Hotel Astoria
Schlichte Eleganz - Vorwurf des "Formalismus"

 
Architekt: Franz Ehrlich und Hans Hartl
Bauzeit: 1946 - 47
(unter Einbeziehung erhaltener Bausubstanz
der Jugendherberge von Paul Wolf von 1931)
Abriss: 1998
Adresse: - Strehlener Platz

Bereits ein Jahr nach Kriegsende wurde mit dem Bau des ersten neuen Hotels in der schwer zerstörten Stadt im Stadtteil Strehlen begonnen. Es konnte ein Teil der Ruinen des 1931 vom städtischen Hochbauamt errichteten Jugendhauses an dieser Stelle genutzt werden. Der neue Bau knüpfte im Massenaufbau durchaus an den neusachlichen Baukörper vor der NS-Zeit an, setzte aber auch ganz eigene Akzente.
Die kubischen Formen wurden nun mit einem leichten Satteldach abgeschlossen, hatten aber wieder eine betont schlichte und sparsame Note. Der wenige Jahre später einsetzende traditionell neobarocke Stil nach sowjetischen neohistoristischen Tendenzen war in den Anfangsjahren hier noch nicht vorherrschend.
Hartl wurde, noch während des Baus, 1946 scharf von Bürgermeister Weidauer wegen seiner modern-formalistischen Innenausstattung attackiert.
(siehe: Walter Weidauer: Die Verwirklichung des grossen Dresdner Aufbauplanes für das Jahr 1946. Stand der Arbeiten nach dem ersten halben Jahr, Dresden 1946)


Ausstellung Franz Ehrlich in Dessau 2008
Aus Anlass seines 100. Geburtstages würdigt die Stiftung Bauhaus Dessau Ehrlich mit einer Ausstellung im Meisterhaus Schlemmer, die am 17. Januar 2008 eröffnet wird. Details siehe: www.baunetz.de




Hotel "Astoria" - 1946/47 von Franz Ehrlich und Hans Hartl in schlichten sachlichen Formen. Aufnahme: 1951 SLUB


Grundriss Hotel Astoria


Hotelhalle mit einem Holzrelief von Prof. Langner und - wahrscheinlich Möbel von Hartl (Deutsche Werkstätten Hellerau)


Restaurant: Kunst am Bau - Messingband als stilisierter See und Tier- bzw. Pflanzendarstellungen.


Astoria Treppenhaus: moderne Transparenz

----------------------------------------------------------------------------------------

Haus der Jugend - 1931 (von Paul Wolf)


Interhotel "Astoria" 1965

"Astoria" Restaurant 1965

Astoria Cafe mit nischenartigen Sitzecken

Astoria im Bau unter Einbeziehung von Ruinenteilen des Jugendhauses von 1931, Foto: Mai 1946 - Quelle: SLUB

Doppelzimmer - Appartment




zum Vergleich: Jugendherberge von Paul Wolf 1931 - das Gebäude besaß damals ein Flachdach, auch die Fassade war ganz anders aufgeteilt.


Jugendherberge von Paul Wolf 1931 mit
Dreiteilung der Fenster und kubischen Baukörpern


Hotel Astoria mit anderer Fensteraufteilung,
Satteldächern und höherem Vordach - Foto 1961

 

Wettbewerb für ein Hotel am Neustädter Markt

Zeitgleich mit dem Beginn des Hotelbaus Astoria fand im Frühjahr 1946 ein Wettbewerb für ein großes Hotel am Neustädter Markt - unter möglicher Einbeziehung des Wiederaufbaus der Narrenhäusel-Ruine statt. In der Zeitschrift "Baumeister" vom 01. Mai 1946 wird der Wettbewerb besprochen, an dem Walter Born (Leipzig) einen Preis, der Entwurf von Hans Freese (Berlin) einen Ankauf und Wolfgang Rauda eine lobende Erwähnung erhielt. Die Pläne wurden jedoch nicht umgesetzt. Das Grundstück ist bis heute unbebaut.


Entwurf Freese (Quelle: TU Berlin Plansammlung) - links im Bild: Narrenhäusel

Franz Ehrlich (1907 - 1984)

1927–1930 Studium am Bauhaus Dessau (Gesellenprüfung als Tischler, Mitarbeit an Gropius' Totaltheaterprojekt für Erwin Piscator, Diplom in den Fächern Architektur und Plastik

ab 1930 Arbeit in den Berliner Architekturbüros von Walter Gropius und Hans Poelzig. Mit Heinz Loew und Fritz Winter Gründung des Gestalterbüros Studio Z -
1931 Eintritt in die KPD

1934–1935 Zuchthaushaft wegen politischer Betätigung

1936–1937 Lagerhaft im KZ Buchenwald,
danach "arbeitsverpflichtet"

1943–1945 Kriegsdienst im Strafbataillon 999, Kriegsgefangenschaft auf dem Balkan

ab 1946 Arbeit im Dresdner Referat für Wiederaufbau
Planungen zur Bebauung des Hellers für 30 000 Einwohner nach Gesichtspunkten der Gartenstadt Hellerau;
Projekt einer Siedlungsstadt im Elbtal; Studien zu Wohnzellen in Stadtteilen; 1946 Gestaltung der Ausstellung "Das neue Dresden".

1948–1950 Freier Architekt in Dresden, u. a. Arbeit für die Deutschen Werkstätten in Hellerau

1956 Entwurf der ersten komplettierungsfähigen Einzelmöbelserie für die Deutschen Werkstätten Hellerau
(Großserie 602)


Modul der „Ergänzungsfähigen Anbaumöbel“ Typ 602 der Deutschen Werkstätten Hellerau, 1957- Die Serie repräsentierte vor allem in den 1960er-Jahren den „skandinavischen Stil“: Zurückhaltend, modern, schmucklos und doch warm im Ausdruck, modular und daher für Neubauwohnungen geeignet, gehörte sie zu den Klassikern dieser Zeit

ab 1950 Technischer Direktor des VVB Industrieentwurf Berlin
1951 - Aufbau des Rundfunkgebäudes in Ostberlin Nalepa-
straße - Link zu Infos dazu und www.nalepastrasse.de

ab 1953 Beauftragter des Staatlichen Rundfunkkomitees

1955–1958 Architekt des Ministeriums für Außenwirtschaft

1959–1962 Architekt der Akademie der Wissenschaften der DDR

1963–1966 Chefarchitekt des Leipziger Messeamtes

1968–1972 Chefarchitekt der Deutschen Werkstätten Hellerau

Weitere Infos auf: http://deu.archinform.net/arch/23164.htm

"Ehrlich zählt zu den vielseitigen Architekten und Designern der deutschen Nachkriegs- und Aufbauzeit. Als einer der Architekten der DDR, die aus dem Bauhaus hervorgingen, entwickelte er den Funktionalismus innovativ weiter und versuchte, seine Auffassung von Architektur den politischen Bedingungen und ideologischen Normen verschiedener Phasen anzupassen. Ehrlich strebte dabei Beachtung der ökonomischen Grundlagen des Bauens und Umsetzung sozialer Aspekte an."

----------------------------------

Der Nachlass des Architekten und Designers befindet sich
im Archiv des Bauhauses Dessau.
Siehe: www.bauhaus-dessau.de

------------------------------------------------

Hans Hartl (1899 - 1980)

seit 1933 Mitarbeiter der Deutschen Werkstätten Hellerau

1935 - 39 Direktor der Filiale Frankfurt / Main der Dt. Werkstätten Hellerau

1938 Innenausstattung des Jagdhauses Grillenburg von Mutschmann (Beteiligung)

1942 - 43 Prof. an der Dresdner Akademie

1946 / 47 als Innenarchitekt Chefentwerfer der Deutschen Werkstätten Hellerau

ab 1946/ 47 Prof an der TH Dresden

1951 Prof. an der Werkkunstschule in Darmstadt