World Trade Center
Dresden als Handelsstadt

 

Architekt: Nietz, Prasch, Sigl, Tchoban & Partner
Bauherr:
_ Unternehmensgruppe Büll & Dr.Liedtke, Hamburg
Bauzeit: _1994 -96
Adresse:. Ammonstraße/Freiberger Straße

Hompepage der Architekten:
www.nps-tchoban-voss.de


Auf dem Gelände der letzten Dresdner Schokoladenfabrik "Elbflorenz", die bis 1990 noch produzierte, errichtete die Unternehmensgruppe Büll & Dr. Liedke aus Hamburg
Mitte der 1990er Jahre ein "Welthandelszentrum". Wegen der vielen Schwierigkeiten in dieser Zeit im Zentrum der Stadt wurde dieses wichtige Investitionsprojekt am Rande der Kernstadt und nicht dort, wo es weitaus notwendiger gewesen wäre - in der Mitte der City, gebaut.
Entstanden ist ein
Komplex von sieben Gebäuden. In ihnen befinden sich Büroräume, eine Shopping Mall, das Boulevard-Theater "Komödie", die zentrale Stadtbibliothek, Restaurants und das Hotel "Elbflorenz".
Die Fassaden sind zum Teil mit Sandstein verkleidet oder bestehen, wie der 53 Meter hohe Turm, ganz aus Glas. Zum Hof zeigen sie sich in weißem Putz. Überdacht wird die 113 Meter lange Passage von einer gewölbten Stahl-Glas-Konstruktion.


Das Hochhaus greift nicht in den Himmel ...

Die sieben Baukörper sind für die Wilsdruffer Vorstadt ungewöhnlich hoch geraten, überragen deutlich die historische Traufhöhe. Doch da im wesentlichen, von dem gegenüberliegenden Altersheim abgesehen, keine historische Bausubstanz mehr existiert, konnte diese gestalterische Rücksichtnahme vernachlässigt werden. Der Glasturm jedoch wurde peinlich genau vom Neustädter Elbufer planerisch vermessen, damit er die geschätzte Silhouette der Dresdner Türme nicht beeinträchtgen würde. Dennoch, das unaus-gewogene Verhältnis von geringer Höhe und Durchmesser nimmt dem "Wolkenkratzer" WTC jede eindrucksvolle Eleganz, verleiht ihm dagegen etwas Behäbiges.
Einen architektonischen Akzent setzt der gebogene Flügel mit dem expressiv spitz zulaufenden, überkragenden Dach, der dem ansonsten etwas zu konventionell geratenem Gebäudekomplex etwas Dynamik abgewinnt.

Großstadt oder Kleinstadt?

Eine erfreuliche Urbanität kommt in der lichten hellen Glasmall auf - gerade auch durch die Funktionsmischung der Mieter. Die hohe pathetische Glasmall mit einer urbanen großstädtischen Ausstrahlung hat
jedoch, inmitten der kleinbürgerlich geprägten 1960er Jahre-Zeilenbausiedlung, immer noch einen leicht grotesk und fremd wirkenden Gestus. Städtische Intensität und Dichte ist hier wieder einmal ein wages Versprechen in die Zukunft.

Blockrandträume - "fragment city"

Der WTC- Komplex mit seiner Blockrandbebauung möchte an die 1945 zerstörte städtebauliche Struktur in der Wilsdruffer Vorstadt anknüpfen. Andererseits ordnet es sich durch seine gewaltigen Ausmaße dem jetzt vorhandenen Stadtbild nicht unter. Es überragt erheblich das Erlweinsche Altersheim, aber auch das ehemalige erste Dresdner Arbeitsamt (1925-26 von Paul Andrae) auf der Maternistraße und das 8-stöckige Jugendtouristenhotel in Plattenbauweise. Im Kontext stehen allerdings auch die moderaten Platten-hochhäuser im weiteren Umfeld.

Die mit der Werbung für das "World Trade Center" versehene nördliche Brandwand in der Freiberger Straße wurde bewußt nicht mit Fenstern oder einer Gestaltung versehen, da ein Weiterbau der Blockrandbebauung hier in Erwägung gezogen wird. Eine zurückgesetzte niedrige DDR-Kantine streitet still, beharrlich und trotzig gegen diese Ideen von "Europäischer Stadt" an, von der man sich im Osten immer mehr fragt, was sie in Zeiten von Schrumpfung und deutlich reduziertem Wachstum in Zukunft sein will. Der Architektursommer_dd 2004 fand dazu die bezeichnende Beschreibung "fragment city". Diese bruchstückhafte Erfahrung von losen Teilen eines Ganzen spiegelt sich an diesem Fokus am spannungs-geladenen Rand der Innenstadt wider. Doch liegt gerade auch in dem Unfertigen, Provisorischen der sich reibenden Stadtschichten ein eigener Reiz.


Postmoderner Städtebau

Postmoderne Theorien, u.a. vom französichen Philosophen Jean François Lyotard in seinem epochemachenden Werk "La condition postmoderne" (Das postmoderne Wissen) 1979 vorgetragen, kommen auch nach 2000 zum Tragen. Dessen provozierende These lautete damals: die große logische, allgemeingültige "Erzählung" der Moderne sei gescheitert und einem Stil- und Gedankenpluralismus gewichen. (Diese Weltsicht könnte durchaus die Luftaufnahme auf das Umfeld des WTC unterstreichen - mit dem Blick auf eine unzusammenhängende Ordnung der Moderne, rechts ganz unten auf der Bildleiste.) In diesem Zustand der (nur bedingt tröstenden) bunten Vielheit und Heterogenität scheint es nunmehr, gerade auch in Zeiten der Schrumpfung, darauf anzukommen, "Identitätsinseln" zu bilden, durch welche die auseinander driftenden Stadtschollen des modernen Lebens zu collageartigen Sinnflächen zusammengefügt werden.


Konkret Handeln!

Ein konkret städtischer Sinnzusammenhang ist u.a. in dem neuen S-Bahnhaltepunkt "Freiberger Straße" 2004 geschaffen worden. Die weitere konstruktive Perspektive dieses Innenstadtteils folgt Ideen vom Büro "Rodecan Architeken". Sie gewannen 2001 den städtebaulichen Wettbewerb zur weiteren Verdichtung der flickenhaften westlichen Innenstadt.




Dresden - Tor nach (Ost-) Europa

Von den erhöhten Bahngleisen der Europastrecke Berlin-Prag-Budapest/Wien präsentiert das Ensemble eine kraftvoll-stolze Silhouette mit einer vertikalen Betonung und verheißt wirtschaftliche Stärke. Das WTC bietet auch für Dresden, als die östlichste deutsche Metropole, die besten Chancen, Osteuropa zum Nutzen des gesamten europäischen Kontinents (und im besonderen der potentiell steigenden Prosperität des Dreiländerregion Polen, Tschechien, BR Deutschland) dem Ost-Westhandel zu öffnen.

Homepage vom World Trade Center: www.wtc-dresden.de


Die Architekten bauten auch das
Stadteilzentrum in Dresden Prohlis. sowie das neue
Intercity-Hotel am Hauptbahnhof.



Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain

In der 8. Etage des Glasturms hat der Dresdner Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain sein Büro. Seit Oktober 2015 lenkt er als Beigeordneter für Stadtentwicklung der Landeshauptstadt Dresden die Geschicke des Baugeschehens in Dresden.




 

 


Zum Vergleich: Warschaus neue Hochhäuser: Zaha Hadid gewann im Jan. 08 den Wettbewerb zum „Lilium Tower“ im Zentrum Warschaus. Der 250 Meter hohe schlanke gäserne Turm entsteht auf einem kleeblattähnlichen Grundriss. Vergrößerung