch außergewöhnlichen
Luxus für ansonsten eher bescheidene DDR-Verhältnisse. Leider
gingen die begehrten Wohnungen weniger an hart arbeitende, alleinstehende
Trümmerfrauen mit Kindern, als an führende SED-Genossen.
Hermann
Henselmann forderte mehr
bildkünstlerischen Schmuck.
Hermann
Henselmann, der damalige Chefarchitekt Ost-berlins, hatte 1952 die
ersten fertig gestellten, fast schmuck-losen Neubauten der Grunaer
Straße in Dresden Ost scharf kritisiert und mehr Künstlertum
und Fantasie gefordert. (Quelle: deutsche
architektur 2/1952).
1961 ist der "hakenschlagende"
Henselmann mit dem Haus des Lehrers am Alex dann ganz in die DDR-Moderne
umgeschwenkt. Zur Architektur von Henselmann zwischen 1950 bis 1955
auf der Ostberliner "Stalinallee", die keinen unwesentlichen
Einfluß auf Dresden hatte - siehe: www.uni-leipzig.de-
Aufsatz von Claudia Honisch
1999)
Als Reaktion auf Henselmanns Kritik war die besondere Ausschmückung
des neuen Altmarktes auch ein Zugeständ-nis an die langen künstlerischen
Traditionen der Kunststadt Dresden. Während in vielen Wiederaufbaustädten
von Dessau bis Neubrandenburg die neuen Marktplatzfassaden eher Bescheidenheit
ausstrahlten, legten die Planer für Dresden einen eindeutig höheren
Maßstab und ein enthusiastischen Ehrgeiz für dieses Prestigeobjekt
der jungen DDR an den Tag. Dresden - das hatte Klang und war eine
besondere Verpflichtung. Bauen im neuen Zentrum der schönen
Stadt hatte auch eine gesamtdeutsche Verantwortung. Neben dem
politisch aufgeladen Monumentalen, Triumphierenden sollte die Architektur
bewußt nicht an die Moderne während der 20 und 30er Jahre
anknüpfen, sondern an die humanstischen deutschen Traditionen
einer vormodernen Architektur und an die Leistungen eines lokal bezogenen,
traditionell starken Dresdner Kunsthandwerks.
"Nationale Tradition" - was ist das?
Die Altmarktbebauung
steht im Zeichen der sogenannten "Nationalen Tradition",
also eines vermeintlich typisch deutschen Baustils. Im einzelnen jedoch
besaß dieser Stil eine eher regionale Prägung. (Die Bauten
in Leipzig, Rostock, Ostberlin und Eisenhüttenstadt hatten durchaus
ortbezogene Architekturelemente.) Die Epochenbezeichnung kann man
wie folgt definieren:
Das
Leitbild der Nationalen Bautradition schreibt 1950-55 die Grundprinzipien
der Architektur in der DDR vor, die sich im Wesentlichen durch eine
Abgrenzung von der "Internationalen Architektur" der Moderne
auszeichnen. Vorbild ist die Architektur der Sowjetunion, in der sich
seit Mitte der 40er Jahre ein schöpferischer Eklektizismus aus
neoklassizistischen und neobarocken Elementen durchgesetzt hatte.
Einfluß auf die deutsche Architektur in der beschimpften "Ostzone"
hatte jedoch auch der Westen. Bereits am 21. Oktober 1949 stellte
der Bundeskanzler Konrad Adenauer aus Anlass des Inkrafttretens der
Verfassung der DDR den Alleinvertretungsanspruch
der BRD für das gesamte deutsche Volk, einschließlich des
Gebietes der DDR. (Infos dazu bei wikipedia). Das
offizielle, legitime Deutschland lag also nun in den Westzonen. Verständlich,
daß diese politische Entscheidung von der Pieck/ Grotewohl-
Regierung und vielen Bürgern in Sachsen, Thüringen und Brandenburg
als Provokation und ungerechtfertigte Entmündigung empfunden
wurde (obwohl vielen bewußt war, daß die SED-Regierung
nicht durch freie Wahlen an die Macht gekommen war).
Aus trotziger Angst vor drohender Teilung wurde nun verstärkt
das als National Empfundene in der ostdeutschen Kunst und Kultur herausgestrichen.
Wenige Wochen vorher hatte am 27. Juli 1950 die Volkskammer der DDR
die "16 Grundsätze des Städtebaus" beschlossen
(unter Vorarbeit der Dresdner "Planungsgrundlagen", 1949/50 durch
Kurt W. Leucht). Darin heißt es im Punkt 14: "Die zentrale
Frage der Stadtplanung und der architektonischen Gestaltung der Stadt
ist die Schaffung eines individuellen einmaligen Antlitzes der Stadt.
Die Architektur muß dem Inhalt nach demokratisch und der Form
nach national sein. Die Architektur verwendet dabei die in den fortschrittlichen
Traditionen der Vergangenheit verkörperte Erfahrung des Volkes."
Bereits ab 1955 wurde dieses Leitbild schrittweise von der international
orientierten DDR-Moderne mit Hang zu Abstraktion und strenger Geometrie
abgelöst.
Deutsche Einheit
Natürlich spielten eine ganze Reihe politische Motive in der
angestrebten Suche nach signifikanter deutscher Architektur eine Rolle.
Im Stil der Propaganda des Kalten Krieges wurde von Seiten der DDR
die "Spalterpolitik" Westdeutschlands heftig kritisiert,
die sich politisch und kulturell einem "US-Imperialismus"
und einer diktierten globalisierten Moderne unterordnete und die die
eigenen Werte einer deutschen Kultur aus opportunistischer Anpassung
aufgäbe. Scharf gegeißelt wurde der bloße Funktionalismus
und die "Kastenmoderne" Amerikas, wobei in der Kritik ausgeblendet
wurde, daß die Bauhausmoderne eigentlich eine der wenigen originären
deutschen Bau-Erfindungen war und wenn man so will, auch eine Art
"nationale Tradition" innerhalb eines internationalen Trends
darstellt.
Ostdeutschland halte dagegen die wahre deutsche Kultur-tradition aufrecht
und betreibe im Gegenzug von Adenauers Westintegration eine nationale
Einheitspolitik (natürlich unter sowjet-sozialistischen Vorzeichen).
Diese feindschaftliche innerdeutsche Auseinandersetzung um den klaffenden
Riss Europas am "Eisernen Vorhang", die sich bis an die
Grenze des heißen Krieges hochschaukelte, spiegelt sich als
steingewordene Politik auch am Dresdner Altmarkt wider.
Altmarkt Süd- bzw. Nordseite
Im
Herbst 1953 lobte das Ministerium für Aufbau in Berlin einen
Wettbewerb zur Ausgestaltung der Südseite des Platzes aus. Einem
Kollektiv des Lehrstuhls für Städtebau der Hochschule für
Architektur in Weimar wurde der erste Preis unter zehn Bewerbern zuerkannt.
Der pavillonartige Riegel, der den Zentralen Platz in einen nördlichen,
ornamental aufgefassten Demonstrations- und baumumstandenen Sekundärplatz
teilte, gelangte nicht zur Ausführung. Vom geplanten und geforderten
Kulturhochhaus nach sowjetischem Vorbild wurde nach langwieriger Diskussion
Abstand genommen. (siehe SZ
vom 28.05.03)
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Ausgeblendet in der DDR-Propaganda ebenfalls: die traditionalistische
Architektur, die es noch lange in den 50er Jahren in der alten Bundesrepublik
gegeben hatte. Zu den Merkmalen dieser deutschen Nachkriegsarchitektur
gehörten u.a.: Satteldach, Putzfassade und Gauben, zuweilen auch
ein krönender Dachreiter. Hier im Bild: ehem. Ordnungsamt am
Robert-Koch-Platz in der niedersächsischen modellhaften Aufbaustadt
Wolfsburg, errichtet 1955.
(Aufnahme: 2005, T.Kantschew)
Lesetipp:
DDR-Bauzeitung: "Deutsche Architektur", 1. Jg. 1953, 1-3
Hier finden sich auch Beiträge über den Wettbewerb der Altmarktbebauung,
an dem Schneider, Rascher, Rauda und Bärbig teilgenommen hatten.
"16
Grundsätze des Städtebaus" - Originalquelle vom
Aufbaugesetz der Volkskammer von 1950
Hysterie und antiamerikanische, dumpfe Propaganda gegen die Moderne
- Literatur aus Dresden:
Zeitquelle "Zeichen unseres Selbstbehauptungswillen":
"Die seelenlosen und kalten, nur vom Zweck oder der Konstruktion
her erdachten Bauten des F o r m a l i s m u s
sind letzter Ausdruck der Entmenschlichung des Lebens und der Kunst
durch den Imperialismus. Heute nutzt der aggressive amerikanische
Imperialismus diese Bauweise als Waffe zur Vernichtung der nationalen
Existenz der Völker. (...)
Die neue Baukunst des sozialistischen Realismus ist voller Freude,
Zuversicht und Stolz. Sie will sich nicht von den Errungenschaften
der Vergangenheit lösen, sondern sie auf höherer Ebene fortsetzen.
Um dies zu erreichen, blickt sie bewußt auf die Werke der nationalen
Tradition zurück und entnimmt ihnen kritisch das Beste im Interesse
der Erfüllung heutiger Aufgaben." (aus: Deutsche Baukunst
in zehn Jahrhunderten, Dresden 1953, S. 15)
American Way of Life
Ironie der Geschichte: im sozialistischen "Haus Altmarkt",
das mit einer Betonung von "deutscher Kunst und Kultur"
polemisch gegen einen "amerikanischen Kultur- imperialismus"
errichtet wurde, verkauft seit 1992 die US-Fastfoodkette "Mc
Donalds" Hamburger und Cola.
Allerdings erinnert bereits die ehemalige swingende Bar von 1956 im
selben Haus an kulturelle amerikanische Vorbilder. Die Bar (engl.
ursprüngl: Schranke, Barriere, Hindernis) und der "Barkeeper"
wurden schließlich nicht in der Sowjetunion erfunden.
Herbert Schneider
Chefarchitekt Dresdens von 1953 - 1962 in der Ägide von Stadtbaudirektor
Liebscher. Schneider machte bereits 1946 mit einem z.T. modernen Aufbauplan
für Dresden während der Ausstellung "Das
neue Dresden" auf sich aufmerksam, bei dem z.B. die Prager
Straße gänzlich neu interpretiert wurde und der Hauptbahnhof
symmetrisch in der Verlängerung der Prager Straße komplett
umgestaltet worden wäre.
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Ostseite Altmarkt:
Herbert Scheneider
Figurengruppen
am Hauptportal von Otto Rost

Innengestaltung
Altmarkt Ostseite: Heinz Zimmermann und Kollektiv

Glasmosaiksäule
von Johannes Beutner
Lichtarchitektur
am Dresdner Altmarkt in den 50er Jahren. Architekt: J. Rascher. Hier:
Tanzgaststätte Café Prag (Foto: Richard Peter, in: "Dresdener
Notturno")

Ehemalige Bar im
"Haus Altmarkt" von 1957

Hybride Hochhausträume: Entwurf für ein zentrales Partei-
und Kulturhaus an der Nordseite des Altmarktes. Es wurde, Stalins
Tod sei Dank, nicht verwirklicht. Der ekklektizistische Turm von Herbert
Schneider (1953) hätte, um die historische Überlegenheit
des Sozialismus zu betonen, alle anderen Türme der Stadt überragt.
Vorbild: Lomonossow-Universität
in Moskau (1949 - 53) oder der Kulturpalast in Warschau.

Plan Altmarkt 1958, wieder als Aufmarschplatz und Propaganda-Instrument.
Das Hochhaus wurde ein Kubus mit neben- und freistehenden Campanile.
Der Neumarkt wäre ein überdimensioniertes Rechteck geworden.
Vergrößerung.

Zeitkolorit: Propagandaschrift
Ruth Seydewitz: Das neue Dresden,
Berlin (Ost) 1961 (Kongress Verlag).
Die jüdische Autorin war die Ehefrau von Max Seydewitz, SED-
Ministerpräsident vom Land Sachsen 1947- 1952.
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