Robotrongelände Dresden
Keimzelle der Mikro-Elektronik für Silicon Saxony

 

Architekt:             Architektenkollektiv unter Leitung von
                           Axel Magdeburg (+ Werner Schmidt)
Betonformsteine:   Friedrich Kracht
Vorplatz-
gestaltung:
          Günther Krätzschmar / Leonie Wirth
Bauzeit:               1968-74
Adresse:
              Petersburger Straße / Pirnaischer Platz /
                           Georgplatz

Seit der oberste Stadtplaner Dresdens Feßenmeyer im März 04 den inoffiziellen Abschied vom mittelfristigen Abriss des DDR- Großforschungszentrums Robotron verkündet hat, ist es klar, das Robotron-Gelände zwischen Pirnaischen Platz und Bürgerwiese bleibt Dresden wohl in den nächsten 50 Jahren erhalten. Es ist besser, die Augen gegenüber diesen Realitäten zu öffnen, als sie zu verschließen.

Mit der Ansiedelung von Infinion und AMD, den Flagschiffen der Chipherstellung im Dresdner Norden, liegt das einstige Vorzeigeobjekt der DDR-Forschung, städtebaulich und architektonisch von der Öffentlichkeit weitestgehend ignoriert, als dahindümpelnder, wertvollster Innenstadtraum brach. Doch das Gelände ist zu großen Teilen an kleinere Unter-nehmen vermietet (u.a. auch Jugendhotel, Behinderten-schule). Zudem genießt der Freiraum mit dem Skaterlooping (halfpipe) gegenüber dem Rathaus insbesondere bei jungen Leuten zunehmend Wertschätzung.


Weg von "perfekten" unrealistischen Idealplanungen - hin zu pragmatischen Entwicklungen fürs Heute

Der offene städtische Raum mit seinem verblichenen Ostcharme hat eine ganz eigene Ausstrahlung. Natürlich ist die riesige Weite des Städtebaus, an heutigen Maßstäben von städtischer Dichte und Urbanität gemessen, undiskutabel. Und dennoch: das Provisorium birgt große Potentiale und sollte stärker in das stadtplanerische Blickfeld rücken. Die im Herbst 04 errichtete, ebenerdige Fußgänger- überquerung von der Kreuzstraße in Richtung Lingner-Allee war ein erster Schritt, um die Abschnürung dieser beiden Stadtteile zu überbrücken. Diese war bereits im ursprünglich- en Plan in einer Breite von über 50 Metern über die Schnell-verkehrstraße (Autobahnersatz) vorgesehen (siehe Modellfoto unten). Auch der städtebaul. Wettbewerb 1994 des ersten Preisträgers vom Architekturbüro Müller, Djordjevic-Müller und Krehl aus Stuttgart sah eine große Querung vor (Plan siehe ganz unten).

Diese Idealplanungen für den östlichen Altstadtring von Anfang der 90er sind jedoch über ein Jahrzehnt später über-holt und in Zeiten stagnierenden Wachstums Makulatur.
Die Stadtplanung sah hier einen Abriss aller vorhandenen Bauten des Robotrongeländes und ein ganzes Band von Neubauten in Form kubischer Blöcke vor. Doch in der real existierenden Marktwirtschaft hat sich Dresden anders entwickelt als erhofft. Tausende Quadratmeter teurer Büro- und Wohnfläche in exklusiver Innenstadtlage werden heute anscheinend weder gebraucht noch sind sie zu finanzieren. Ein behutsames, städtebauliches Weiterbauen am Vorhandenen scheint ein realistischerer Lösungsansatz zu sein. 2005 wurde ein Wettbewerb zur gartengestalterischen Neuordnung des Platzes mit der Betonskulptur und der Halfpipe ausgelobt und 2006 mit den Skaterrollbahnen realisiert. 2009 entwarfen ausgewählte Architekten Konzepte, wie das Areal zwischen Stadion und Robotron-Komplex umgestaltet werden könnte. Siehe: Fünf Visionen einer Lingnerstadt der Zukunft - SZ vom 21.02.09 und Meldung auf dresden.de

Architektur der frühen 1970er

Architektonisch kann man auf den ersten Blick dem jetzt vorhandenen Robotrongelände wenig Charakteristisches abgewinnen. Auffällig sind die markanten Beton-V-stützen am Atrium in 2 MP Stahlskelettbauweise, die hinter Glas zu entdecken sind. Beide Atrium-Hof-Komplexe zeichnen sich durch eine starke horizontale, bandartige Gliederung durch umlaufende Fenster- und Brüstungselemente aus.
Im Inneren gab es vor 1989 in den Laborräumen und im Rechenzentrum (mit riesigen Rechenmaschinen R 300) bereits eine Vollklimatisierung.
Der ganze Komplex war ursprünglich für 8 verschiedene Forschungseinrichtungen konzipiert (u.a. war ein Fernsehzentrum mit Aufnahmesaal von Prof. Ardenne mit angedacht). Später hat einzig und allein das Robotronzentrum alle Gebäude für sich vereinnahmt.


Große bildkünstlerische Pläne für die
sozialistische Menschengemeinschaft

Um 1969 extistierten umfangreiche Pläne zur künstlerischen Ausgestaltung des Geländes. Aus unbekannten Gründen blieben diese jedoch fast alle in der Schublade. So sollte an dem Instituts- und Verwaltungskomplex mit geplanten 6500 Arbeitsplatzen (!) "die bildkünstlerische Gestaltung des Gesamtkomplexes die sozialistische Menschengemeinschaft und die sich in ihr entwickelnde, allseitig gebildete, sozialistische Persönlichkeit als Gestalter der wissenschaftlich-technischen Revolution eindrucksvoll manifestiert" werden (Bild siehe unten). Entwürfe existierten bereits zu einem monumentalen Wandbild am Rechenzentrum mit einer Größe von 500 qm. In dem Artikel "Zur Synthese von Architektur und bildender Kunst bei der Gestaltung des Stadtzentrums von Dresden" (in: deutsche architektur 3/ März 1969) vom Dresdner Stadtarchitekt Kurt Leucht (Autor der "Planungsgrundlagen" von 1950) heißt es weiter: "Dresden hat mit seiner Tradition und mit seiner Perspektive aber auch in den zahlreichen schöpferischen, erfahrenen älteren und nach Vollendung strebenden jungen Bildhauern, Malern und Grafikern die besten Voraussetzungen, sich zu einem Zentrum der sozialistischen Kunst in der Deutschen Demokratischen Republik zu entwickeln."

Einen geringen Teil dieses damaligen hohen künstlerischen Anspruchs konnte, sieht man die Robotronbauten mal genauer an, durchaus umgesetzt werden. In den 80er Jahren kam die eindrucksvolle Figurengruppe auf dem unbenannten Platz gegenüber dem Rathaus hinzu.
Besonders fallen einige Details auf, die typisch sind für die DDR-Architektur der späten 60er und frühen 70er:





Das Ornament in der Moderne

Wandgestaltung durch Betonformsteine

Diese besondere Betonung meist der Stirnseiten von Bürogebäuden durch plastische Formsteine kann als ein hervorstechendes Merkmal einer durchaus künstlerisch experimentierfreudigen Epoche gelten. Man hatte, laut Aussagen des Architekten Axel Magdeburg, aus der Not eine Tugend gemacht: da es zur damaligen Zeit in der DDR kaum großflächige Glasscheiben gab, ließ man sich gestalterisch etwas einfallen und entwickelte in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern eben jene gereihten Formsteinfassaden.
Allgemein wird die Tristesse der kubischen Baublöcke beklagt - übersehen wird dabei gerade jene abwechslungs-reiche Gestaltungsfreude durch den Baustoff Beton. Die industrialisierte Fertigung ermöglichte und provozierte zugleich eine rasche Produktion von Fertigteilen. Trotzdem überrascht die Fülle der verschiedenen, zum Teil äußerst fantasievollen abstrakten geometrischen Formen, die als wiederholende, zuweilen versetzte rhytmische Reihung der dreidimensionalen Einzel-Ornamente eine belebende architektonische Textur erzeugen. Das Licht- und Schattenspiel der typisierten Bauelemente gerät aus der heutigen Perspektive von zunehmender Glätte und Relieflosigkeit zeitgenössischer Architektur zu einer Besonderheit - eben z.B. die cremeweißen korbflechtartigen Wellenverblender am Robotron Atrium 1 durch die Meißner Keramikwerke (siehe Bild rechts).

Leider sind diese Beton- und Keramikformsteine durch unsensible Sanierungen oder Komplettabrisse stark der Zerstörung ausgesetzt. In unsanierten Quartieren wie dem Robotron-Gelände geben sie jedoch immer noch ein sicht-bares Beispiel für den Gestaltungsanspruch einer frühen DDR-Moderne, die sich später - durch den Einfluss internationaler Postmoderne, immer vergröbernder und weniger selbstbewusst äußerte.

Auch außerhalb des Robotron-Geländes finden sich an vielen Stellen der Stadt immer noch Gebäude oder durchbrochene Wandmauern mit erstaunlich mangifaltigen Betonformsteinen. Jene
mannshohe Trennmauern hatten die Aufgabe, den öffentlichen Stadtraum differenzierend zu gliedern, sei es vom Verkehr abzuschirmen, sei es eine nicht vorhandene Platzkante anzudeuten. Gerade jener Widerspruch von genormter Massenfertigung und individueller Gestaltung ist im Rückblick auf diese Aufbruchepoche des DDR-Bauens erstaunlich.


Historische Hintergründe - Dresden als Zentrum der Computerindustrie der DDR

"Mit der Gründung des Institutes für Maschinelle Rechentechnik an der TH Dresden in den 50ern hatte sich in der DDR an zwei verschiedenen Stellen, in Dresden und Jena, eine Forschung auf dem Gebiet der Rechentechnik herausgebildet. Die bereits am Institut für Angewandte Mathematik existierenden Abteilung für Rechentechnik ging bei der Gründung des Instituts für Maschinelles Rechnen Anfang Juni 1956 in diese auf.
Im Dresdner Raum gab es eine ausgebaute wissenschaft-liche Infrastruktur, so daß nach der 1961 erfolgten Verlegung des Zentralinstituts für Automatisierung von Jena nach Dresden der neue Standort zum Zentrum der Computerindustrie der DDR werden konnte."

Zitat aus: Tom Schnabel und Lars Leppin, Studienarbeit zur Entwicklung der Informatik / Mikroelektronik / EDV der DDR (HU Berlin 1999) Informatik und Rechentechnik in der DDR

Mitte der 60er Jahre wurde dann zwischen SED-Kreisleitung und VEB Wohnungs- und Gesellschaftsbau der Beschluß gefaßt, die Zukunftsindustrie zentral direkt in der Stadtmitte anzusiedeln. Eine der größten Freiflächen war dieses leere Areal zwischen Hygiene-Museum und Rathaus. Natürlich korrespondierte die großzügig repräsentative Verkehrsachse der Leningrader Straße mit den klaren, im damaligen Sinne moderen Bürobauten zu einer städtebaulichen Einheit.

Der Komplex selbst besteht aus mehreren größeren Atriumhöfen, einer Großgaststätte zur zentralen Pausenversorgung (siehe Foto des Innenraums), Kindergarten (für werktätige MitarbeiterInnen!) und Nebengebäuden.


"UdSSR DDR - Für immer freundschaftlich verbunden" - politischer Propagandaspruch am Robotron 1980 (Foto Ausschnitt:
Inger Sørensen)
UdSSR = Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken



Nicht ausgeführte Entwürfe vom Robotron-Gelände:


Entwurf für ein farbiges Wandbild 55 m x 9 m am Rechenzentrum des Gebäudekomplexes am Pirnaischen Platz. Thema: "Die sozialistische Persönlichkeit in der sozialistischen Menschengemeinschaft als Gestalter der wissenschaftlich-technischen Revolution" Vergrößerung



Planung Pirnaischer Platz 1969.

In der Vergrößerung kann man gut erkennen: ein 17 geschossiges Bürohochhaus am Georgplatz (ähnlich dem Haus des Reisens am Alexanderplatz in Berlin) in aufwändiger Konstrukion mit jeweils 2 Stahlstützen, das nicht gebaut wurde. Ebenfalls fallengelassen wurde der große Fußgänger-Übergang zur breiten repräsentativen neuen (autolosen) Lingner-Allee. Besonderer Leckerbissen für Freunde ausgefallener DDR-Nachkriegsmoderne wären an der Grunaer Straße zwischen den Wohnhochhäusern die kleinen niedrigen Pavillons gewesen mit einem nicht rechtwinkligen Grundriß und außergewöhnlichen Betonschalendächern.
Sie hätten einen kleinen Stadtplatz mit Brunnenfläche gebildet. Ein weiteres Highlight wäre der skulpturale Solitär einer Sport-und Kongresshalle mit zwei dreieckigen schräg- gefalteten Dachflächen gewesen- in der Höhe des jetzt "Cockerwiese" benannten Grundstückes. Schade, daß diese Bauten nicht zustande kamen.


Geplante Sport- und Kongresshalle für 8210 Plätze - entworfen von Gunter Just (1. Preis im Wettbewerb) - Abbildung aus: Deutsche Architektur 11/ 1968

Weitere Modellfotos der Planung von 1969 auf: www.ddrbildarchiv.de (Dresden)

Fußgängerzone Lingnerallee

Auf diesen Fotos (z.B. Nr. ID 43808) kann man gut sehen, wie die Lingnerallee auf einer Breite von ca. 50 Metern von der Petersburger Straße bis zur Lenné Straße als Fußgängerzone gestaltet worden wäre. Ähnlich der Prager Straße wäre eine neue - typisch sozialistische - Flaniermeile mit den üblichen quadratischen Gehwegplatten, rechteckigen Beeten und Brunnen entstanden. Diese funktionale Trennung von Großstadtverkehr auf der östlichen Ausfallstraße (Grunaer Str.) und großzügigen Fußgängerbereichen entspricht dem Ideal der Moderne der späten 1960er Jahre.
Auf diesem Foto ist auch eine zweite Version der Sport- und Kongresshalle zu erkennen, die wie ein dynamischer Schmetterling eine äußerst futuristische Wirkung entfaltet hätte.


Der Architekt:

Axel Magdeburg (geb. 1932 in Leipzig) baute u.a. auch das Verwaltungsgebäude des VEB Strömungsmaschinenwerk Dresden 1957/58.
- 1972-76 Rekonstruktion der Altstadt von Bautzen
- Mitarbeit für den Wettbewerb für das Hotel Bellevue in Dresden Neustadt.

Lebt in Bautzen.

Die Künstler:

Der Dresdner Künstler Friedrich Kracht zeichnet verantwortlich für die Kreationen der Betonformsteine. Gemeinsam mit Karl Heinz Adler entwarf er in Dresden eine Vielzahl dieser unterschiedlich zusammensetzbaren ornamentalen Betonelemente.
In dem kleinen Typenkatalog: "Beton, Formstein, Programm". (hrsg. in Dresden, späte 70er Jahre) konnte man aus einer Vielzahl von Formsteinen auswählen. Leider ist diese kleine Broschüre überhaupt nicht im Buchhandel zu bekommen - auch antiquarisch nicht.

Friedrich Kracht: 1925 - 2007

Karl Heinz Adler: 1927 geb.
Website: www.karl-heinz-adler.de

Friedrich Kracht trat 1960 mit Karl-Heinz Adler in die 1958 in Dresden gegründete Genossenschaft bildender Künstler „Kunst am Bau“ - sie existiert 2008 nunmehr bereits 50 Jahre.

Webseite der Genossenschaft:
www.freie-akademie-dresden.de

Mit einem Jubiläumswochenende feiert die Genossenschaft Kunst+Bau vom 29. - 31.8.2008 ihren 50. Geburtstag. Informationen dazu:


Robotron-Gelände: Friesband Polyesterelemente - gestaltet von Friedrich Kracht und Siegfried Schade, Foto: 1975
(Fotoquelle: Ausstellungskatalog Friedrich Kracht. Konkret-Paradox. Stadtarchiv Dresden 2000.)


Homepages:
www.lingner-stadt.de

www.robotron-buerozentrum.de

www.net-lexikon.de/Robotron.html


Lesetipp:

Ulrich Kölle: "Betonformsteine. Die Entwicklung serieller Systeme zur Gestaltung von Außenräumen."
Vertiefungsmaterial im Rahmen des Architekturstudiums, SS 2000, TU Dresden (unveröffentlichte Arbeit) - Anfragen möglich unter: www.raumkomplex.de

 


Am Pirnaischen Platz, 12/04 Vergrößerung
Vorplatzgestaltung von G. Krätzschmar
Eingang zur zentralen Mitarbeiterkantine
Betriebsgaststätte 800 Plätze von H. Zimmer, P. Schramm und S. Thiel - Foto darunter: Betonformsteine in dieser Gaststätte als WandgestaltungMitarbeiterkantine - Wandgestaltung mit Betonformsteinen
Dekonstruktivistisches, abstraktes Glasmosaik zur Verzierung eines Treppenhauses (entstanden: ca. 1970, Aufn. Mai 2004) VergrößerungGebäude mit Jugendtouristenhotel Betonformsteine vom Dresdner Künstler Friedrich Kracht mit Fensterdurchbrüchen als Stirnseite des Jugendtouristenhotels korbflechtartige Wellenverblender aus Meißner Keramik am Bürohaus "Bürgerwiese" Betonformsteine im Hof des Bürohauses "Bürgerwiese"
Vergrößerung der Schmuckwand im Hof Bürozentrum Robotron (Aufn. Mai 05)Stadtraum gliedernde Wand an der Grunaer Straße
Wandgestaltung zur Grunaer Straße hinterm Robotron-GeländeStadtraum gliedernde Wand an der Grunaer Straße (Ausschnitt)
Ausschnitt Betonformsteine an einem Gebäude in der Löbtauer Straße Dresden
durchbruchplastische Module aus Beton an einem Bürohaus auf der Löbtauer Straße Betonformsteine an einem Gebäude in der Löbtauer Straße Dresden (Ausschnitt)
Ausschnitt - Foto: 2004 Betonformsteine in der Prager Straße
Betonformsteine im Hotelgarten Prager StraßeMauer aus Betonformsteinen in dem noch verbliebenem Hotelgarten des Liliensteins.  April 2004

Keramik-Formsteine als Absperrung zur Grunaer Straße am Hochhaus Pirnaischer Platz (Aufnahme:1970, heute noch erhalten)


Betonformsteine als Element der Gartengestaltung - Abgrenzung zur Parkstraße, Foto: 2009, TK


Ein knalliger, bunt-postmoderner Eingang in das zum "Media-Max" umfunktionierte Einkaufszentrum aus den frühern 1990ern lenkt von der fein gestalteten Vorhang-Fassade der späten 60er Jahre ab. (Foto: April 2004)

Alle Fotos (außer die von 1970): T.Kantschew
Mai 2005

 

Zukunftsvisionen:
städtebauliche Planungen 1993/ 94:

Sie basierten auf dem Wettbewerbsergebnis von 1994 zum östlichen Altstadtring. Den ersten Preis errang damals das Architekturbüro Müller, Djordjevic-Müller und Krehl aus Stuttgart (siehe Modellbild rechts - Bildquelle: Dresden - Europäische Stadt. Rückblick und Perspektiven der Stadtentwicklung, Symposium Dresden 2000)

aus einem Interview der DNN mit dem neuen Chefstadtplaner Andreas Wurff (10. August 2005)

Dresdens Leitbild: Vision, Illusion, Konzentration.
Von der Vision einer großräumig verdichteten urbanen Großstadt über die Erkenntnis der Illusion dieser Vision hin zur Konzentration auf's Wesentliche, auf die Innenstadt - Dresdens Stadtplaner planen um. Weil sich die Bevölkerungsstruktur rasant ändert. Weil's Geld knapp ist. Und vielleicht auch, weil der 52-jährige Chefstadtplaner Andreas Wurff neue Ideen einbringt. Seit fast zwei Jahren ist Wurff als Leiter der Stadtplanung im Amt.
Die DNN fragte:


Das Stadtmodell im Rathaus am Külz-Ring zeigt die Vision einer großräumig verdichteten Großstadt mit zahlreichen Neubauten. Muss sich Dresden davon verabschieden?

Wurff: Definitiv. Das Leitbild der 90er ist Planungsgeschichte. Es entstammt einer hypertrophen Gedankenwelt, beruht auf einer Planung mit überzogenen Vorstellungen und bedarf einer grundlegenden Überarbeitung, die durchaus eine neue Urbanität und zusätzlich neue Freiräume schaffen kann. Zum Beispiel werden sicherlich keine Neubauten entlang des Großen Gartens und der St. Petersburger Straße entstehen.

Aktuelle Planungen 2009

Derzeitige Planungen sehen eine Verdichtung des Areals mit der "Lingner Park Stadt" vor, die auf einen Entwurf vom Atelier Loidl, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner mit Jörg Wessendorf, Architekt basieren. Sie gewannen 2009 einen Wettbewerb zur Weitergestaltung des 13 ha umfassenden Gebietes. Mehr Informationen auch auf:
www.minnemedia.de

 

Architekturwettbewerb 1994 (1. Preis: Müller, Djordjevic-Müller und Krehl aus Stuttgart)


Ausschnitt aus dem Stadtplan. Planungsleitbild Innenstadt, 1991. Gelb: Historischer Zustand vor 1945 - Schwarz: Zustand 1991 - Blau: Bürokomplex Robotron (grau lasiert: ehemaliger Festungsverlauf vor dem Rathaus)