Kulturpalast
"Geistig- kulturelles Zentrum der Stadt und des Bezirkes Dresden"

 
Architekt: Wolfgang Hänsch, Herbert Löschau
Heinz Zimmermann, Dieter Schölzel (u.a.)
Basisentwurf: Leopold Wiel _
Kunst: u.a. Gerhard Bondzin & Kollektiv (Wandbild)
Freiflächen-
gestaltung:
Günther Krätzschmar (Brunnen, Hochbeete,
Rückseite mit Leuchten auf dem Plateau)

(zerstört 2009-2011)
Bauzeit: 1966- 69 (diverse Wettbewerbe seit 1953)
Adresse: Altmarkt, Schloßstraße, Galeriestraße
Umbau: offizieller Umbaubeginn: 11. Oktober 2013
Abriss des alten Mehrzwecksaals, Einbau eines komplett neuen Konzertsaals
Architekten: Gerkan, Marg & Partner (GMP)
www.gmp-architekten.de
voraussichtliche Neuöffnung: März 2017
Pläne (pdf) auf dresden.de / Infos


www.kulturpalast-dresden.de (derzeit ohne Inhalt)

1962 begann der Bau des dominanten Dresdner "Palastes" für Kultur, ein in der Baugeschichte der DDR in dieser Funktion einzigartiges Gebäude (mit Räumen für künstlerische Betätigung als Volkshaus). Im Hintergrund rußgeschwärzter Ruinen von Schloss und Frauenkirche war dies ein kulturpolitischer Akt, der mitten in einem neuen "sozialistischen Stadtzentrum" an die langen kulturellen Traditionen Dresdens anzuknüpfen suchte. Städtebaulich wie architektonisch bedeutete der Glas-Beton-Kasten mit anthroposophisch anmutendem Kupferdach einen rigorosen Bruch mit dem historisch überlieferten Stadtgrundriss und der vormodernen Architektur. Ursprünglich sollte das Haus jedoch in den 50er Jahren-Planungen mehr als 100 Meter hoch werden und im verzierten-dekorativen Stil der "Nationalen Tradition" errichtet werden. Abbildungen
Der rhomboide Innenraum erinnert u.a. an den Kongresspalast im Moskauer Kremlgelände, 1959-1961 im Auftrag von Nikita Chruschtschow für 6000 Zuschauer der KPDSU-Parteitage errichtet.
Vorbildhaft wirkte aber auch u.a. das neue Konzerthaus De Doelen von Rotterdam von 1962-66.

Architekturführer der DDR, Bezirk Dresden 1978:
"Kulturpalast: flacher Baukörper 102,80 m x 71,80 m mal 19,35 m bildet städtebaulichen Abschluss des Altmarktes nach Norden. Monolith. Stahlbetonskelettbauweise (Raster 6 m x 9 m), Sockelgeschoss Naturstein, Obergeschoss Aluminium-Glas-Elemente, teilw. Betonstrukturwände, Saalaufbau profiliertes Kupferdach; Mehrzwecksaal mit Kippparkett 2740 Plätze, Studiotheater 192 Pl., Restaurant: 205 Pl., Klubräume 584 Pl.; ..."


Grundriss 2. OG Kulturpalast: Quelle Architekurführer der DDR 1978


Architekturführer Dresden 1997:
"Der kompakte, flache Baukörper ist äußerlich durch Material-und Farbkontraste geprägt: Während die Sockelzone aus poliertem roten Granit besteht, setzt sich der Hauptkörper aus großen, in Aluminiumrahmen gefaßten Glasflächen zusammen; er wird von weißen Betonsimsen eingerahmt. Die Rückseite sowie die Außenwände der Funktionsräume sind durch Betonfertigfenster untergliedert. Ein gefaltetes Kupferdach bildet den Abschluss. Dabei erhebt sich der zentral gelegene sechseckige Festsaal äußerlich als Dachaufbau. In Höhe des 1. OG umschließt ein Balkon den Kulturpalast. An der Fassade zur Schlossstraße befindet sich das Wandbild "Weg der roten Fahne" vom Kollektiv Gerhard Bondzin, ein typisches Werk des sozialistischen Realismus. Der Eingang enthält fünf Bronzetüren von Gerd Jaeger, die Motive aus der Dresdner Geschichte darstellen."

Festsaal
(1969 bis 2013)
32 m breite, 10 m tiefe Bühne, fahrbare Jehmlich-Orgel,
Hauptbühnenfläche 320 m² ; Portalhöhe 11,5 m,
mittels Kippparkett auch als Ball-oder Kongreßsaal nutzbar.
2 Seitenbühnen mit je 160 m² , 1 Hinterbühne mit 79 m².

Urteil des OLG Dresden 13.11.2012
Dresdner Kulturpalast: Der Große Saal ist eine herausragende Architektenleistung, das Umbauinteresse der Stadt aber gewichtiger.


2013 bis 2017 Abriss multifunktionaler Festsaal
&

Einbau neuer Konzertsaal + Ausbau zur Hauptbibliothek

Nach jahrelangen Diskussionen über die Zukunft des zentralen Kulturgebäudes der Stadt Dresden, nach Gerichtsstreit und Expertenurteilen ist der Kulturpalast seit 23. Juli 2012 offiziell geschlossen. Es beginnt ein mehrjähriger Umbau, der nur noch den Rohbau des Gebäudes erhält und in den ausge-höhlten sechseckigen Innenraum einen komplett neuen Konzertsaal für die Dresdner Philharmonie einbaut.
Der zukünftige Saal in Weinbergform soll eine ausgezeichnete Akustik bekommen. Darüber hinaus ist anstelle des ehemaligen Restaurants und der alten Klubräume die neue Hauptbibliothek vorgesehen. Als dritte Institution soll nach dem Umbau das Kabarett Herkuleskeule in den Keller einziehen.
Das Äußere wird sich 2017 in etwa dem Bild von 1969 gleichen, nur die Rückfront und der beiden Schmalseiten werden transparenter gestaltet. Wichtige künstlerische Zeugnisse des Gebäudes, wie die Bronzetüren und der Wandfries im 1. OG, werden beim Umbau ausgelagert und anschließend neu integriert. Foyer und Treppenhäuser bleiben in ihrer Struktur erhalten.

Der Kulturpalast wird nach dieser Metamorphose hoffentlich an Ausstrahlung, internationalem Renommee und Lebendigkeit gewinnen. Allerdings geht Dresden und der Architektur insgesamt auch einer der wichtigsten Multifunktionssäle der europäischen Nachkriegsmoderne verloren. Gerade die zuschauerstarke Unterhaltungsmusik muss sich nun an einem entlegenen Standort außerhalb des Zentrums ein neues Publikum suchen. Skeptische, mahnende Stimmen über die Aufgabe der Stadthallenfunktion, aber auch die unklare Finanzierung lassen erneut erhebliche Fragezeichen über die Machbarkeit eines Komplettumbaus aufkommen.


Hier noch mal ein Rückblick auf die Argumente:


Pro:
Multifunktionshalle mit Nostalgiewert

Viele flexibel nutzbare Räume waren im KP untergebracht: Studiobühne, Restaurant, Arbeits- und Proberäume, diverse Kongressräume, Garderoben, das großzügige Foyer.
Die große Bühne ließ sich durch Herausnehmen des Parkett-gestühls für ganz unterschiedliche Zwecke umfunktionieren. Gerade die "leichte Muse" für Unterhaltungsmusik fand im KP Platz als große Stadthalle. Natürlich auch die altehrwürdige Dresdner Philharmonie, der jedoch die Akustik des Saals unzureichend erschien. Außerdem störte der breite, parteitagsähnliche Zuschauerraum zeitgenössische demokratische Vorstellungen. Dem entgegen standen jedoch gute Erinnerungen vieler BesucherInnen, die nicht zuletzt mit dem KP ein Stück ihrer eigenen Biographie verknüpften.
Durchaus wertvolle baukünstlerische Äußerungen wie das Wandbild, die Bronzetüren oder der Fries im Foyer sind darüber hinaus Geschichtszeugnisse mit hohem Denkmalwert.


Contra:
Sperriger kompakter Kubus zwischen Alt- und Neumarkt


Der massive Baukörper, weit zurückgesetzt vom Altmarkt, reißt den Hauptplatz Dresdens zusätzlich in Nord-Süd-Richtung maßstablos auf. Ein städtisch-urbaner Zusammenhang ist durch diese gewaltige Baumasse nur schwer möglich. Der dominante Kulturbau und seine von ihm beanspruchte Abstandsaura (ähnlich der Neuen Nationalgalerie in Berlin von Mies von der Rohe) erdrücken das bisherige Wiederaufbaukonzept von Kleinteiligkeit und lebendiger Vielfalt in der Dresdner Innenstadt, über welches allgemeiner Konsens in der Bevölkerung herrscht.
Als ein in sich sicher herausragendes Baudenkmal der DDR-Nachkriegsmoderne wird sich der voluminöse Kulturpalast nur schwer in eine verdichtete Innenstadt integrieren können - zu dominant versperrt der monolithische Bau, als rigoros- propagandistische Äußerung ein urbanes Kommunikationsgeflecht.

Dresdner Architekten und Anhänger der Nachkriegsmodere stritten 2004 für den Erhalt des Kulturpalastes:
www.kulturpalast- dresden-erhalten.de


1994 beschloss der Stadtrat ein Konzept zur Verdichtung der Innenstadt

Um den Altmarkt ein Stück seiner unmenschlichen, proportionslosen Weite zu nehmen und mehr stadträumliche Dichte zu definieren, beschloss der Dresdner Stadtrat 1994 (u.a. unter fachmännischer Beratung des renommierten Münchner Architekten Braunfels, der in dieser Zeit eine stadträumliche und stadtgestalterische Leitbildkonzeption für Dresden erarbeitete), an den Kulturpalast sowohl zur Schlossstraße, wie zum Altmarkt neue Flügelbauten anzubauen. Diese Entscheidung, die nach 2000 einen konkreten Investor (Sachsenbau Chemnitz) und einen Architekten (Kollhof) gefunden hatte, wurde 2004 durch einen Stadtratsbeschluss gekippt. Viele Bürger wollten den Kulturpalast als Stadthalle erhalten. Bleibt jedoch der Kulturpalast, die Wilsdruffer Straße und der Altmarkt in der jetzigen auseinandergerissenen stadträumlichen Fassung erhalten, bestehen wenig Chancen für eine wirklich funktionierende lebendige, abwechslungsreiche Innenstadt mit einer einladenden Verweilqualität. Der Kulturpalast in seiner jetzigen Form ist nicht geeignet, einen wirklichen Stadtraum zu schaffen.
Gespannt sein kann man vor allem auf Neubauten in der Galeriestraße, die sich auf den Kontext des Kulturpalastes beziehen, ihn einbinden und ihm auf diese Weise eine urbane Fassung geben. Investor KIB-Projekt GmbH will 2011 ein Geschäftshaus errichten, das Bezug zum Kulturpalast nimmt. Entwürfe Kupferschmidt.



Mut zur Veränderung

Gefragt wäre also ein Mut, der nicht in konservatorischer Starre und denkmalpflegerischem Dogmatismus verharrt, sondern die Kraft und Entschlossenheit zur Erneuerung wagt, genauso wie in der Geschichte oft Paläste oder Schlösser um-, an- oder weitergebaut wurden. Nicht zuletzt das Dresdner Schloss ist ein Resultat jahrhunderterlanger Veränderungen. Ein intelligenter u. respektvoller Umbau des Kulturpalastes, mit einer neuen offenen Rückseite, mehr stadträumlicher Dichte im Umfeld und einer besseren Verzahnung von Neu- und Altmarkt wäre wohl die beste Lösung. Das könnten z.B. niedrige flache gläserne Café- Pavillons rechts und links vor dem KP sein (wie z.B. Rotterdam seine Innenstadt dichter gestaltete). Das könnte ein ganz neues Gebäude an der Stelle des ehemaligen mittelalterlichen Rathauses auf dem nördlichen Altmarkt sein (vielleicht ein Europahaus?).
Bei einer anstehenden Sanierung sollte auf jeden Fall das gefaltete Kupferdach fachgerecht restauriert werden.

Umbau im Erdgeschoss 2006
In den ersten Monaten des Stadtjubiläumjahrs 2006 wurde die südöstliche Ecke des Kulturpalastes Wilsdruffer/ Galeriestraße zu einem Informationscenter Frauenkirche umgebaut. Die roten Granitplatten wurden entfernt und durch große Glasscheiben ersetzt. Nur noch die tragenden Betonsäulen blieben vom Ursprungsbau erhalten, ähnlich wie bereits die westliche Ecke zu einem Ticket-Center umgebaut worden war. So entstand mehr Offenheit und Kommunikation des Gebäudes mit dem Stadtraum. Ausführende Architekten waren: AWB Architekten Wolfgang Hänsch (Kulturpalastarchitekt) und Architekturbüro W. Bauer

Roter Granit - in Dresden ein ungeliebtes Material

Allerdings verlor das Gebäude auch etwas von seiner Authentizität, denn der polierte rote Granitsockel, dieser feste für Dresden untypische Stein, der ganz bewusst als "tragende" Basis, als Fundament eingesetzt wurde, trägt auch zu seiner politischen Bedeutung bei. Auch wenn es nur vor dem Beton geblendete Fassadenplatten sind, der optische Eindruck beinhaltet eine ganz wichtige zeittypische Aussagekraft von 1969.


Detail Material des roten Granitsockels - Vergrößerung (Foto: TK - Feb. 2011)


Der Kulturpalast 1980 (Foto: Inger Sørensen) hatte ursprünglich klare farblose Glasscheiben. Erst später wurden sie gegen entstellende bronzefarbene ausgetauscht. Dieser Zustand sollte in einer anstehenden Sanierung rückgängig gemacht werden.

Der Kulturpalast im Bau 1968 - Farbdia mit Blick vom Rathausturm (Link zu Fotocommunity)
Vogelperspektive Kulturpalast von der Frauenkirche aus 2007





Zukunftsmusik: Die Pläne für den Umbau des Kulturpalastes in Dresden, Visualisierungen des geplanten Umbaus, DNN vom 14.03.2012

Der neue Konzertsaal im Kulturpalast Dresden,
hrsg. von Landeshauptstadt Dresden, Imagebroschüre (pdf)


2014 - neuer Konzertsaal im Kulturpalast:
Die Pläne wurden modifiziert. Nun werden die Brüstungen der einzelnen Saalfelder weiß gestaltet, anstatt einer Holz- verkleidung, wie noch 2012 vorgesehen. Stattdessen bekommen die hinteren Wände ein Holzfurnier, was wahrscheinlich einer besseren Akustik geschuldet ist. Visalisierung: gmp





Sockelzone (Galeriestraße) noch vor dem Einbau des Frauenkirchen-Infocenters an der Ecke. Soll diese rote Natursteinzone für eine komplette Verglasung gänzlich verschwinden? Damit würden zwar einerseits mehr Transparenz und Offenheit entstehen, andererseits verschwindet durch diese vollverglaste Nivellierung der Eindruck "schwebender Leichtigkeit" und der Anklang an antike, tempelhafte Erhabenheit. Foto: TK Aug.05



"äußerlich nur behutsam"?

Olav Helbig, 01097 DD, schrieb am 27.06.09 in der SZ: "...Doch dann sah ich das Foto vom Modell, das seltsamerweise mit den Worten "äußerlich nur behutsam" beschrieben wird. Den Obergeschossen wird durch eine Vollverglasung anstelle der roten Granitwände der tragende Sockel genommen. Damit wird der gesamte Grundgedanke der Architektur des Palastes, der mit dem Natursteinsockel und den darüber liegenden zusammengefassten Obergeschossen, die in Art von Lisenen zum Altmarkt durch die Stahlstützen vor dem Balkon gegliedert sind, noch Spuren barocker Baugesinnung enthält und sich gerade darum so gut einpasst, eine wirkliche Verbindung von Altem und Neuem ist, völlig aufgelöst. Für mich zeigt sich hier einmal mehr, dass beim Bauen am Denkmal unbedingt mehr Einfühlungsvermögen in historische Architektur erforderlich ist, als heute oftmals aufgebracht wird."

 


Modell umgebauter Kulturpalast, Ansicht vom Altmarkt und von der Galeriestraße, Quelle: gmp. Der ganze Kulturpalast sollte verglast werden. Die rote Granitsockelzone wäre komplett verschwunden, ebenso das Betonraster zur Galeriestraße und auf der Rückseite. In einer Überarbeitung wurde dann der radikale Umbau zurück genommen:

Stadt rudert zurück: Fassade des Dresdner Kulturpalastes bleibt erhalten, DNN vom 24.02.2011

Eine Gruppe von Kunsthistorikern, Denkmalpflegern und Musikern kämpfte für einen komplett neuen Konzertsaal,
u.a. um den alten Kulturpalast und seinen großen Multifunktionssaal in seiner Ganzheit zu erhalten:

www.musik-in-dresden.de/stichwort/neuer-konzertsaal


Heidrun Laudel
Der Kulturpalast in Dresden
Vom Umgang mit einer Inkunabel der Moderne,
http://quo-vadis-dresden.de
(pdf) - vom 19.02.2010

Dresdens Kulturpalast
Wolfgang Kil | 14.09.2011
Beim Schutz der Nachkriegsmoderne ist die Denkmalpflege im Freistaat Sachsen nicht mutiger als in anderen Bundesländern, in der Landeshauptstadt Dresden ist sie sogar ausgesprochen verklemmt. (...) Mehr auf german-architects.com




Literatur:


DDR-Zeitschrift: Deutsche Architektur (DA) 4/68 und 5/70.
Idenwettbewerb für das Haus der soz. Kultur, in DA 11/ 1960, S. 670-673

Susann Buttolo: Der Kulturpalast Dresden. In: Dresden - Architektur der Nachkriegsmoderne / Zeitzeugnisse Heft 3. Architektur und Ingenieurbau in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Sachsen, Dresden 2006

Wolfgang Kil (Hg.): Wolfgang Hänsch - Architekt der Dresdner Moderne, Berlin 2009





Modell Haus der sozialistischen Kultur in Dresden, basierend auf einem Entwurf von Prof. Wiel, überarbeitet von Hänsch und Löschau - mit runder Kuppel, 1969 veröffentlicht in "Sektion Architektur" - Wissenschaftliche Zeitschrift der TU Dresden. Entwurf mit Tribüne für 1. Mai-Demonstrationen und einem zunächst geplanten 3. OG


Modell einer Entwurfsphase des Kulturpalastes mit vier Geschossen



Ideenwettbewerb für das Haus der sozialistischen Kultur in Dresden, Beitrag vom Kollektiv Prof. Wiel, TH Dresden, Quelle: DA 11/1960.
Vergrößerung - Entwurf 1960
Das Preisgericht lehnte damals den Vorschlag ab, weil ihr die Höhe von "nur " 17 m zu gering erschien, auch der Verzicht auf eine Höhendominante als Turm wurde kritisiert. Die Kuppel wäre kein Ersatz, da man sie weder von der Straße, noch in der Stadtsilhouette sehen könne. Auch das Hineinrücken des Gebäudes in den Altmarkt wurde als Mangel empfunden.
Das extrem umfangreiche Raumprogramm wurde von Wiel in zwei zusätzliche separate Teile untergebracht (Panoramakino & Konzertsaal seitlich + Kongresshalle dahinter).
In Ostberlin wird von Henselmann zeitgleich die Kongresshalle am Alex geplant, ähnliches entsteht in Brasilia.
Zum Vergleich Vorschlag L.Hahn
Jahre später wurde der Vorschlag eines großflächig verglasten, relativ niedrigen Baukörpers mit Kuppel wieder hervor geholt und modifiziert. An die Stelle einer zentralen Kuppelhalle als Hauptverteiler wurde der Mehrzwecksaal plaziert.
Leopold Wiel feierte am 14. Mai 2011 seinen 95. Geburtstag. Aus diesem Anlass hat Prof. Manfred Zumpe einen Aufsatz geschrieben, der auch in den DNN abgedruckt wurde. Hier komplett: http://quo-vadis-dresden.de/ (pdf)

Kulturpalast (Foto aus dem Bildband: "Über den Dächern Dresdens" VEB Verlag der Kunst, Dresden 1981)
Kulturpalast: Foto aus dem Bildband: "Über den Dächern Dresdens" 1981 Noch nicht patiniertes Kupferfdach des Kulturpalastes mit Aussparungen für Be- und Entlüftung - vor 1981
Noch nicht patiniertes Kupferfdach des Kulturpalastes mit Aussparungen für Be- und Entlüftung - Foto: vor 1981
Leuchtend gläsern-transparente Schauseite zum Altmarkt hin- 2008
Verhangenes Wandbild "Siegeszug der Roten Fahne"
Kulturpalast mit gelben Fensterngläsern - entspricht nicht dem Original von 1969
Fahnenmasten - auch für DDR-Propaganda genutzt, Foto: TKBildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Foto: Deutsche Fotothek/ SLUBBildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Eine Aufnahme von 1969, gleich nach Fertigstellung, noch ohne die dominaten Fahnenmasten. Foto: Deutsche Fotothek/ SLUBBildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Kulturpalast noch ohne Fahnenmasten

Treppenhaus (Feb. 2010 TK)
Wandfries im 1. OG von Heinz Drache

Eine der vier Bronzetüren, die die Geschichte Dresdens aus marxistischer Sicht widerspiegeln.
Eine der fünf Bronzetüren von Gerd Jaeger, die die Geschichte Dresdens aus marxistischer Sicht widerspiegeln / Darüber Ausschnitte aus dem Wandfries im ersten Stock, der sich auch propagandistisch mit Gegenwart und Zukunftsperspektiven im sozialistischen Alltag auseinanersetzte.

Kulturpalast von hinten: Anlieferungszone für Dekorationen und Technik, Februar 2005
Kulturpalast von hinten: Anlieferungszone für Dekorationen und Technik, Feb. 2005 TK

Decke im Restaurant (Foto: 10/ 06 TK)

Leuchte im Treppenhaus zum Restaurant (Foto: 10/ 06 TK)
Bildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Kulturpalast 1969 / Ecke zur Schlossstraße - hier noch unverändert mit Granit"sockel" und Leuchtschaukiästen.
Bildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Studiotheater 1970 - Ausstattung: Deutsche Werkstätten Hellerau
Bildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Foyer des 1. OG - 1977

Tür auf der Schlossstraße. 2008 nicht mehr vorhanden! (Foto: Inger Sørensen 2007), big
Bildquelle: Deutsche Fotothek - SLUB
Restaurant im Kulturpalast 1969 - in der derzeitigen Planung 2008 ist in diesen Räumen der Einzug der Stadtbibliothek ab 2013 geplant.


Deckenleuchten im Foyer (April 08) - Foto: TK


Geländer von 1969 (Foto: April 2008)
Orchester-Probensaal
Proberaum für Künstler (Foto: 04/08), big

, Foto: Dt. Fotothek KP- Spiegelung im Brunnen 1969


Roter Granit & Logo Dresdner Philharmonie - Nov. 09 - Vergrößerung

Die Betonraster an der Ostseite und an der Nordseite sollen nicht erhalten werden. Kann man dann noch von "Denkmalschutz" sprechen? Foto: Nov.09



Welche Bebauung soll gegenüber dem Kulturpalast errichtet werden? Ist der Kulturpalst mit dem künftig neuen teuren Saal und der Stadtbibliothek ein Leitbau oder soll sich alle Bebauung an der Frauenkirche orientieren? Foto: 2011 mit einer Spiegelung der Heinrich-Schütz-Residenz in der Fassade des KP an der Galeriestraße, TK, Vergrößerung, Gesamt

Der Kulturpalast steht unter Denkmalschutz

Das Landesamt für Denkmalpflege hat den Dresdner Kulturpalast als herausragendes Baudenkmal der DDR-Moderne 2008 unter Schutz gestellt, "weil es besondere Eigenschaften besitzt, die es wertvoll für die Gemeinschaft machen", sagte Landeskonservatorin Rosemarie Pohlack. Der Status bedeute aber keinesfalls, dass an den Gebäuden keine Veränderungen erfolgen dürfen. DNN vom 23.09.2008


Der große Saal (April 2008) - Fotos: TK - Vergrößerung


Vergrößerung


Kunsthandwerk an den Atelierwänden der Clubräume für künstlerisches Gestalten im KP Westseite, Foto 2008 TK, big, "Ich will meine Feder ins Waffenverzeichnis!" - Leider waren die Clubräume durch das hohe Propaganda-Wandbild zur Schlossstraße ohne jedes Tageslicht. Die abgeschlossene Atmosphäre mit Kunstlicht hinterließ einen zwiespältigen Eindruck.


Festsaal 2008 - Foto: TK, Vergrößerung
Korrespondierend zum trapezförmigen, sechseckig gefalteten Dach des Kulturpalastes, welches die Form des großen Saals nach außen hin sichtbar macht, entstanden in der Planung auch sechseckige Gebäudeformen an der Südseite des Altmarktes in einem "Haus der Industrie". Wabenähnliche, unterschiedlich hohe Gebäudeteile, die als zusammen-hängendes Cluster gestaltet waren. Es wäre so ziemlich das Gegenteil vom Superblock der Nationalen Tradition auf der Altmarkt Westseite entstanden - als freie moderne Form, die den Anspruch Dresden als Wissenschaftsstadt spektakulär molekular entfaltet. Typisch zelluläre Strukturen der 1960er Jahre!
Die Planung wurde nicht realisiert. Foto: SLUB 1969, Foto rechts: Kulturpalast-Rohbau 1968 mit sechseckigem Saal
 


Schichten der Stadt:


soz. Realismus (Altmarkt), Nachkriegsmoderne (Kulturpalast), Rekonstruktionen (Schütz-Residenz) - im Vordergrund: zukünftiges Quartier VI am Jüdenhof. 2013- 2015 wird der KP saniert und zur neuen Philharmonie umgebaut. Foto: Juli 2012, Reinhard Jentsch, www.dresdner-bauten.com, Vergrößerung

 

 

"Der Weg der roten Fahne"

Ideenvorschlag zur künstlerischen Gestaltungsintervention zum Wandbild "Der Weg der roten Fahne" von Gerhard Bonzin & Kollektiv: Dieses propagandistisch motivierte Kunstwerk von 1969 sollte eine demokratisch-freiheitliche Gesellschaft nicht unwidersprochen und unreflektiert stehen lassen.
15 Jahre nach dem Fall der Mauer müßte über Entstehung, Vision und Zusammenbruch des östlichen, sozialistischen Teils Deutschlands und dem westlichen Gegenspieler, der ehemaligen alten BRD, neu debattiert werden. Angeregt vielleicht gerade durch diese Art Ost-Kunst.

Mein Vorschlag daher wäre: Über die elektrostatisch beschichteten Betonplatten leicht hervorgerückt popartig-farbige Porträts auf Plastikscheiben von Mielke, Honecker bis Oskar Lafontaine, die die Ambivalenz der sozialen und sozialistischen Utopie in unserem Land zum Ausdruck bringen.
In der Nähe des DDR-Emblems könnte der deutsche Bundesadler hinzu gefügt werden. Beide sollten nachts durch Licht besonders hervorgehoben werden.
Auch dieses Wandbild und dieses Gebäude ist deutsche Geschichte, ist jüngste Geschichte im innersten Kern des Dresdner Stadtzentrums. Es zeigt den Kampf der damals so benannten Arbeiterklasse mit ihren Führern Marx, Engels, Thälmann und Ulbricht für eine gerechtere Welt, indirekt aber auch die gewaltbereite Unbedingtheit der revolutionären Führer, ihre Ideen mit staatlichem Terror durchzusetzen.
Dennoch: müssen wir uns, als nachwachsende Ostgenerationen, der Visionen und Irrtümer einer eigenen Ostgeschichte schämen und uns ihrer alsbald entledigen, in dem wir sie in den Hinterhof abstellen?
Es sind eine Menge ehrliche Träume unserer Eltern und Großeltern dabei.
Aber auch der desaströse Untergang am Schluss des doktrinären Systems sollte in einer neuen Ostalgiewelle, von der sich auch so manch verkrustete Altlinke aus den sogenannten "Altbundesländern" mitreissen lassen, nicht verdrängt werden. (Das Land Sachsen ist weiß Gott älter als so manches künstliche, von den Westalliierten neu zusammengelegte Bundesland der alten BRD.)
Gerade künftigen Europäern könnte also dieses Kunstwerk zum "Weg der roten Fahne" Denkanstoß über Deutschlands Geschichte und ihrer linken Flanke sein. Deshalb sollte das Wandbild sichtbar bleiben.
Anbei eine erste, Skizze. (August 2004 - Thomas Kantschew)



Der Weg der roten Fahne
www.dresdeneins.tv vom 19.09.2013