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Tanzen
lernen auf der Bühne
Von Uwe Salzbrenner
Architektur. Heute wird der Neubau der Palucca Schule Dresden feierlich
übergeben.
Zeitgenössische Architektur inszeniert in den besten Fällen nicht
nur eine Stadt neu, um sie durch Extravaganz zu loben. Sondern sie
geht sensibel mit dem Vorgefundenen um. Bereits der noble, wie ein
U geschwungene Altbau der Palucca Schule am Basteiplatz wurde damals
der Traufhöhe der umliegenden Villen angepasst. Der Mittelbau nimmt
das Rund des Platzes mit seiner konkaven Wölbung auf. Der Entwurf
des Hannoveraner Architekturbüros Storch, Ehlers und Partner zur Erweiterung
der Schule führt diesen Rhythmus fort in einem harmonisch zweimal
im Verhältnis zwei zu eins geteilten Neubau, in dem Tanzsäle, Physiotherapie
und das Internat untergebracht sind. Die Vogelperspektive zeigt einen
kompakten Würfel, der von Stahlbaukorridor und gemächlich ansteigender
Freilufttreppe zerschnitten wird.
Hell, hoch und licht
Von der Tiergartenstraße aus wirken die beiden Glasfronten der Tanzsaalbauten
aus Ortbeton mit ihren frei gestellten Ecken inmitten des denkmalgeschützten
Ensemb les wie Exponate einer Ausstellung. Die Architektur betont
die Bühnensituation, die Zukunft der Schüler und Studenten werden
soll: Um Traufhöhe und Grundfläche nicht zu überschreiten, wurden
die Tanzsäle gestapelt. Der Garten sinkt zum Neubau hin ab und wird
von einer Treppe abgeschlossen. Mittänzer wie Besucher können von
dort aus die Ausbildung beobachten. „Tanzen ist ein öffentlicher Beruf“,
meint Rektor Enno Markwart. Die Öffnung ist im Sinne der Lehre, die
nötige Konzentration erlernbar. Storch und Ehlers hatten bereits für
ihren Entwurf des Dresdner Kongresszentrums das Elbufer treffend als
Bühne begriffen.
Hell, hoch und licht wirken die neuen Säle, was von den Tanzenden
als Freiheit empfunden wird. Aber die Säle sind auch streng: Sichtbeton,
Lampen am viereckigen Deckensegel, darüber offen die Lüftung. Das
gibt nichts vor und dürfte so in Paluccas Sinne sein. Nicht zu sehen
ist, dass die Säle die beste Variante eines Schwingbodens bekommen
haben, Fußbodenheizung, Wärmeschutzverglasung; auch die Akustik stimmt.
Die Säle 1 und 2 können zu einem Bühnenraum mit Rundhorizont und Tribüne
kombiniert werden. Die einzige (und entbehrliche) Extravaganz am Glasbau,
welche das „Hingewürfelte“ jugendlich leicht und die Beobachtung doppelt
deutlich machen soll: Die mit breiten Rahmen betonten Fenster in der
Glasfront wiederholen die Farben der Saaltüren.
Die Verbindung trennt zugleich
Die Internatsgebäude an der Wiener Straße, zwei weiß verputzte Ziegelbauten,
wirken abweisend. Der Eingang der Schule führt weiterhin durch den
Altbau, der jetzt zur Sanierung ansteht. Die durch dessen Achse bestimmte
Stahlbauverbindung zwischen Tanzsälen und Internat ist ein Laufsteg
geworden. Lochbleche an den langen, verdunkelnden Treppen, Lichtband,
Bauscheinwerfer, Trapezblechdeckenrhythmen. Da helfen nicht die farbig
gefassten Innenfenster, nicht die Stabplastik von Roland Fuhrmann,
die an eine Tanzfigur der Palucca erinnert: Die Verbindung zu Altbau
und Wohnbereich trennt zugleich. Die Architekten haben die Bauten
thematisch drastisch aufgeteilt. Die Tanzsäle wirken wie ein lichtes
Zentrum des neu geschaffenen Campus. Die Villen sorgen für den Abstand
zur Tiergartenstraße. Der Bereich für Arbeit und Wohnen im Süden nimmt
die Glaskuben schützend in die Klammer.
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