SZ vom 18. März 2008

Die Philharmonie erhält neuen Konzertsaal im Kulturpalast
Von Bettina Klemm

Der Umbau soll 2011 beginnen und rund 65 Millionen Euro kosten. Aber zugleich wird die leichte Muse verbannt.

Der Kulturpalast soll ein Zentrum für die Dresdner Philharmonie und die städtischen Bibliotheken werden. Auch der Herkuleskeule bietet die Stadt Flächen an. Die SZ stellte die Pläne bereits vor. Gestern übergab die Stadtverwaltung die Pläne an den Stadtrat zur Entscheidung.

Ab 2011 soll das Haus saniert und umgebaut werden. Die Arbeiten werden dann fast drei Jahre dauern und 65 Millionen Euro kosten. 37 bis 40 Millionen davon entfallen allein auf den Bau eines Konzertsaales. Da der Kulturpalast zum Sanierungsgebiet Neumarkt gehört, rechnet die Stadt mit rund 29 Millionen Euro Fördermitteln. Anselm Rose, Intendant der Dresdner Philharmonie, ist von den Plänen begeistert. „Davon versprechen wir uns eine Akustik, die den Ansprüchen internationaler Spitzenorchester gerecht wird. Der Kulturpalast in der 1a-Lage wird so zum musikalischen Zentrum in der Stadt.“ Andere Spitzenorchester kommen dann sicher gern zu Gastspielen.

Der Saal wird über 1800 Plätze verfügen. Diese Größe sei auch für Kammermusikkonzerte geeignet. Zur konkreten Gestalt gebe es noch keine Entscheidung. Nach aktuellem Stand könnte es eine Mischung der Formen „Schuhkarton“ und „Weinberg“ werden, also ein rechteckiger Saal mit Seitenbalkons. Bisher fehlt auch noch ein Ausweichstandort für die Philharmoniekonzerte während der Umbauzeit.

Stadt will Konzept erarbeiten

Roses Freude wird jedoch zum Leid für die Veranstalter von Shows der leichten Muse und Auftritten von Schlager- und Volksmusikgrößen. Für sie wird es im Kulturpalast keinen Platz mehr geben. „Wir müssen Prioritäten setzen“, sagt Kulturbürgermeister Lutz Vogel (parteilos). Die Stadt werde nach anderen Spielstätten Ausschau halten. Vogel verweist auf die Messe und die Eis-arena. Es wäre wünschenswert, wenn es bis zum Umbau des Kulturpalastes eine Alternative gebe, sagt er vorsichtig. Konkrete Pläne, beispielsweise zum Umbau der Messehalle 1 im Ostragehege, könne er noch nicht vorweisen. Dort müssten mindestens Bühnentechnik und Polsterstühle eingebaut werden.

Vogel ist davon überzeugt, dass sich viele Dresdner mit ihrem Kulturpalast eng verbunden fühlen. Aber nichts sei ewig und so hofft er, dass sie schnell einen anderen Spielort für die leichte Muse akzeptieren können. Für den Kulturpalast habe es zwar zahlreiche Umbaupläne gegeben, aber eine realistische Chance für einen Konzertsaal gebe es zum ersten Mal, sagt er. Aufgrund neuer Gesetze und Brandschutzbestimmungen seien die fast zwei Millionen Euro teuren Planungen aus den 90er Jahren jedoch nicht mehr zu verwenden. Vogel betrachtet sie als „Erkenntnisgewinn“. Nach Aussagen der Stadt würde ein kompletter Neubau mit der Fläche des Kulturpalastes etwa 104 Millionen Euro kosten.

Zweifel bei Stadträten

Die CDU-Stadtratsfraktion begrüßt die Umbaupläne. „Endlich liegt ein konkreter Vorschlag für einen erstklassigen Konzertsaal auf dem Tisch“, sagt Fraktionsvorsitzende Christa Müller. Als Anhänger der Dresdner Philharmonie begrüßt auch Albrecht Leonhardt von der Bürgerfraktion die Pläne. Doch er habe zugleich Zweifel. „Warum wird eine nicht gerade kostengünstige Variante vorgeschlagen. Ist hier wieder Schattenboxen im Spiel?“, fragt er. Kritik übt auch Wilm Heinrich von der SPD. Konzepte fehlten, denn der Kulturpalast werde derzeit nur zu 30 Prozent von der Philharmonie genutzt.