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| Architekt: |
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Bernhard
Klemm & Kollektiv, W. Hänsch
Planungsgrundlagen 1949- 50: Oberbaurat
Kurt W. Leucht + Gartenarchitekt
Hans Bronder
Berufsschulzentrum: Gottfried Klingner (VEB Projektierung - Sachsen)
+ Walter Henn (TH) |
| Bauzeit: |
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1951-55
(polytechn. Oberschule 1959-60) |
| Adresse:
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ehemalige
Pirnaische Vorstadt:
Grunaerstraße, Zirkus-, Mathilden-, Seidnitzer-, Blochmannstraße |
Die
"Wohnzelle" Grunaer Straße, ein völlig neues
Stadtquartier, ist städtebaulich einerseits nach den Grundsätzen
der aufgelockerten, durchgrünten Stadt der Moderne entworfen.
Diese Grundprinzipien waren bereits in den späten 20er Jahren
durch die europäischen CIAM-Kongresse detailliert konzipiert
und in Deutschland auch in den neuen Wohnsiedlungen während der
30er Jahre angewendet worden. Vorläufer war die Reformbewegung
der "Gartenstadt" um 1900. Große weite grüne
Innenhöfe, Vorgärten und reichlich Straßengrün
sollte mitten in der Stadt für eine gesunde hygienische Atmosphäre
sorgen.
Andererseits spielten Überlegungen der kompakten, traditionellen,
urbanen europäischen Stadt eine Rolle. Die Stadtquartiere sollten
doch deutlich einen repräsentativen Großstadtcharakter
haben mit Betonung und Akzentuierung von Hauptplätzen bzw. -straßen.
Die erste "Wohnzelle" Dresdens nach 1945, konzipiert für
ca. 5000 Menschen, war jedoch kein Resultat einer spontanen Bebauung
irgendwo, sondern bildete einen organischen Teil einer umfassenden
Gesamtkonzeption für ganz Dresden bzw. den Grossraum Dresden
und die gesamte Region des Elbkessels von 1949/ 1950. Diese weitgreifende
Planung behandelte Dresden, trotz Gründung zweier getrennter
deutscher Staaten, immer noch als Hauptstadt eines (Bundes-) Landes
Sachsen innerhalb eines potentiell bald wieder zu vereinenden Deutschlands,
also noch vor der betonierten Entzweiung 1961. Detaillierte Pläne
- siehe unten auf dieser Seite.
Architektur, an Traditionen anknüpfend und doch neue Wege
suchend
Die nach den Grundsätzen der hygienischen, neuen Stadt errichtete
Architektur der ersten Dresdner Wohnzelle wird in die sogenannte "Nationale
Tradition" eingestuft. Schräge, rotfarbene Ziegeldächer,
Akzentuierungen in Werkstein, Erker und ockerfarbener Putz sorgten
für Wiedererkennungseffekte im Vergleich zu Gebäuden vor
der Zäsur 1945. Angestrebt war eine moderate Ähnlichkeit
mit einer als dresdentypisch empfundenen Architektur, ohne die revolutionären
Veränderungen einer radikal neuen Gesellschaftsordnung der "Arbeiter-
und Bauernmacht" zu leugnen. Man könnte dieses ausbalancierte
Gleichgewicht zwischen Umbruch und Kontinuität durchaus als erfolgreich
beschreiben, wenn man den politisch-stalinistischen Terror dieser
Zeit ausblendet.
Diese ersten neuen Nachkriegsgebäude erinnern, wie Jan von Havranek
2001 in "das neue dresden 1919 - 1949" beschreibt, sehr
an die Neubauten in der Paul-Wolf-Ära Mitte der 1930er Jahre.
Im 1. Bauabschnitt einer groß angelegten Alstadtsanierung wurde
z.B. dieser Ersatzbau Marktstraße (ehemals Kleine und Große
Frohngasse, heute Weiße Gasse) 1935-38 vom Hochbauamt der Stadt
Dresden errichtet:
Foto: Adressbuch Dresden 1938 / Band 1, S.4
Der Architekturführer Dresden 1997 beschreibt die Bauten der
Wohnzelle Grunaer Straße folgendermaßen:
Mit dem
"Gesetz über den Aufbau der Städte in der DDR und der
Hauptstadt Deutschlands, Berlin" und den "16 Grund-sätzen
des Städtebaus" wurden Maßnahmen zur Planung und Gestaltung
des Wohnungsbaues festgelegt. Im großflächig enttrümmerten
Gebiet der Pirnaischen Vorstadt wurde es möglich, eine in sich
geschlossene Siedlungszelle, die von Grünflächen durchzogen
ist, zu realisieren. Die fünfgeschossigen Häuser an der
Nordseite der Grunaer Straße, noch in traditioneller Bauweise
errichtet, stellen den Beginn des organisierten Neuaufbaus in Dresden
dar. Sandstein-Putz-Fassaden, Erker, Loggien und Torbögen sind
architektonische Elemente, in den Dresdner Bautradition anklingen
sollte. Das EG der Häuser Grunaer Str. 23-29 ist zur Ladenzone
ausgestaltet. Im Verlauf der 50er Jahre entstand im Karrée
Mathilden-, Zirkus-, Seidnitz-, Grunaer Straße eine Blockrandbebauung
mit Durchfahrtstraßen und Höfen. (aus: Architekturführer
Dresden, 1997)

Blockrandbebauung?
Die hier beschriebene "Blockrandbebauung" ist für das
Quartier der ersten Dresdner "Wohnzelle" eine irrtümliche
Bezeichnung. Eine sehr differenzierte Bebauung mit freistehenden Einzelblöcken
und ganz unterschiedlich breiten Abständen zur Straße bzw.
zum Teil erheblichen Abstandsgrün läßt eher auf eine
interessante Mischung von alteuropäischem Städtebau und
neu-europäischen Stadtbaukonzepten des frühen 20. Jahrhunderts
schließen.
In den "16 Grundsätzen des Städtebaus" von 1950
kann man zum besseren Verständnis dieser Aufbruchepoche erstaun-lich
unorthodoxe Leitsätze lesen: "Für die Stadtplanungen
wie für die architektonische Gestaltung gibt es kein abstraktes
Schema. Entscheidend ist die Zusammenfassung der wesentlichsten Faktoren
und Forderungen des Lebens." Dieses humanistische Potential innerhalb
der Diktatur herauszuarbeiten, könnte auch in einer Orientierung
suchenden Demokratie nützlich
sein:
Ostdeutscher
Städtebau der frühen 50er- Synthese & Transformation
zwischen Moderne und Tradition
Fast zeitgleich entstand in der Südvorstadt die Siedlung an der
Nürnberger Straße (1953-54) von Chefarchitekt Albert Patitz,
seinem Kollektiv (und vor allem von einer großartig zupackenden Trümmerfrauen/
-männergeneration). Der Neuaufbau dieser ersten Wohnquartiere im ruinenberäumten
Dresden basierte auf folgenden, grundsätzlichen Überlegungen
zur künftigen Stadtentwicklung:
1950: Die Grundprinzipien für die Neuplanung Dresdens
| 1. |
Landeshauptstadt
Dresden ist die Hauptstadt des Landes Sachsen und der Sitz der
Regierung eines Landes der Deutschen Demokratischen Republik.
Dresden ist der zentrale Ort von 1,8 Millionen Einwohnern des
Großraumes.
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| 2. |
Arbeitsstadt
Dresden ist Arbeitsstadt mit einer mannigfaltigen Veredelungs-
und Fertigwarenindustrie.
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| 3. |
Kulturstadt
Dresden hat die besonderen Aufgaben einer Kunst- und Kulturstadt
zu erfüllen. Die im Laufe der Geschichte entstandenen Traditionen
und Gegebenheiten und die sich anbahnende kulturelle Entwicklung
bilden hierfür die Grundlage.
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| 4. |
Besiedlung
der Wohnfläche
Unter Berücksichtigung der Bevölkerungsentwicklung ist
für die Stadt Dresden eine Zahl von 500 000 Einwohnern innerhalb
der jetzigen Stadtgrenzen zugrunde zu legen. (...) Das Verhältnis
der Wohndichte EW/ ha Wohngrundstücksfläche (überbaute
Wohnbaufläche, Hausgarten und Wohnwege) ist im allgemeinen
mit höchst. 250 als Richtzahl angenommen worden.
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| 5.
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Mensch
Die Erfüllung der Forderungen des werktätigen Menschen
hinsichtlich des Wohnens, der Arbeit, der Kultur und Erholung
ist das Ziel der Planung.
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| 6.
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Wohnzelle
Eine funktionelle Ordnung der Wohnzellen wird herbeizu-
führen sein. Die kommunalpolitische und städtebauliche
Ordnung der Stadt baut sich vom Wohnbezirk als kleinste Zelle
bis zum Gesamtgefüge der Stadt organisch auf. Hierbei ist
für den lebensfähigen Wohnbezirk die Richtzahl von 5000
bis 6000 Einwohnern zugrunde gelegt worden. (...)
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| 7.
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Industrie
Die städtebauliche Einordnung von Industrie und Gewerbe wird
sich mit dem Aufbau der Wirtschaft vollziehen, wobei Arbeitsstätten
und Wohnquartiere planvoll einander zuge-
ordnet werden.
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| 8.
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Zentrale
Funktion
Der Stadtkern als zentraler Ort, d.h. als Mittelpunkt der zentralen
Funktionen der Verwaltung, der Wirtschaft und der Kultur basiert
nicht allein auf dem Stadtgebiet Dresden, sondern ebenso auf dem
Großraum und auf dem Land Sachsen. Er wird für die
politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung von weittragender
Bedeutung, im besonderen ein Spiegelbild der künftigen Gesellschaft
sein.
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| 9.
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Verkehr
Die Neuordnung des Verkehrs richtet sich nach den Erfordernissen
einer zukünftig anwachsenden Verkehrs-
entwicklung. Hierbei sind differenzierte Verkehrswege den jeweiligen
Funktionen und Bedürfnissen entsprechend vorzusehen.
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| 10.
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Grünflächen
Die Gestaltung des Stadtlandschaftsraumes baut sich auf einer
biologisch gegründeten Grünflächenpolitik auf.
Die Landeshauptstadt soll noch mehr als bisher in ihrer natürlichen
landschaftlichen Lage der Stadt der Gärten, der Grünanlagen
von Nutz- und Erholungsgrün, eine Stadt der Hygiene werden.
Dabei bestimmen Bodeneigen- schaften und landschaftliche Gegebenheiten
die Gestalt des Stadtlandschaftsraumes.
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| 11.
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Grund
und Boden
Der Neuaufbau kann bei einer grundlegenden Neuordnung des Grund-
und Bodenwertes durchgeführt werden. Hierbei erfordert die
künftige städtebauliche Ordnung die Bildung von Groß-
und Sammelparzellen.
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| 12.
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Baudenkmale
Erhaltenswerte Baudenkmale, Natur- und Landschafts-
schutzgebiete bilden einen festen Bestandteil der Neuplanung,
soweit sie der Ausdruck einer vergangenen Kultur und Gegenstand
des allgemeinen Interesses sind. |
aus: Planungsgrundlagen,
Planungsergebnisse. Für den Neuaufbau der Stadt Dresden. Bericht des
Stadtplanungsamtes über die Ergebnisse der Untersuchung der strukturellen
Grundlagen für die neue städtebauliche Ordnung der Landeshauptstadt
Dresden, bearbeitet durch Oberbaurat Leucht, Gartenarchitekt Bronder
und Dipl. Ing. Hunger, Dresden 1950.
(Dort auch umfangreiches Kartenmaterial zu: Dresden. Entwicklung der
Innenstadt; Grünflächenplan; Grossraumplan etc.)
In diesen "Planungsgrundlagen",
der ersten Arbeit über die Planung für
den Wiederaufbau einer kriegszerstörten deutschen Stadt, 1949- 1950
verfasst, heißt es im Punkt 6:
"Wohnen":
"Die Entwicklung im 19. und am Anfang des 20. Jh. führte
zu chaotischen Ballungen der Bebauung in den Städten, insbesondere
in den Großstädten. Die Erkenntnis dieser Tatsache bildet
die Grundlage für eine fortschrittliche Planung, nach der die
für die einzelnen Zwecke genutzten Flächen ihren funktionellen
Beziehungen entsprechend zu gliedern und planmäßig festzulegen
sind. Theoretische Untersuchungen werden in zahlreichen schematischen
Plänen fixiert. Es zeigte sich im weiteren, daß auch die
für die Bebauung vorgesehenen Flächen als überschaubare
und organische Gebilde gestaltet werden müssen, wie sie im natürlich
gewachsenen Dorf und der mittelalterlichen Stadt erkennbar waren.
(...)"
Zu den zentralen Einrichtungen sollte z.B. auch ein
"Zentraler Handwerkerbetrieb" gehören mit "Schneiderei,
Schuhmacherei, Schlosserei, Schmiede, Klempnerei, Installationswerkstatt,
Tischlerei, Malerei für den örtlichen Bedarf in Verbindung
mit einem Kommunalhof für zenrales Gerät, Fahrbereitschaft".
Diese Ideen konnten bei dem Komplex Grunaer Straße durch
TH Prof. Klemm (1916
- 1995) nur durch die Laden- und Servicezeile
umgesetzt werden.
Weiter
heißt es im Text: "Die Wohnungen sollen allen neuzeitlichen
wohntechnischen und wirtschaftlichen Erkenntnissen Rechnung tragen.
Der Aufwand zur Unterhaltung und Pflege der Wohnungen muß besonders
im Hinblick auf die werktätige Frau mit einem Minimum an Arbeit
bewältigt werden können. (...)
Eine wichtige Rolle werden beim sozialen Wohnungsbau die in der Entwicklung
befindlichen neuen Konstruktionen und Baumethoden spielen, und zwar
hinsichtlich des Wohnens selbst, hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit
- vor allem in bezug auf Unterhaltungskosten -, aber auch hinsichtlich
der schnellen Beseitigung der Wohnungsnot. Die von fortschrittlichen
Architekten der ganzen Welt seit Jahrzehnten erhobenen Forderungen
müssen realisiert und die konservative Auffassung im Wohnungsbau
überwunden werden.
Der Wohnwert wird ferner bestimmt durch richtige Orientierung der
Wohnung zu Sonne, Freifläche und Landschaft, Verkehr und zentrale
Funktionen.
Elastizität der City
(...) Wenn auch
eine zukünftige Entwicklung vielfach eher auf ein Schrumpfen
der City gegenüber den bisherigen Abmessungen als auf eine Erweiterung
schließen läßt, ein Vorgang, der vor allem mit der
Beschränkung der City auf ihre eigentlichen Funktionen zusammenhängt,
soll doch eine hinreichende Elastizität gewährleistet sein.
Geminderter Flächenbedarf
1. Beschränkung der City auf spezifisch zentrale Funktionen des
Landes, des Großraumes und der Stadt
2. Gegenüber
den etwa 94 000 ehemals im Zentrum Wohnenden sollen in Zukunft nur
noch etwa 30 000 innerhalb der Innenstadt untergebracht werden.
3. Technische Vervollkommung des Nachrichtennetzes (Funk, Fernsehen,
Fernschreiben, Telefon) sowie des Filmwesens werden zu einer Entlastung
der City führen."
City ist überall?
Dieser Punkt 3 mutet heute reichlich modern an, denn für 1950
ist die futuristische Vorausschau einer ausgedehnten, sich potentiell
dezentral entwickelnden Stadt des 21. Jahrhunderts, die vorrangig
über elektronische Massenmedien kommuniziert, eine reichlich
hellsichtige Analyse. Auch damals schien man also um das Spannungsverhältnis
zwischen Kern und Peripherie zu ringen, nachdem avantgardistische
Stadttheoretiker in den Jahrzehnten zuvor das Ende der "Alten
Stadt" samt ihres zunehmend engen, luftlosen Stadtkerns verkündet
hatten.
Zusatzfunktionen Grundschule und BSZ
Bereits 1952 komplettierte das neue Stadtquartier ein modernes, berufliches
Schulungszentrum für Bau und Technik (BSZ) an der Günzstraße,
welches auch ein interessantes Beispiel für die Formenvielfalt
architekton-ischen Schaffens in den 50er Jahren in Ostdeutschland
darstellt. Architekt war Gottfried Klingner vom VEB Projektierung
- Sachsen. Ausführungsdetails kamen vom Entwurfsinstitut Prof. Dr.
Ing. Walter Henn der Technischen Hochschule Dresden.
In das neue Stadtquartier wurde ab 1959 auch eine 10-klassige allgemeine
polytechnische Oberschule integriert (siehe: Bilder rechts).
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Appartmenthaus Grunaer Strasse/ Blochmannstrasse, Architekt: W. Hänsch
& Kollkektiv 1954 / 55

Gehört diese Architektur in das Schubfach "Nationale Tradition"?
Sachliche Wohnbauten von Prof. Bernhard Klemm

Kurt Loose, Sandsteinplastik
"Junge Pioniere", 1955, Grunaer Straße 
Sandsteinrelief am Appartmenthaus
Grunaer Strasse 1954 (Aufn. Aug. 05)

Städtisch und doch im Grünen: Inzwischen sanierte Wohnbauten
Grunaer Straße, Mai 2004 / Aufgelockerte Bauweise des Quartiers,
April 2005
Diese drei Fotos von S.Baumgärtel, Februar 2005

Zurückhaltende Reminizensen an lokale Bautraditionen - Loggien
mit Werkstein- akzentuierungen

Teil des Quartiers: Moderne Bauschule an der Günzstraße,
1952 / Unter der Traufkante ist ein Schriftband mit Agitation- und
Propagandasprüchen erkennbar. Bemerkenswert ist die moderne Typographie.
(Aufn. 2005)
Textbeginn: "Wo das arbeitende Volk ..."

Der Meister zeigt einem Bauschüler den Weg: Bronzekunstwerk im
Agit-Prop-Stil

Detail einer Hauswand an der Zirkusstraße

Architektur verändert sich: Graffiti-botschaften an der Turnhalle
der Schule. Unten im Zustand der Fertigstellung 1960. (Aufn. 2005)
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"Entwicklungsplan Innenstadt"
Entwicklungsplan
Innenstadt (Vergrößerung)
vom Rat der Stadt Dresden (Stadtplanungsamt) - Oktober 1949.
(Literaturquellenangabe: siehe oben "Planungsgrundlagen ...")
Träume
von Gestern: Eine neue Stadt -
planvoll, geordnet, ohne Chaos der freien kapitalistischen Welt
Vom Kreisverkehr Pirnaischer Platz sollten nördlich der Grunaer
Straße die neuen Wohnzellen errichtet werden (rot gekennzeichnet).
Südlich davon (grün) war die gesamte Fläche des heutigen
Robotrongeländes für "Ausstellung/ Sportanlagen"
reserviert. Westlich des neuen Stadtquartieres zur Petersburger Straße
sind - mit reichlich Abstandsgrün - Flächen für "Verwaltung
/ Hotels" vorgesehen. Statt Funktionsmischung - strikte Funktionstrennung.
Die nördlich der Wilsdruffer Straße ausgewiesene Fläche
zwischen Albertinum und Johanneum wird in diesem Plan (dunkelgrün)
mit "Kulturbauten" gekennzeichnet. Lediglich 15 % dieses
Viertels sollten überbaut werden. Westlich vom Altmarkt (rot
gekreuzt): "Geschäftshäuser", südlich und
östlich "Verwaltung / Hotels". Schwarz bezeichent sind
die "in die Planung einzubeziehenden Gebäude" (darunter
nicht: Schloß, Taschenbergpalais, Frauenkirche).
Eine neue Straße führt vom Theaterplatz zur Schießgasse.
Die Prager Straße, ganz von "Läden" gesäumt,
hat noch eine moderate Breite. Drumherum vom Ring bis zum Hauptbahnhof
"Verwaltung / Hotels"
So "einfach" kann Stadt sein! Im angebrochenen neuen 21.
Jahrhundert wissen wir durch bittere Erfahrung geläuterten aufgeklärten
Bürger, dass "Stadt" so einfach nicht funktioniert.
Dresden
Grünflächenplan
Die
Wohnzelle Grunaer Straße (wie
natürlich die gesamte City) sollte direkt von einer sehr großzügigen
Grünfläche mit Frischluft versorgt werden, die nebenbei
genügend Erholungs- und Sportzonen anbieten sollte. Dieses großzügige
innerstädtische Grün-Gebiet war von der Petersburger Straße
bis Bürgerwiese und Großer Garten vorgesehen - eine revolutionär
radikale Vorwegnahme der ökologischen Bewegung in den 80ern.
Die Vergrößerung
zeigt das weitsichtige Konzept: im Süden sorgt ein ganzer "Obstbaumgürtel"
(grün gepunktet) für die Lieferung regionaler Lebensmittel.
Eine Vielzahl roter Punkte kennzeichnet die "Aussichtspunkte"
und macht auf die zu schützende Landschaft des gesamten Elbtals
aufmerksam (eine Vorwegnahme des Unesco-Beschlusses)
Hellgrün: "Gärtnerland", Dunkelgrün "Forstwirtschaftliche
Flächen", Ocker "Landwirtschaftliche Flächen".
Straßen: Es wurde unterteilt in: Autobahn, Hauptverkehrsstraßen
(dick) und Durchgangsstraßen (dünn). Die damals bereits
konzipierte Waldschlösschenbrücke wird als untergeordnete
Durchgangsstraße eingestuft.
(Für den überregionalen, gesamteuropäischen Transit-Verkehr
hätte es neben der geplanten Autobahn nach Prag eine dritte,
die Heide weiträumig umführende Trasse gegeben, die ein
großes Autobahndreieck gebildet hätte (gestrichelt dargestellt)
- siehe "Grossraumplan
Dresden".
Grün gestreift sind in diesem umfassenden, die Region als Ganzes
entwickelnden Plan "Geplante Aufforstungen" dargestellt.
Die Waldschlösschenbrücke hätte in dieser Planung im
überregionalen Transitverkehr keine Rolle gespielt.
Literatur:
Zu Kurt W. Leucht, der Verfasser der Dresdner "Planungsgrundlagen",
der "16 Grundsätze des Städtebaus", Masterplaner
für die "Erste sozialistische Stadt Deutschlands" Eisenhüttenstadt
und ehemaliger NS-Architekt siehe den Text zur Ausstellung des DHM
Berlin von Jörn Schütrumpf
"Aufbau
West. Aufbau Ost. Die Planstädte Wolfsburg und Eisenhüttenstadt
in der Nachkriegszeit" 1997
Bernhard
Sterra „Die Stuttgarter Schule in Dresden“ in den Jahren 1930 bis
1950. Bernhard Klemm z.B. arbeitete in der Nachkriegszeit Sanierungs-
und Wiederaufbaupläne unter anderem für Dresden aus. Näheres
zu einer Tagung zu "Neue Tradition – Konzepte einer antimodernen
Moderne in Deutschland von 1920 bis 1960" am 05.10.2007 in Dresden
an der TU Dresden. Zum schwierigen Verhältnis von Moderne und Tradition
in der Architektur. Link zu Hsozkult
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Neubau einer polytechnischen
Oberschule, Zirkusstraße, 1959-1960

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