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Sächsische Zeitung Freitag, 18. November
2005
Klettern im Kraftwerk
Von Bettina Klemm
Industriebau. Endlich soll Leben in das seit zehn Jahren leer stehende
Werk im Stadtzentrum ziehen.
Einst war es die Heizzentrale vom Kraftwerk Mitte. Doch die Maschinen
und Anlagen sind längst aus der Halle mit den großen Glasfronten weggeräumt.
Alles wirkt vergessen und verlassen. Das sehen Bert Krüger und Anderson
Teubert völlig anders. Die beiden jungen Männer wollen hier im nächsten
Jahr ein Therapie- und Sportzentrum sowie ein Kletterparadies eröffnen.
Kletterhalle Kraftwerk
In Kürze beginnen dazu die erforderlichen Umbau- und Sanierungsarbeiten.
„In einem Jahr wollen wir unsere Kletterhalle Kraftwerk mit 1 500 Quadratmetern
Kletterfläche eröffnen. Sie wird etwas völlig Neues in Deutschland“, sagt
Teubert von der Xadventure GmbH, die in Leipzig schon zwei Hallen betreibt.
Die 15 Meter hohe Halle biete die Möglichkeit, Angebote über mehrere Etagen
zu unterbreiten und auf die verschiedenen Ebenen zu schauen. So sollen
die Sportler in der zweiten Etage bouldern (klettern ohne Seil) können,
darüber entsteht ein Gastronomiebereich.
PHYSIOTHERAPIEZentrum
Im ehemaligen Verwaltungsgebäude nebenan will Sportphysiotherapeut Bert
Krüger auf drei Etagen sein Medizinisches Trainings-Therapiezentrum einrichten.
„Wir wollen im September 2006 öffnen“, sagt er. Auf einer Fläche von 650
Quadratmetern wird es dann Behandlungsräume und Trainingsgeräte geben.
Regelmäßig wird ein Sportarzt seine Sprechstunde abhalten. In dem Zentrum,
das von den Berufsgenossenschaften zugelassen sein wird, sollen sowohl
Leistungssportler als auch ganz normale Kassenpatienten mit ihren Beschwerden
behandelt werden. Gymnastikraum, ein kleiner Laden und eine Sauna komplettieren
das Behandlungszentrum.
Buchpremiere in Leitstelle
In die alte Leitwarte des Kraftwerks zieht schon am 23. November für kurze
Zeit Leben ein. „Vor 110 Jahren wurde in Dresden das Lichtwerk auf der
Stiftstraße in Betrieb genommen. Das war der Beginn der öffentlichen Stromversorgung
in Dresden“, sagt Drewag-Sprecherin Corynn Müller. Ihr Unternehmen und
der Kölner Schriftsteller Jean Pütz präsentieren die Geschichte in einem
220-seitigen Buch, das am nächsten Mittwoch um 19 Uhr in der alten Leitwarte
Premiere hat.
MUSEUM KRAFT-WERK
Geschichte wird auch im hauseigenen Museum Kraft-Werk lebendig. Eine ganze
Etage ist dem Thema Stromversorgung gewidmet. In einem weiteren Raum wird
in einer 25-minütigen Multimedia-Show über die Anfänge der Gasversorgung
in der Stadt erzählt. „Bis zum Frühjahr wollen wir das Museum jetzt erweitern.
Die Geschichte der Wasser- und der Wärmeversorgung soll dargestellt werden“,
sagt Corynn Müller. Das sei zugleich ein Beitrag der Drewag zum 800-jährigen
Stadtjubiläum.
Abriss verschoben
Auch wenn das verwaiste Kraftwerk langsam wieder belebt wird, fehlt noch
immer ein großer Investor für die Immobilie. „Wir haben insgesamt eine
Fläche von 38 000 Quadratmetern, auf der acht Gebäude stehen. Nur zwei,
das Museum und die Netzleitstelle, nutzen wir derzeit“, sagt Jörg Kraft,
Leiter der Drewag-Immobilienabteilung. Noch hofft er auf den großen Wurf.
Deshalb verschiebt die Drewag auch immer wieder den bereits genehmigten
Abriss des Kesselhauses, das wohl markanteste Gebäude in dem Ensemble.
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