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| Architekt:
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Wolfgang
Rauda und Kollektiv |
Baubezogene
Kunst:
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Reinhold
Langner |
| Brunnen: |
Max
Lachnit |
| Bauzeit:
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1953
- 55 |
| Adresse:
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Güntzstraße
28 |
Tradition
und Moderne

Wohnheim 1957
Rasterfassade
und Ziegeldach
Güntzstraße. Dort findet sich ein interessantes Baudenkmal
aus den frühen 50er Jahren: das Studentenheim der TU Dresden.
Es ist herausragendes Beispiel des Übergangsstils zwischen Tradition
und Moderne.
Der L-formige Baukörper ist leicht von der Hauptstraße
(Günzstraße) zurückgesetzt und zur Striesener Straße
durch einen großzügigen Vorplatz getrennt, was eine optimale
Besonnung der Mehrpersonen-Appartments ermöglicht.
Die Fenster zur Striesener Straße sind bis zum Boden vollverglast
und durch fein proportionierte Sprossen unterteilt.
Die Südseite weist eine eindrucksvoll ruhig und klar gegliederte
Fassade auf - bestehend aus rasterförmig zusammengesetzten Elementen
und vertikaler Betonung, eines der ganz frühen Beispiele der
Nachkriegsmoderne in Dresden. Unsymmetrisch setzte der Architekt Rauda
in die linke Hälfte den Eingang mit einem kleinen, auf schmalen
Stützen aufliegendes Flugdach.
Zur Güntzstraße präsentiert sich das Gebäude
eher traditionell. Gegliedert wird die Fassade hier mit leichten Vor-
und Rücksprüngen sowie zwei Erkern. Besonderes Augen-merk
gilt den feinen reliefplastischen Sandsteinarbeiten, die ganz im klassischen
Formenkanon ruhen.
Das
Studentenheim stand einige Jahre leer. 2007 hat es einen Käufer
gefunden und wurde denkmalpflegegerecht saniert. Bilder
von der Sanierung auf http://guentzclub.net

Kunst
mit dem Bau
Geschmückt wird die südliche Rasterfassade von elf Reliefs
zu Dresdens Geschichte – „das letzte Werk von Prof. Reinhold Langner,
Januar 1957“, heißt es auf einer Tafel. Auch hier ist noch ganz klar
der Wunsch ablesbar, eine fest in der Dresdner Bautradition verwurzelte
Synthese von Kunst und Architektur miteinander zu verbinden.
Vor dem Eingang erhebt sich die Sandsteinplastik „Flugwille des Menschen“,
entworfen 1956 von Max Lachnit, Bruder des Dresdner Malers Wilhelm
Lachnit. Beachtenswert ist auch die nierentischartig geschwungene
Form des dreieckigen Wasserbeckens - ganz im Stil der 50er. Der Brunnen
ist seit Jahren nicht in Funktion und wartet auf Instandsetzung.
„Güntzpalast“
öffnet am 14. September 2007
Das Studentenheim ist 2007 umfassend saniert worden.
SZ vom 05.09.07:
260 Appartements entstanden im Gebäudekomplex. 24 davon sind behindertengerecht
gebaut. „Die Zimmergrößen liegen zwischen 14 und 40 Quadratmetern“,
sagt Bauleiter Lutz Hecke. Die Räume und Eingangstüren für behinderte
Studenten seien größer, die Bäder ebenfalls. Jedes der 260 Appartements
hat ein eigenes Bad und eine eigene Küche. „Drei Fahrstuhlschächte
hat es gegeben“, sagt Lutz Hecke. „Wir haben uns für den Einbau nur
eines Fahrstuhls entschieden. Die meisten der jungen Leute können
gut Treppen steigen, und mehr Fahrstühle hätten die Kosten angehoben."
... Die erdige Farbe der Außenwände entspricht dem Ursprungszustand.
An den Wänden der drei Treppenhäuser sind Malereien und im gesamten
Gebäude der Stuck erhalten worden.
Nähere
Informationen unter:
www.guentzpalast.de
Für den Bereich Güntzstraße / Marschnerstraße gibt es einen Bebauungsplan
des Stadtplanungsamtes der Landeshauptstadt Dresden von 2003. Dem
Durchfahrts-charakter soll bei einer Neubebauung entgegen gewirkt
werden. Vorhandenes, wie z.B. die kühne Plastik von Max Lachnit in
einem nierentischförmigen Wasserbassin, soll entsprechend mit eingezogen
werden. Die von Prof. Rauda beabsichtigte kleine Platzsituation könnte
durch Blockrandbebauung an der Marschner Straße nachträglich dem Ensemble
einen Raumeindruck geben.
Wissenschaftlicher Fortschritt durch Dampfkraft - 1839 in Dresden

Erinnerung an die
Zerstörung der Stadt: 13. Februar 1945

Ansicht Günzstraße
mit Erkern. Europäische Stadtbautraditionen (12/2005) - vor der
Sanierung
Fotos: SLUB/ Fotothek und Thomas Kantschew
Wolfgang Rauda 1907 - 1971
Der Dresdner Städtebauprofessor Wolfgang Rauda hat sich sehr für städtebauliche
Raumbildung engagiert. Während in der westlichen Moderne das Ideal
einer freien, offenen Stadtlandschaft nach Vorbild von Le Corbusier
propagiert wurde, suchten DDR-Architekten in den 1950er Jahren das
stadträumliche Denken in Anlehnung an europäische Stadtbautraditionen
in den Vordergrund zu rücken. Straßen und Plätze sollten neben der
Verkehrsfunktion vor allem auch einen räumlichen Klang haben. Ein
Einzelgebäude hatte dabei weniger durch individuelle Originalität
aufzufallen, sondern sich in einen städtischen Zusammenhang einzuordnen.
Im Studentenheim der Technischen Hochschule wurden diese Gedanken
umgesetzt: leicht zurückgesetzte Blockrandbebauung zur Günzstraße,
eine kleine Platzsituation andeutend zur Striesener Straße.
Professor Rauda hat einiges in Dresden und Umgebung gebaut: Seine
im Jahr 1951 in Tolkewitz errichtete Betlehemkirche war der erste
Kirchenneubau der DDR. Auch das Studentenheim an der ehemaligen Gagarinstraße
hinter dem Hauptbahnhof stammt von ihm (heute: Fritz–Löffler-Straße
16/18). Mit seinem Standardwerk "Lebendige städtebauliche Raumgestaltung.
Asymmetrie und Rhythmus in der deutschen Stadt" von 1957 verschaffte
er sich auch internationalen Respekt.
1959 ist er von der DDR in die Bundesrepublik Deutschland nach Hannover
übergesiedelt und hat sich u.a. am Wettbewerb für die Neugestaltung
des Vorplatzes vom Völkerbundgebäude in Genf beteiligt.
Eine Würdigung
seines Lebenswerkes anläßlich des 100. Geburtstages von
Rauda schrieb Manfred Zumpe im November 2007.
Max
Lachnit 1900 - 1972:
zu
Biographie und Werk siehe:
www.maxlachnit.de
Neben Gemälden und Grafiken hat Max Lachnit eine Menge baugebundener
Plastik für den Wiederaufbau Dresdens geschaffen. In Zusammenarbeit
mit Prof. Wolfgang Rauda zeichnet er auch für die Gestaltung von Reliefschmuck
(Erker und Suprabogen) am Studentenwohnhaus Gargarinstraße (jetzt
Fritz-Löffler-Straße) in Dresden von 1954 verantwortlich. Für die
Neugestaltung des Dresdner Altmarktes hat er mehrere Reliefs in Stein
gehauen, so u.a. den Tor- und Segmentbogen am ehemaligen Kaufhaus
"Intecta".
Seine Brunnenskulptur "Flugwille des Menschen" vor dem Studentenwohnheim
Günzstraße löst sich aus einem Traditionszusammenhang und lässt moderne
Impulse zeitgenössischer Kunstströmungen in dieses Kunstwerk einfließen.
Reinhold Langner 1905-1957:
machte sich sehr für die Förderung der Volkskunst in den
50er Jahren stark. Seine Kunst am Bau repräsentiert die damalige
angestrebte Einheit von "realistischer" Kunst und Architektur. Sie
sollte allerdings - ganz im Sinne sozialistischer Ideologie - Optimismus,
bescheidenen Frohsinn bzw. eine forcierte Einheit von Mensch und Natur
zum Ausdruck bringen. Davon künden u.a. die Vogelreliefs in den
Treppenhäusern - siehe Abbildung rechts.
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Plastik: "Flugwille"
von Max Lachnit- Foto: 1957
Eingang Süd,
Fotoquelle: Fotothek/ SLUB

Treppenhaus 1956
Fotoquelle: Fotothek/ SLUB

Treppenaufgang
im 1. OG

Erkeransicht des
Seitenrisalits, um 1956, Foto: SLUB

Eingangssituation
Dezember 2005 - vor der Sanierung

Im Hintergrund das leuchtende Blau von Behnisch's Sankt-Benno-Gymnasium

Eingang mit Leichtigkeit und Schwung

Reminiszenen an
die frühe Moderne

Treppenaus: Rationalität und Emotion
Das streng quadratische Raster des Fußbodens entspricht einer
klaren Ratio. Die weich und schwingend auslaufende Treppe gibt dagegen
der Vernunft ein emotional-sinnliches Gegengewicht - ein wunderbarer
Kontrast, in dem die Einheit der Gegensätze lebt! Foto: TK im
Okt. 07

In diversen "funktionslosen" Treppenhaus-nischen wurden
schmückende Reliefs aus der Vogelwelt eingearbeitet, die dem
1950er-Jahre Schwung der Formen noch zusätzlich beleben. Foto:
TK im Okt. 07
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