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| Architekt: |
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Hans
Richter, Rudolf
Schilling & Julius Gräbner,
Hans Waloschek
(Mitarbeit Herbert Schneider),
Ernst Ufer, Willi Martin
Romberger |
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Farbplanung: |
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Karl
Rade, Professor an der Staatlichen Akademie für Kunstgewerbe Dresden |
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Bauzeit: |
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1928-
39 |
| Sanierungs-Architekt
1999: |
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Dietmar
Eichelmann, Dresden. Link |
| Restauratorische
Befundung: |
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Hilke
Frach-Renner, Dresden. |
| Adresse:.
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Kopernikus-,
Richard Rösch-, Schützen-
hof-,
Aachener Straße |
Internationalität
gegen Bodenständigkeit
Diese erste Großsiedlung des modernen Bauens in Dresden führt
den in den 20er und 30er erbittert ausgetragenen Streit zwischen Befürwortern
des neuen Bauens und Anhängern des Prinzips Bewahren von Bautradtionen
vor Augen. Explizit ging es besonders um die Frage, ob Wohnhäuser
ein schräg geneigtes (Ziegel-) Dach oder ein modernes flaches
Dach aufweisen sollen. Während eine Menge Siedlungen der frühen
20er Jahre in Dresden West, wie z.B. die Siedlung "Zur guten
Hoffnung" (Duckwitzstraße) von Paul Müller (1926-29)
oder die Kriegersiedlung Trachau (Rodung, An der Böschung) ebenfalls
von Schilling und Gräbner (1921-26) noch das traditionelle ziegelgedeckte
Walmdach aufweisen, entschließen sich die oben genannten Architekten
unter Führung des aus Böhmen stammenden Hans Richter 1926
bei der neuen Großsiedlung Trachau zu einem Bruch mit der Vergangenheit.
Der äußert sich in eben jenen durch den Bauhausgedanken
(um Walter Gropius) verbreiteten Flachdächern, einer damals unerhörten
und ungewohnten Neuigkeit in der jungen Deutschen Republik.
Im weitesten Sinne wurde Bodenständigkeit einer lokal bezogenen
Bauauffassung zugunsten von
Internationalität eines überregionalen Architekturtrends
aufgegeben. Aber neben dem Wegfallen der Funktion
eine Dachbodens bekam das Flachdach eine Funktion hinzu. Es konnte
im Sinne des populären Licht- und Luftkonzeptes als Sonnenterrasse
genutzt werden - was nach der Sanierung heute in Trachau auch wieder
möglich ist. (Dieses Sonnendeckmotiv leiteten die Modernisten
übrigens von der typischen kykladischen, einfach-schlichten Würfelhäusern
auf Griechenlands Inselwelt ab.)
Hans Richter
Der Nordböhmische Architekt (1882 - 1971) hat neben der Wohnsiedlung
in Dresden Trachau und am Sachsenbad (Arno-Lade-Block) u.a. nach dem
II. Weltkrieg die Ostberliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz
1950-54 wiederaufgebaut. Neben einer starken Vereinfachung im Äußeren
fällt hier die gediegene 50er Jahre Ornamentik der Innenausstattung
auf, die zur völligen Schmucklosigkeit in Trachau im Kontrast
steht.
Im Wettbewerb für das NS-Gauforum am Dresdner Hygienemuseum hat
er 1935 einen Ankaufs-Platz erhalten.
Hans
Waloschek
(1899 -1985) Der östereichische Sozialdemokrat war maßgeblich
an der Großsiedlung des Neuen Bauens in Dresden Trachau bis
1933 beteiligt und mußte bald darauf unter dramatischen Umständen
aus Deutschland fliehen. 1936-1946 Emigration nach Argentinien.
Werk und Leben (mit reichlich Bild- und Quellenmaterial) unter: www.waloschek.de/hans/lebenslauf/hw-frame.htm
Literatur: Auf den Spuren des Architekten Hans Waloschek :
ein Teilbericht über seine Bauten in Deutschland 1928 - 1933 / zsgest.
und hrsg. von Pedro Waloschek. - Norderstedt : Books on Demand, 2009.
Schilling & Gräbner,
das bekannte Architektenduo der Aufsehen erregenden Christus-Kirche
in Strehlen (1903-05) und der Zionskirche (1908-12) als modernstem
Kirchenbau Dresden vor 1945 (z.Z. immer noch Ruine) sind zudem vorbildlich
und stellvertretend für die Suche nach neuen architektonischen
Lösungen unter Berücksichtigung der Geschichte und Tradition
zu nennn.
Rudolf Schilling (1859- 1933; seit 1899 gemeinsam mit Julius Gräbner
1858 - 1917)
Heimat - zwiespältig
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 und der
damit verbundenen Propagierung einer germanischen Blut- und Bodenmystik
wurde per Gesetz der Gebrauch von Flachdächern bei Wohnhäusern
untersagt. So verwendete man bis zur Fertigstellung der Siedlung 1939
wieder jene steilen Walmdächer. Über 60 Jahre später
in einer offenen pluralistischen Gesellschaft erscheint dieser ideologisch
zugespitzte Streit mittlerweile reichlich verstaubt und kaum noch
nachvollziehbar. Die Suche nach einem neuen (oder alten vergessenen)
regionaltypischen Ausdruck dagegen ist virulenter denn je.
Ornament- und Schmucklosigkeit
Eines der essentiellen Grundelemente der Moderne, so wie man sie am
Anfang des 20. Jahrhunderts verstand, ist deren Verzicht auf schmückenden
Dekor - als flammender Protest gegen die überzogene Verzierungsmanie
der Gründerzeit eines geltungssüchtigen aufstrebenden Bürgertums
zwischen 1880 und 1914. In den undekorierten Fassaden sollte die Befreiung
vom Ornament einen radikalen Neuanfang verdeutlichen. Am Ende der
Kopernikusstraße zeigt allerdings ein anderer Bau, ebenfalls
zur gleichen Zeit um 1928 errichtet - die Apostelkirche,
wie man mit einfachen Keramiken und Formsteinen, einem Gebäude
durchaus würdevoll und mit Anstand schmücken kann, ohne
schwülstig zu werden.
Nach 1933 wurden dann vereinzelt wieder schmückende Elemente
- meist über Hauseingängen - angebracht, oftmals Tiere oder
Pflanzen, z.T. auch propandistisch gefärbte Sprüche.
Erläuterung der Anlage:
"Die Siedlung ist das bekannteste Beispiel des Neuen Bauens in
Dresden. Im Hochbauamt wurde unter Leitung Max Arlts 1926 - 1928 ein
Bebauungsplan erarbeitet. Die auf das Altersheim (heute Krankenhaus)
zulaufende Symmetrieachse ist die Dopplerstraße. Geschlossene
Bebauung schließt die Siedlung zur Umgebung ab. Mehrere Gesellschaften
waren beteiligt. Die GEWOBAG beauftragte Schilling & Gräbner
mit den Häusern entlang der Aachener Straße. Die traditionellen
Gebäude schaffen den Übergang zru Gartenheimsiedlung auf
der anderen Straßenseite. Im gleichen Auftrag errichtete H.
Richter entlang der Kopernikus- und Industriestraße dreigeschossige
Bauten. Die Horizontale betonende Fenster fassen die Zeile zusammen,
die durch (südlich gelagrten) Veranden und die Vertikalen der
(nördlichen) Treppenhäuser in Abschnitte gegliedert wird.
Die flachen Dächer sind tw. als Terrassen nutzbar. Ebenfalls
von Richter sind die um 1930 entstandenen, äußerst sparsamen
Laubenganghäuser an der Halleystraße. Sechs 3-Raum Wohnungen
sind in jeder Etage einem als Block vorgesetzten Treppenhaus zugeordnet.
Das Gestaltungsprinzip Richters - waagerechte Bänder entlang
der Zeile, unterbrochen durch plastisch hervortretende Glieder - wird
hier fast übersteigert sichtbar. Bei der Farbgestaltung Karl
Rades dominierten graue, hellblaue und rosa Töne. Als Architekt
der GEWOG errichtet der Wiener Hans Waloschek die Häuser entlang
der Frauenhofer - und C.-Zeiss-Straße. Sie blieben ohne DG,
ansonsten ähneln sie den Bauten Richters, für dessen Werk
sie lange Zeit galten. Ebenfalls von Waloschek sind die 56 Einfamilienhäuser
der Siedlung "Sonnenlehne" des ASSV entlang der Schützenhofstraße.
Die flachgedeckten "Dreimeterl'häuser" bieten 76 qm
Wohnfläche und 300 qm Garten. 1933 wurde der Bau der Siedlung
aus politischen Gründen gestoppt, Ernst Ufer erarbeitete einen
neuen Plan, nach dem bis 1939 gebaute wurde. 1997 wurde die Siedlung
saniert."
(Textquelle: Architekturführer Dresden 1997)
GEWOBAG
= „Gemeinnützige Wohnung- und Heimstätten-Gesellschaft für Arbeiter,
Angestellte und Beamte m.b.H.“
"Mit Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden alle Arbeiten
sofort gestoppt. Erst 1934/35 konnten nach Überarbeitung der Bauunterlagen
durch Ernst Ufer weitere Häuser errichtet werden. In bewusster Abkehr
von Richters und Waloscheks modernen Entwürfen erhielten die neuen
Häuser traditionelle Steildächer und plastischen Schmuck über den
Hauseingängen. Dabei orientierte man sich an dem durch die Architekten
Schilling & Gräbner entworfenen Wohnblock Aachener Straße. Um Kosten
zu sparen, wurden die neuen Gebäude nicht mehr mit Fernheizung, sondern
wieder mit Öfen ausgestattet. Neben Ernst Ufer waren auch Kurt Müller
und Willimartin Romberger an den Planungen beteiligt. Bis zum Beginn
des Zweiten Weltkrieges entstand so der östliche Bereich der Trachauer
Siedlung zwischen Doppler- und Aachener Straße, der Komplex am Lichtenbergweg
sowie die Wohnhäuser nördlich der Halleystraße." (Textauszug
aus:
www.dresdner-stadtteile.de/Nordwest/Trachau)
Farben der Moderne - von Prof. Karl Rade
In einer umfangreichen Sanierung Ende der 1990er Jahre wurde die gesamte
unter Denkmalschutz stehende Siedlung Trachau im ursprünglichen
Zustand wieder hergestellt. Nach tiefgehenden Untersuchungen fand
man die originalen Farben der Entstehungszeit und verwendete in der
Restaurierung genau die gleichen Farbtöne wie 1928. So leuchten
ab 2000 die klaren, kubischen Baublöcke in jener authentischen
Farbigkeit von hellen Pastelltönen und geben einen guten Eindruck,
daß die klassische Moderne keineswegs stets reinweiß gewesen
ist. Die Farbkomposition stammt vom Karl Rade, Professor an der Dresdner
Akademie für Kunstgewerbe und damals eine Institution in diesem
Bereich (manchmal auch als Carl Rade geschrieben). Leider sind im
Netz zu diesem außerordentlich bedeutenden Künstler kaum
Informationen zu finden. Bruchstücke zu Rade hier.
Führend bei der Entdeckung der Farbe in der deutschen Moderne
war Bruno Taut. Der in Magdeburg von 1921 bis 1924 tätige
Stadtbaurat Taut hatte damals wegweisend neue Farbkonzepte des modernen
Wohnungsbaus ausprobiert. Allerdings verwendete er die Grundfarben
Blau, Gelb und Rot pur und ohne Aufhellung.
Lesetipp:
Die Großsiedlung Dresden Trachau. Geschichte und Sanierung. in: Die
Bauten der Moderne in Sachsen. Hrsg. Werkbund Sachsen e.V., Dresden
2000
Armin
Scharf, Farbe in der Architektur. Stuttgart; München: DVA, 2002. S.
98 ff..
Linktipp:
Ausstellung: "Neues Bauen International 1927
/ 2002" in Stuttgart (Mehrfamilienhäuser und Siedlungen")
www.ifa.de/kunst/nbi/dprojekte_2.htm
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Bebauungsplan 1928
Schlanke, separate
Treppenhäuser, von denen laubengangartige Flure ausgehen - alles
nordseitig. (Aufn. Dez. 05)

Wohnblock an der Aachener Straße, entworfen von Schilling & Gräbner.
2. Bauabschnitt: 1929

Nationalsozialistische
Propaganda bis vor (bzw. über) die Haustür (Frauenhoferstr.)
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Querverweis:
bildene Kunst -
Konstruktivismus
Einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Bauweise der Moderne hatte
der Konstruktivismus. Seine Ideale und ästhetische Sprache wurde von
modernen, avangardistischen Architekten und Städtbauern
als Impulsgeber aufgenommen. In Dresden könnte zum Beispiel die
"Internationale Kunstausstellung" 1926 und speziell der
in ihr gezeigte erste "Demonstrationsraum für konstruktive
Kunst" von El Lissitzky inspirierend gewesen sein. Lissitzky
stellte hier erstmalig eine völlig neue Innenraumkompositionen
vor. (In Hannover wurde der Zweite Demonstationsraum von 1927
sogar 1968 rekonstruiert.)
Wie die Maler des Konstruktivismus eine
historisch gewachsene Formen- und Bildersprache der Malerei beiseite
schoben, um sich utopisch in einer neuen vereinfachten Welt
geometrischer Formen und gleichmäßiger Farbflächen auszudrücken,
griffen Architekten diese neue Komponieren auf. Undekorierte, einfache
Farbfelder schieben sich ineinander oder stehen im kontrastreichen
Dialog nebeneinander, wie z.B. an diesem Wohnblock an der Industriestraße/
Ecke Richard-Rösch-Straße in Trachau.
Wenn auch der Städtebau in der Großsiedlung Trachau etwas
konventionell an einer symmetrischen Achse ausgerichtet war, so ist
doch im Einzelnen das neue, künstlerisch Inspirierte an den Bauensembles
zu erkennen.
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El Lissitzky: Aufriß fur den ersten Demonstrationsraum auf der
Internationalen Kunstausstellung. Dresden 1926, Vergrößerung
auf: artarchive
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