Medizinische Akademie (Erweiterungen)
Aufbruch in die Moderne

 

Architekt. Paul Wolf
Bauzeit:   1929 - 30 / weitere Baumaßnahmen bis 1938
Adresse:. Fetscherstraße 74
               in etwa: Lage (Link zu Stadtplandienst)

Umbau des westlichen Teils der Anlage
zur Chirurgischen Klinik 1954: Heinz Mersiowski (u.a.)


Kinderklinik

Das weltweit erste Säuglingsheim, von Arthur Schloßmann 1898 in Dresden gegründet, zog 1930 in das neue Zentral-gebäude der Kinderklinik innerhalb des Stadtkrankenhaus Dresden-Johannstadt.
Dieses weitläufige Krankenhausareal, welches bereits 1901 nach neuesten gesundheithygienischen Erkenntnissen als zweites großes Stadtkrankenhaus neben dem Friedrich-städter Krankenhaus errichtet worden war, liegt inmitten einer imposanten gründerzeitlichen Dresdner Stadterweiterung - der ehemals wohlhabenden und bürgerlichen Johannstadt - von deren ehemaliger Bausubstanz heute kaum noch 20 % erhalten ist.
(Die ganz nach rationalistischen Prinzipien im orthogonalen Schachbrettwinkeln konzipierte Johannstadt war zur Entstehungszeit vom städtebaulichen Standpunkt eine hochmoderne Anlage innerhalb der expandierenen Stadt.)

Neue Sachlichkeit und Glaube an die absolute Kraft der Gesundheit

Die modern helle Kinderklinik im Stil der Neuen Sachlichkeit bestand aus einem 5-stöckigen, langgestreckten Ziegel-Putzbau mit an der Südseite entlang laufenden Balkonreihen, offenen Terrassen auf den Dachbereichen und vorspringenden Eckrisaliten (ähnlich Hylße-Gymnasium). Das Gebäude bildete den Frontteil einer platzartigen Anlage mit einem grünen Innenhof als Ruhezone. Bis Ende 1930 wurden die zwei anderen Gebäude westlich und östlich der grünen Platzanlage fertiggestellt (Schwesternheim und
Haus 19, die heute Chirurgische Klinik).
Nach dem Abklingen expressionistischer Strömungen zog die Neue Sachlichkeit als Stil in die deutsche Architektur ein. Sachlich - das hieß reduziert, ohne Schnörkel und Schmuck, zweckgebunden. Die Erregungen in der deutschen Gesellschaft, all die Gefühlsausbrüche nach der Revolution 1918 machte um 1930 einem von heftigen Emotionen entledigter kühler Rationalismus Platz. Die wissenschaft-lichen Forschungen über Hygiene und Gesundheit überlagerten die hochfliegenden Fantasien und Utopien expressionistischer Architekturträume. Deutlich spürt
man z.B. in den überlieferten Abbildungen der Dresdner Kinderklinik eben diese Anwendung der damals revolutionären Stadttheorien des Licht-Luft-Sonne Prinzips. Eine Neuheit war es z.B., die Säuglinge auf die Balkone ins Freie zu schieben, die sich in langen Reihe nach Süden öffneten.


Moderne und Sozialismus

An der egalitär hierarchischen Gliederung der Etagen und den gleichmäßigen Fensterreihen läßt sich die Utopie von sozialer und demokratischer Gleichberechtigung der Weimarer Zeit ablesen, die später in den Jahren der Deutschen Demokratischen Republik für den Wohnungsbau so prägend wurde.

Durch die Luftangriffe am 13./14. Februar 1945 stark beschädigt konnten die solide gebaute Anlage bereits in den frühen 50er Jahren wieder öffnen und diente ebenfalls den sozialpolitischen Zielen einer neuen Gesellschaftsordnung, die sich unverhohlen eine "Diktatur des Proletariates" auf ihre Fahnen geschrieben hatte.


Abriss des Baudenkmals im Jahre 2000

Leider wurde die denkmalgeschützte Kinderklinik von Paul Wolf im Jahr 2000 komplett abgerissen. Das Staatshoch-bauamt versuchte in aufwändigen Sanierungskonzepten das Gebäude zu retten, doch die Stahlbetonkonstruktion war so angegriffen und verrostet, daß die Statik nicht mehr gewährleistet werden konnte.
Die den Hof flankierenden Gebäude der Chirurgischen Klinik sowie der Psychatrie (ehemaliges Schwesternheim, Bild unten) sind noch erhalten. Nur beim östlichen Schwestern-heim (jetzt Psychatrie) ist noch die Ursprungsidee der klaren, hellen Sachlichkeit anschaulich. Das Treppenhaus, die schlichte, etwas stereotyp wirkende Lochfassade und die breiten Dachterrassen sind dort noch im Original erhalten, ebenso sämtliche Treppenhäuser.



Chirurgische Klinik
Das ab 1930 errichtete Gebäude als westlicher Teil der Platzanlage wurde nach Kriegsbeschädigung 1956 unter Vewendung unbeschädigter Bausubstanz nach Plänen von H. Mersiowski als Chirurgische Klinik wieder aufgebaut, dabei stockte man ein 3. und 4. Stockwerk auf. Das breit gelagerte Gebäude ist in zwei jeweils 14achsige Seitenkompartimente gegliedert, die durch ein zentrales Treppenhaus erschlossen werden. Nach West und Ost flankieren je zwei niedrige Flügel das Gebäude. Seit 1995 ist ein von Wörner & Partner entworfener OP-Trakt angegliedert.

Homepage: www.uniklinikum-dresden.de/index1.htm

 


Das Stadtkrankenhaus Johannstadt wurde im November 1934 in "Rudolph-Heß-Krankenhaus" umbenannt, hier in einer Luftaufnahme aus den 1930er Jahren. Gut zu erkennen ist die Komposition einer dreiflügeligen Platzanlage, in deren Mitte sich ein mit lockeren Baumgruppen bepflanzter Hof erstreckt.


Medizinische Akademie - Kinderklinik 1956
 nach der Kriegsentstandsetzung
Kinderklinik 1956 nach der Kriegs-instandsetzung
Kinderklinik 1956 - Eingangsbereich
Kinderklinik der Medizinischen Akademie nach der Instandsetzung. Aufnahme 1956. Foto: Fotothek/ SLUB
Kinderklinik nach der Bombardierung - 1949"Haus 19" nach dem Angriff am 13. Februar 1945

Plan Universitätsklinikum (Blau Neubau Kinder- und Frauenklinki) - 2004 im Bau
Plan Universitätsklinikum, Blau: Neubau Kinder- und Frauenklinik) - 2004 / unten: Chirurgische Klinik 2002 im Zustand nach der Aufstockung und Veränderung von 1954.

Chirurgische Klinik 2002 Zur Chirurgischen Klinik umgebautes Haus 19 - 1956: Blick zum Treppenhaus
Westlicher Teil der Anlage: Zur Chirurgischen Klinik umgebautes Haus 19 - 1956: Blick zum neuen Treppenhaus


Östlicher Teil der Platzanlage: Ehemaliges Schwersternheim, jetzt: Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie


Der gleiche Bau von der nördlichen Schmalseite aus gesehen mit vertikaler Betonung des Treppenhauses und Dachterrasse. (Aufn. 2005)