Rundkino
Origineller Solitär - abgestellt in den Hinterhof

 
Architekten   Entwurf: Manfred Fasold, Winfried Sziegoleit
Ausführung: Waltraud Heischkel, Gerhard Landgraf und Kollektiv,
Innengestaltung: Theo Wagenführ
Ausstattung:   Deutsche Werkstätten Hellerau
Bauzeit:   1970 - 72
Adresse:   Prager Straße 6



Webseite: www.rundkino-dresden.de

"Im Zuge der Neugestaltung der Prager Straße wurde dieser Entwurf für einen Kinoneubau ausgewählt. Gewünscht war eine geschwungene Form, als Kontrast zu der kubischen Nachbarbebauung. Die Rotunde mit einem Durchmesser von 50 m entsprach dieser Forderung am konsequentesten. Das ursprünglich freistehende zylindrische Gebäude hat eine Höhe von 20 m und wird äußerlich in drei Ebenen gegliedert. Das Erdgeschoss umläuft eine Glasfront, die zur Prager Straße zugunsten einer Arkade zurückgesetzt wird. Die Fassade des 1. OG besitzt ein vorgehängtes Stabwerks-ornament des Dresdner Grafikers Gerhard Papstein. Das 2. OG ist mit weiß emaillierten Metallbändern verkleidet, zwischen denen der mit schieferfarbenem Granulat beschichtete Saalkörper zu sehen ist. Die so entstehenden verikalen "Zebrastreifen" verleihen optisch mehr Höhe und lockern den kompakten Baukörper auf."
(Architekturführer Dresden, Lupfer et. Al. Hg./ Berlin 1997)

Filmtheater
Saalbau 41,2 m Durchmesser in Gleitbauweise,
Dach Seilnetzhängekonstruktion von Lothar Friedrich.
Mehr Infos: DA 3/73





Innere Erschließung

Im Inneren des Gebäudes befindet sich der 1018 Zuschauer umfassende große Saal sowie in der Tiefebene der kleine Saal für 132 Zuschauer, welcher zu DDR-zeiten als Filmkunstkino genutzt wurde. Ein großzügiges Foyer mit Gaderoben im Erdgeschoss empfängt den Besucher. Über die breite Freitreppe gelangt man in das Obergeschoss mit dem umlaufenden Flaniergang und Imbiss-Raum.
Der große Saal wurde vor 1989 auch zu anderen Veranstaltungen genutzt, wie Jugendweihen, Versammlungen, Kongresse, Pop-und Schlagerkonzerte oder anderem.



Negativ: die Umbauung des Rundkinos

Für das Rundkino unvorteilhaft wirkte sich in den 90er Jahren die Umbauung des als Solitär geplanten Lichtspieltheaters aus. Die einschnürende Bebauung von Günter und Holger Just (Wöhrl-Plaza von 1995-96) drängte den charismatischen Rundbau in den Hinterhof ab und nahm ihm dadurch die auf Weitwirkung berechnete Ausstrahlung. Damalige städtebauliche Planungen des gleichzeitig als Stadtplanungs-direktor fungierenden Günter Just sahen eine Verengung der Prager Straße auf die ursprüngliche Breite von 19 Metern vor, um mehr Dichte, Urbanität oder weniger luftige Zugigkeit zu erzeugen. (Diese Pläne wurden mit dem Neubau der Centrum-Galerie 2009 umgesetzt.) Allerdings schnitt diese veränderte Nachwendeplanung vorhandene Entwürfe für ein städtebauliches Umfeld des Rundkinos aus den 80er Jahren ab. Bereits errichtete Fundamente neuer postmoderner Wohnbauten (ähnlich denen an der Ferdinandstraße) wurden Anfang der 1990er Jahren wieder abgerissen. Sie hätten jedoch den freien Blick auf das Rundkino von der Prager Straße aus gewährleistet. Foto dieser Situation auf fotocommunity


Planungen Prager Straße Nord und Altmarkt Süd 1987 (damaliges Stadtmodell). Gut erkennbar: freistehendes Rundkino! Quelle: Zeitschrift Architektur der DDR 1987


Eröffnung des CINEMAGNUM 3D-Kinos im Rundkino

Die Düsseldorfer Künstlerin Andrea Knobloch hatte 2003 das Internetprojket www.rundkino-dresden.de gegründet, in dem auf die Qualitäten des inzwischen denkmalgeschützten Baus hingewiesen und in vielfältigen Aktionen nach neuen Nutzungen für das geschlossene Filmtheater gesucht wird. D
er eigenwillige Bau war nach der Flut 2002 bis auf das Puppentheater bis März 2007 geschlossen. Der damalige Betreiber UFA zog sich ganz auf den neuen Kristallpalast zurück. Frau Knoblochs Engagement und dem Wirken des Rundkinovereins ist es hauptsächlich zu verdanken, daß das Rundkino 2003 unter Denkmalschutz gestellt wurde und der Druck der Öffentlichkeit groß genug war, nach einem Investor zu suchen.

Am 29.03.07 öffnete der große Saal runderneuert wieder als großes 3D- Kino. Programm und Organisation des Cinemagnum liegen in den Händen von Fantasia Film Nürnberg. Das Rundkino wurde erst kürzlich von der Tetris Grundbesitz GmbH & Co. Kg aus Reichenschwand bei Nürnberg übernommen.

Negativ auf die Architektur wirkt sich der übermäßige Einsatz von großflächigen Werbepostern aus, die die 1970er-Schmuckelemente mit Rechtecken in verschiedenen Größen komplett überdecken. Vor 1990 erstrahlten diese Stabwerkornamente als Kunst am Bau nachts durch raffinierte Beleuchtung. Leider überlagert das kommerzielle Interesse ein Verständnis der architektonischen Qualitäten dieses herausragenden Baus.



Webseite: neues Rundkino: www.rundkino.com (Programm)

 

Zeitliche Parallelen


Monumentalpanorama in Bad Frankenhausen (Thüringen).
Die Planung des Baus begann Mitte der 70er Jahre. (Aufn. 2004)



Stadthalle Suhl 1974, nach 1990 zum Congress Centrum umgebaut.
Auch dieser Rundbaukörper wurde ganz bewußt in das neue Stadt-
zentrum hineinkomponiert.

 


Rundkino 2004

Ornament der 70er Jahre-Moderne, Foto: TK 2011, Vergrößerung

Unsensibel und resepektlos schiebt sich ein Büroriegel vor das Rundkino.

Die gleiche Ansicht 1973: großartige Stadtinszenierung mit einem leuchtenden Solitär, welcher sich in einem breiten Wasserbecken spiegelte.

Rundkino freistehend: 1975

Heute ist kein freier Blick mehr auf das Rundkino möglich, da verstellt durch Büro-und Kaufhäuser.

Foyer: Freitreppe

Großer Saal: mehr als 1000 Plätze für Gemeinschaftsgefühle

Kleiner Saal

Rundkino 1980 (Foto - Ausschnitt: Inger Sørensen)