Büro- und Hotelgebäude - Motel One am Postplatz "Zwingerforum"
Hineinragender Riegel 2010        Planung von 1991        Erinnerung an 1931 und 1969

 
Architekten: "see architekten" www.see-architekten.de
Generalplanung (Gebäudeentwurf und Konzeption)
Teilauftrag Fassade:
Knerer & Lang - www.knererlang.de
Städtebau: Joachim Schürmann + Mitarbeiter - 1991
Bauherr: TLG-Immobilien GmbH
Bauzeit: 2010 - 2012
Adresse: Freiberger Straße/ Schweriner Straße
Nutzung: Hotel (7600 qm Nutzfläche)
Büro- und Nebenflächen (4000 qm Fläche)
Mehr Infos zum Projekt: www.tlg.de
Webcam: www.allschutz.de

MK 4c Grundstück ße und Schweriner Straße

Blau gekennzeichnet: MK4c in einer "Freianlagenplanung für die Planfeststellung" 2004, Noack Landschaftsarchitekten (Ausschnitt) - Vergrößerung (pdf) auf www.dresden.de


Visualisierungen: TLG Immobilien


Schürmannplan, teilweise modifiziert Vergrößerung
(original 1991, siehe rechte Spalte)


Baufelder Postplatz - MK 4c = Motel one

Das MK4c bezeichnete Grundstück zwischen der verkehrsentwidmeten Schweriner Straße und der Freiberger Straße wird ab 2010 mit einem 2-Sterne Hotel der Kette Motel one einschließlich Bürofunktion bebaut. Nach dem städtebaulichen Wettbewerb von 1991 ist im April 2010 die konkrete Fassadengestaltung in einem aktuellen Wettbewerb geklärt worden. Gewonnen hat das Dresdner Büro Knerer & Lang. Siehe: SZ vom 30.04.2010
Die Gesamtarchitektur stammt allerdings von "see architekten", die auch einen eigenen Fassadenentwurf vorlegten, aber nicht gewannen.


In den Platz ragt ein auf Säulen ruhender Gebäuderiegel.
Die Dachkante soll ein Spruch zieren. Foto: Knerer & Lang

SZ vom 30.04.10:
"Wir haben uns bewusst für eine robuste, flächige Lochfassade entschieden, weil so am besten der Eindruck einer ablesbaren Platzkante entsteht", erläutert Thomas Knerer seinen Entwurf. Das sei auch eine zeitgemäße Antwort auf den Dresdner Zwinger gegenüber. Markantes Zeichen ist ein in den Platz hineinragender, auf Säulen ruhender Riegel. Die Grundgestalt wurde bereits mit dem seit 1999 gültigen Bebauungsplan vorgegeben. An ihm hält die Stadt fest.

Spruch auf dem Dach

Im Gegensatz zum Bebauungsplan sollen die Säulen jedoch nur über zwei und nicht drei Geschosse reichen. Damit erhält der Riegel ein Geschoss mehr. „Er wirkt damit nicht so gestelzt“, sagt der 46-jährige Knerer. Als oberen Abschluss des Gebäudes hat er etwa ein Meter hohe Metallbuchstaben vorgesehen. Sie ergeben – passend zur Hotelnutzung – den altgriechischen Spruch: „Ein Leben ohne Freude ist wie eine weite Reise ohne Gasthaus“.

Hauptmieter soll die Hotelkette Motel One sein, die ein Zwei-Sterne-Haus mit 287 Zimmern plant. Vorgesehen sind zudem eine Tiefgarage mit 163 Plätzen sowie Büros und Restaurants. Die TLG Immobilien GmbH möchte den rund 35 Millionen Euro teuren Gebäudekomplex schnell errichten. Zuvor müssen auf der Fläche allerdings noch archäologische Grabungen erfolgen. Gibt es keine weiteren Verzögerungen, könnte der Bau noch in diesem Jahr beginnen, sagt der Dresdner TLG-Chef Klaus-Dieter Schwensen.

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Siehe auch: Am Postplatz entsteht ein neues Hotel
SZ vom 23.04.10

Das Konzept der Low-Budget-Kette Motel One ist es, preiswerte und schnörkellose Übernachtungen in der Innenstadt anzubieten, die aber meistens an befahrenen Hauptstraßen oder an Bahntrassen liegen. Die Baukultur (zumindest in der Außenfassade) hält sich meist in überschaubaren Grenzen, aber aus eingesparten gestalterischen Extras ergibt sich oft ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis. Im Inneren der Hotels läßt sich ein gewisser Designanspruch erkennen.

Mathias Horst, Jury-Mitglied beim Fassadenwettbewerb und Vertreter der Architektenkammer, verteidigt bei einem erneuten Architekturstreit den Entwurf von Knerer & Lang in der SZ vom 04.05.2010. Unter anderem wird argumentiert:

Die Fassade ist mit Sandsteinriemchen in den oberen Etagen sehr fein gegliedert. Zudem wirke sie durch die unterschiedliche Anordnung der Fensterleibungen „gefaltet“. Horst: „Dadurch wirft das Sonnenlicht im Verlaufe des Tages immer andere Schatten. Eine sehr pfiffige Gestaltung.“
Die Fensteranordnung entspreche der Hotelnutzung und täusche keine falschen Tatsachen vor. Das sei ehrlich. Durch einen minimalen Rücksprung werde zudem die sehr lange Fassadenfronten aufgelockert. Der Riegel erhält nur einen zweigeschossigen Unter- und dafür aber einen viergeschossigen Oberbau. Auch das verbessert die Proportion.
Es wurden edle Materialien verwendet Das Hotel soll eine traditionelle Sandsteinfassade erhalten. Die Arkaden im Erdgeschoss bekommen eine Sandstein-Optik. Andere Entwürfe seien von einfacheren Materialien ausgegangen.


Standort Motel one am Postplatz (Foto: Stadtplanung Dresden)

Die Schweriner Straße wird zur Sackgasse. Der Gehsteig endet im Nichts. An Stelle der schräg gepflanzten Grünfläche wird das Hotel den Blick auf den Postplatz verstellen. Foto: TK Mai 2010


Schürmannplan 1991

Der Schürmannplan von 1991 ist mittlerweile 20 Jahre alt und nach einer langen Phase der Vorbereitung werden mit dem Wilsdruffer Kubus und nun mit dem Baufeld MK4c die ersten eigentlichen Platzkanten errichtet. (Die neue Altmarktgalerie zählt allerdings nicht zum Schürmannplan.)

Was sind die herausragenden Merkmale des Schürmannplanes? Zuerst fällt die große Aufweitung des Postplatzes um - gegenüber der Vorkriegssituation - etwa die Hälfte auf. Angestrebt wird ein großstädtischer Platz mit Metropolencharakter. Fast alle vor 1945 bebauten Flächen, die in der DDR-Zeit zu Grünflächen wurden, werden im Schürmannplan der Postplatzfläche zugeschlagen.
Die angedeutete Halbkreisform aus den 1920er Jahren (siehe unten) wird dezent aufgenommen.
Das Schauspielhaus, welches bis 1945 kein Teil des Postplatzes war, bildet nun eine unmittelbare Platzkante.

Da der Platz jedoch durch seine Aufweitung eine viel zu große Fläche ergeben würde, unterteilt Schürmann den Platz. Er wählt eine dominant in den Platz hineinragende kantige Riegelform, die wie ein Lineal entlang der verlängerten Freiberger Straße in den Platz stößt. So sollen optisch mehrere kleinere Platzsituationen entstehen (Roßberg: "Sequenz wechselnder Raumbilder"). Den Platz z.B. zwischen Riegel und Theater nennt Schürmann nun Schauspielhausplatz. Dieser soll noch eine Belebung erfahren durch einen kubischen kleinen Baukörper, der z.B. als Freiluftcafe genutzt werden könnte. (Details siehe:
www.j-schuermannarchitekten.de) Schürmanns Konzept will bewußt keine ‚monolithische’ Umbauung des Platzes, keine ‚Plaza Mayor’. Vielleicht könnte man eher von einer Platz- landschaft sprechen. Allerdings war ein räumlich prägnant definierter Postplatz vom Preisgericht des Wettbewerbes bereits nicht angepeilt. "Es ist nicht zwingend, den Postplatz als Platz im üblichen Sinne zu verstehen" hieß es in einem sechs Punkte Papier zum Wettbewerb unter Vorsitz von Stadtbaurat Adrian (damals Hannover).

Der Riegel trennt die Innenstadt von der vernach-
lässigten Wilsdruffer Vorstadt.


Obwohl die Idee, etwas kleinere intimere Platzsituationen innerhalb der sehr großen Postplatzaufweitung zu schaffen, qualitativ Reizvolles hat, ergeben sich doch mehrere Nachteile:
- die Zerschneidung eines Platzes, der an sich eine
  einbindende sammelnde Kraft im zerrissenen Stadtgefüge
  haben könnte.
- eine wenig nachvollziehbare städtebauliche Aufwertung
  der Riegelspitze inmitten des Platzes, während andere
  Gebäude in der "zweiten Reihe" rücken.
- die Zerstörung der Blickachse von der Schweriner Straße
  auf das "Wilsdruffer Tor". Die westliche Vorstadt, ein-
  schließlich der Friedrichstadt, wird optisch abgeschnitten.
  Die potentiell lebendig und vielfältig urbane Wilsdruffer
  Vorstadt wird durch die Riegelbarriere "abgehängt".

Der Schürmannplan bedeutet für den Postplatz eine gewagte Ausdehnung. Das fragile städtische Gefüge wird an dieser Scharnierstelle nur unzureichend zusammengeführt.
Die städtebauliche Form des Riegels schafft weniger Aufenthaltsqualität, sondern erzeugt Unruhe und Unübersichtlichkeit. Es gibt vor allem keine Verbindung Richtung Wettiner Platz auf der Schweriner Straße, ein Gebiet von hoher Authentizität und Geschichte.
Ein weiteres Gliederungselement im Schürmannplan ist die beabsichtigte Nachzeichnung der ehemaligen barocken Festungsbastion Saturn im Boden, welche für zusätzliche Verwirrung sorgen würde. Der Platz erhält keine klare Orientierung.


Urbanität der Großstadt

Positiv zu verzeichnen ist die Idee, den ehemaligen Stadtwallgraben in der Wallstraße als langen belebenden Wasserlauf neu zu bauen. Angesichts der anstehenden Sparmaßnahmen in Dresden bleibt dies wohl eine schillernde Seifenblase. Dennoch hofft man natürlich, dass das neue Hotel- und Bürogebäude dem Postplatz endlich mehr Dichte, Urbanität und städtische Räumlichkeit verleiht und potentielle Investoren den besonderen Reiz der bisher brach liegenden Baufelder an diesem zentralsten Ort der Stadt entdecken.

DVB wollen Hotel am Postplatz stoppen

Die Straßenbahnen sollen wieder direkt über den Platz fahren. Dazu müssten die Hotelpläne geändert werden. Die FDP protestiert. SZ vom 2. Juli 2010 - Nur zum Vergleich: über den belebten Berliner Alexanderplatz fahren seit 2008 wieder Straßenbahnen. Foto




1. Preis des Postplatzwettbewerbes 1991. Verfasser: Joachim Schürmann (Köln), mit Margot Schürmann, Ilse Kurz, Michael Scholz, Waldemar Walloschek


Modell Schürmannplan 1991 (original) - Vergrößerung


2. Preis. Verfasser: Hilmer & Sattler (München)


3. Preis. Verfasser: Witt und Partner (Freital/ Dresden)



Wettbewerb Postplatz 1931

Um die Umgestaltung des Postplatzes in der Gegenwart zu begreifen lohnt ein Blick in die Vergangenheit:
Bei einem Postplatzwettbewerb der Staatlichen Kunstakademie 1931 unter Leitung von Wilhem Kreis hatte der Architekt Alfred Schubert einen völlig neuen Postplatz unter Beseitigung mehrerer historischer Gebäude am Platz vorgeschlagen. Rechts und links der Schweriner Straße (damals Wettiner Straße) waren zwei hohe steinerne, abgerundete Gebäude geplant, die nach Westen eine Art Torsituation ergeben hätten. Der Platz selbst hätte eine scharfe symmetrische Geometrie erhalten.


Quelle: U. Schieferdecker, Das war das 20. Jahrhundert in Dresden, Wartberg Verlag, Jahr 2000

Ein anderer Preisträger -Balduar Hartwig- hatte für die Lösung der komplizierten Verkehrsfrage am Platz ebenfalls einen Kreisverkehr vorgeschlagen. Die Umsetzung des Wettbewerbes kam über die Planungsphase nicht hinaus, die nationalsozialistische Stadtplanung hatte andere Pläne mit dem Postplatz.

 



Postplatz 1924: Der Gedanke an eine Halbkreisform lag tatsächlich nahe, da die Straßenführung von der Marienstraße über den Postplatz zur Sophienstraße in etwa eine Ovalform ergab, in deren Mitte der Durchbruch der Schweriner Straße (ehemals Wettiner Str.) den Halbkreis durchschnitt. Foto: Fotothek-SLUB
Postplatz, Sophienkirchenvorplatz und der kleine Dreiecksplatz vorm Palasthotel Weber ergaben eine spannungsvolle Kette mehrerer Stadträume.

 


Platzkante noch bis 1967: erhalten gebliebene Gebäude am Postplatz (gesamtes Palasthotel Weber ohne Dach + Gambrinus-Restaurant - abgerissen 1967) Foto: Fotothek-SLUB

Text auf dem Flachdach:
Motorladen "Start", danach Spätverkauf am
Postplatz, Foto: 1956 Fotothek/ SLUB

Generalbebauungsplan von 1967/ 1969

Geplant war im Dresdner Generalbebauungsplan von 1969
auf dem Postplatz eine riesengroße Verkehrskreuzung zu errichten, die ähnlich dem Pirnaischen Platz ausgedehnt hätte werden sollen. Die extrem breite Marienstraße wäre quer über den Postplatz verlängert worden und hätte südlich des Schauspielhauses eine neue Achse parallel der Ostraallee gebildet. Die Schweriner Straße wäre komplett am Postplatz aufgegeben worden, ebenso die Einmündung in die Ostraallee und in die Annenstraße. Richtung Zwinger und Schloss hätte es eine Fußgängerzone gegeben.
Der Verkehrsknotenpunkt Postplatz wäre durch diese Lösung auf lediglich vier zulaufende Straßen begrenzt worden.


Planung 1967/ 1969 am Postplatz
(Vergrößerung, gesamter Plan)


Großstadtkreuzung und verkehrsfreie Fußgängerzone im Sophienstraßen- bereich. Stadtmodell Generalplan 1969 - Blick auf den Postplatz mit Hochhaus- gruppe

Planung Umgestaltung Postplatz 1969
Nur das Restaurant am Zwinger und die Bürozeile mit dem "Haus des Buches"
wurden realisiert. Foto: Fotothek / SLUB


Postplatz im Mai 2010 (Foto: TK) - Vergrößerung (Zoom auf das MK 4c-Grundstück - weiß
markiert die Ausdehnung des Gebäudes in den Platz)



Mehr Informationen zur gegenwärtigen Postplatzplanung:


www.minnemedia.de

www.dresden.de

Literatur:

Ingolf Roßberg: Der Wettbewerb "Postplatz" und die Dresdner Innenstadtplanung, in: Dresden 1992. Erfahrungen und Perspektiven, arcus 17, Hrsg. Paulhans Peters, Köln 1992