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Architekt: städtebaul.
Ideenwettbewerb + Wilhelm
Kreis
Bauzeit: Planung 1935- 1939,
nicht ausgeführt
Adresse: Lenné Straße
Architektur als Machtinstrument
Von "Aufbruch", "Revolution" und "Neubeginn"
war nach 1933 auch in Dresden, wo die NSDAP bei den Reichstagswahlen
am 05. März 1933 von den DresdnerInnen mit
42 % (1) gewählt
wurde, oft die Rede. Schnell schossen aus der national-sozialistisch
umgestalteten Stadtverwaltung überschwängliche
städtebauliche Planungen zur
baulichen Manifestation der neuen Zeit. Dresden sollte nun auch architektonisch
seiner neuen Funktion als "Gauhauptstadt" gerecht werden.
Zum Glück blieb die Barockstadt außer einigen Verwaltungs-bauten
von den großen Bauvorhaben verschont, die bis 1939 in der Bauverwaltung
des "Reichsstatthalters" Mutschmanns bzw. im Stadtplanungsamt
Paul Wolfs ausgearbeitet wurden.
Doch auch die Planungen zum großen Gauforum sind in sich makaber
eindrucksvoll und zeugen vom übersteigerten Machtwahn von Hitler-Deutschland
und seiner BürgerInnen.
In einem
groß
angelegten Bauprogramm sollte die Omnipotenz der Partei und der "Bewegung"
durch ein Partei- und Verwaltungszentrum manifestiert werden.
Beabsichtigt war, dieses als geschlossenen Komplex ausgebildete Gauforum
- bestehend aus Halle, Gauhaus, Glockenturm und Platz - als neues
Zentrum dem historischen Stadtkern gegenüberzustellen.
Maßgeblichen Anteil an der späteren Detailplanung zum gigantischen
Gauforum hatte Prof. Wilhelm Kreis, der Erbauer des Hygiene-Museums
von 1927-30 in Dresden. Dessen modern- monumentales, neoklassizistisches
Museumsgebäude schien zur propagandistischen Weiterführung
geradezu einzuladen. Ein Gauforum sollte nun auch in Dresden entstehen,
wie es u.a. ähnlich in Weimar, Augsburg, Bochum oder Frankfurt/
Oder vorgesehen war.
Der Wettbewerb
Zu diesem Zweck wurde bereits Ende 1934/ 1935, also nur zwei Jahre
nach der "Machtergreifung", ein städtebaulicher Ideenwettbewerb
zum künftigen
"Adolf Hitler Platz" durchgeführt, zu dem insgesamt
277 Arbeiten eingereicht wurden. Preise und Auszeichnungen erhielten:
1. Preis: A.
M. Schmidt (Stuttgart)
3.
Preis: H.
A. Schaefer (Berlin Wilmersdorf) (siehe Bild rechts)
Ankauf: (1)
Hans Heuser und Helmut Hentrich (Düsseldorf)
(3)
Leiterer & Wünsche
(4)
Richard Steidle (München)
(5)
Hans Richter (Dresden)
G.
Zielger (Kaiserslautern)
H. Freese (Dresden)
Hans Hopp (Ostpreußen)
Der ursprünglich 1. Preis war jedoch an das Büro H.
Terpitz (Cossebaude) und Müller Moreitz (Leipzig)
ergangen. Den dritten hatte W.
Hoffmann (Berlin Nikolasee) + Otto Biehl (Neubabelsberg)
erhalten.
Beide wurden jedoch ausgeschieden, da jeweils einer der Büropartner
nicht Mitglieder der "Reichskammer der bildenden Künste"
waren.
Der Dresdner Stadtbaurat Paul Wolf selbst hatte das im städtischen
Besitz befindliche Gelände um die Ilgen- kampfbahn und das Arnholdbad
vorgeschlagen, da hier noch eine Menge freier Platz um die Güntz-
und Polizeiwiesen war. Zudem hatte er wenige Jahre zuvor die Planung
dieses Sport- und Hygieneforums betreut. Er selbst, obwohl als beamteter
Architekt nicht zum Wettbewerb zugelassen, arbeitete vor und nach
dem Wettbewerb mehrere Entwürfe zum Gauforum aus. Einer z.B.
sah neben der großen Halle, ein Freilicht- theater, ein Gauhaus
und ein "Institut für Rassenhygiene" vor (Pläne
siehe Literaturverweis unten).
Maßgeblichen Anteil an den Planungen zum Gauforum hatte auch
der Dresdner
Bürgermeister (1933 - 1938) Ernst
Zörner.
Einige Entwürfe sind in der Fotothek der SLUB einsehbar bzw.
12 Abbildungen unter www.bildindex.de
abrufbar (Dresden, Stadt, Plätze oder platzartige Straße,
Adolf-Hitler-Platz)
Der Wettbewerb blieb zunächst Projekt. Eine Umsetzung des gigantischen
Bauvorhabens verzögerte sich aus diversen Gründen. Letztendlich
wurde 1936 Wilhelm Kreis von der Gauverwaltung (bzw. von Hitler persönlich)
mit dem Bau des Gauforums beauftragt.
Kreis, der auch am Wettbewerb - allerdings ohne Erfolg - teilgenommen
hatte, stützte sich bei seinem Entwurf auf die bereits vorhandenen
Ideen.
Rund um den neuen "Adolf Hitler Platz" (1) sollte dann neben
dem Deutschen Hygiene Museum (4) nordöstlich ein neues "Gauhaus"
(2) und südwestlich eine riesige "Sachsenhalle" (3)
entstehen. Östlich am Platz waren zwei Ehrentempel (5) vorgesehen,
dazu Kolonaden und ein 70 Meter hoher "Wartturm" (6). Eine
neue, sehr repräsentative Durchbruchstraße (8) als Weiterführung
der Herkulesallee sollte das neue politische Zentrum mit
dem freigestellten Rathaus verbinden
und hätte dazu eine Vielzahl intakter bürgerlicher Wohnbauten
des 19. Jh. beseitigt. Sie wurde im Bericht der "Bauwelt Heft
9, 1938) als "Aufmarschstraße" bezeichnet.
Diese monströsen Planungen, die jede Maßstäblichkeit
für die historischen Proportionen Dresdens entbehrten, wurden
durch den Beginn des II. Weltkrieges und die damit verbundenen wirtschaftlichen
Engpässe, außer der Grundsteinlegung des "Gauhauses"
nicht umgesetzt.
Massenhypnose
Zentrum dieses geplanten neuen politischen Mittelpunkts der "Gauhauptstadt
Dresden", außerhalb der historischen Altstadt, sollte ein
Aufmarschgelände von 75 000 qm für
200 000 (!) Menschen werden.
Das Gauhaus (210 x 190 m) sowie die Sachsenhalle (140 x 220 m) sollten
beide jeweils 40 000 militarisierten völkischen Genossen und
Soldaten Platz zur Verherrlichung faschistischer Gewaltideen geben.
Gedacht war an Versammlungshallen "in der klaren, geraden und
wuchtigen Architektur, die der Ausdruck unserer Zeit und unseres Lebensgefühls
ist." (Grieben Reiseführer Dresden 1938).
Die Inszenierung und das Aufputschen eines Massen- rausches, in der
das einzelne Individuum völlig unterging und der Verstand ausgeschaltet
wurde, sollte einer bewußten propagandistischen Manipulation
dienen.
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Entwurf von H.A.Schaefer
(Berlin-Wilmersdorf), 3. Preis / Rechts oben auf der isometrischen Darstellung
(ganz klein) das an sich schon massige Hygiene Museum.

Grundriss vom Entwurf
Schaefer, siehe "Dresdner Hochschulblatt" 20.06.1936

Ankauf: Heuser &
Hentrich (Düsseldorf)

Gauforum, Lageplan,
Entwurf: Wilhelm Kreis (zweite Projektphase 1938/39) - Vergrößerung

Überarbeitetes
Modell vom geplanten Gauhaus. Architekt: Wilhelm Kreis, 1938

Gauforum, Grundriss
der Halle (Eingangsgeschoss), Entwurf Wilhelm Kreis, (erste Projektphase),
5. Mai 1938. In der "Sachsenhalle" sollten 40 000 (!) Personen
Platz finden.

Gauforum, Modell
des Glockenturmes von Nordwesten, Entwurf: Wilhelm Kreis (zweite Projektphase,
nach 1938)

Gauforum Dresden, Entwurf für die "Halle der Volksgemeinschaft"
von Wilhelm Kreis, 1937 Vergrößerung |
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Außerhalb des Altstadtrings sollten die Hauptstraßen
der Vorstädte den nationalsozialistischen Machtanspruch unterstreichen.
Wesentliche Verkehrsvorhaben sind in diesem Plan zu erkennen. - Quelle:
(Grieben Reiseführer Dresden 1938)
Die Umgestaltung des Zentrums sah darüber hinaus eine Unmenge
Abbrüche historischer Bausubstanz vor zugunsten breiterer Straßen,
die den motorisierten Verkehr besser bewältigen konnten und die
gleichzeitig den übersteigerten Machtanspruch der Nationalsozialisten
zum Ausdruck bringen sollten.
Die erste Phase des Stadtumbaus (1933/34) hatte eine Stadtkosmetik
im Zeichen der Arbeitsbeschaffungs- maßnahmen zum Ziel und die "Sanierung"
der Altstädte. In Dresden konnte die Umgestaltung des Neustädter
Königsufers, einschließlich der tribünenartigen Anlage
als "Forum für nationale Kundgebungen" (jetzt Ort der
"Filmnächte") im Zeichen der (schlecht bezahlten) großen
ABM-projekte 1935/36 von Stadtbaurat Paul Wolf realisiert werden.
Die Dresdner Stadtplanung der späten 30er Jahre konzentrierte
sich auf eine grundlegende Umgestaltung des Stadtzentrums. Noch vor
dem Hitler- "Gesetz zur Neugestaltung deutscher Städte"
im Februar 1939 arbeitete Paul Wolf Ende 1938 einen umfassenden Neuordnungsplan
aus. "Die Neugestaltung der Innenstadt" sah folgende grobe
Veränderungen vor:
Vom Hauptbahnhof
um
den Wiener
Platz (siehe Nummer auf den Plan oben: 11) war
eine Neuregulierung des Verkehrs-systems vorgesehen.
Ein neuer Straßenzug (12) sollte etwa im Zuge der heutigen Petersburger
Straße zum Georgplatz führen. Die komplette erhaltene Umgebung
des damaligen Georgplatzes wäre den harten Modernisierungsbestrebungen
des Stadtplanungs- und Hochbauamtes unter Paul Wolf und Oberbürgermeister
Ernst Zörner zum Opfer gefallen.
Konzipiert war eine weitere "Prachtstraße" (13) vom
Wiener Platz zum Postplatz (14) bis zum Zwinger (15). Auch diese überdimensioniert
breite Verkehrsstraße hätte u.a. den
Abriss von
Dutzenden Wohnhäusern an der Reitbahnstraße, allen Gebäuden
am Anton- und Dippoldiswalder Platz und des gründerzeitlichen
Postgebäudes am Postplatz (von 1830/32, Umbau: 1893 und 1912)
bedeutet. Dafür wäre am Postplatz der Zwinger am Ende dieser
Achse und Zielpunkt des Blicks um so "klarer" herausgestellt.
[Eine zynische Ironie der Geschichte ist es, daß diese städtebaulichen
Planungen der NS-Diktatur mit 100 Meter breiten Propagandastraßen
nur wenige Jahre später in der undemokratischen DDR-Herrschaft
unter sowjet-sozialistischen Vorzeichen an anderer Stelle (Ernst-Thälmann-
Straße - quer durch die Altstadt) umgesetzt wurden. Der absolut
gesetzte Weltbeglückungsanspruch der "rotlackierten Faschisten"
(Kurt Schumacher, SPD-Vorsitzender) war in seinem demonstrativen Städtebau
mit dem "zentralen Platz" mitten in der Altstadt und der
Aufmarschachse verblüffend ähnlich der Vorgänger-Diktatur.
Selbstverständlich ist das NS-Terrorsystem in seinem Ausmaß
insgesamt in keiner Weise mit der DDR-Diktatur vergleich- bzw. relativierbar.]
Zum Zusammenhang der NS-Planungen mit den Nachkriesgplanungen
zum Wiederaufbau Dresdens siehe: Durth, Werner; Düwel, Jörn; Gutschow,
Niels: Architektur und Städtebau der DDR, in 2 Bdn. Ostkreuz,
Personen, Pläne, Perspektiven; Aufbau, Städte, Themen, Dokumente 1998.
Die Ringstraße (16) (heute Dr. Külz Ring) sollte nach Südwesten
bis zur ehemaligen Falkenbrücke verlängert werden (17),
um eine bessere Anbindung zur Autobahn
zu schaffen. Auch diese Planungen wurden später in den 60er Jahren
mit der Budapester Straße realisiert.
Im Ostragehege sollte nach dem Vorbild des Berliner Reichssportfeld
ein Sportforum entstehen mit einem Stadion für 75 000 Zuschauer,
Schwimmstadion, Hockey-stadion und wiederum einem großer Aufmarschplatz.
"Durchführungsstelle":
Martin Hammitzsch
Neben
und in der für die nationalsozialistische Verwaltungsstruktur typischen
Konkurrenz zur Bauverwaltung wurde 1940 in Dresden eine "Durchführungsstelle"
geschaffen, deren Leitung Martin Hammitzsch, Ministerialrat im Sächsischen
Ministerium des Inneren und Leiter der Baugewerbeschule in Dresden,
übernahm. Hammitzsch (1878 - Selbstmord: 1945), der Schwager von Adolf
Hitler, hatte 1907-09 die Dresdner Tabakmosche Yenidze gebaut.
Literatur: Christiane Wolf, Gauforen,
Zentren der Macht. Zur nationalsozialistischen Architektur & Stadtplanung,
Berlin 1999
(1) Ergebnisse der Reichstagswahlen 1933:
In Dresden erlangte die NSDAP 42,27%, die SPD 29,67 % und die KPD
12,41 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 88,7 %.
Quelle:
Hrsg.: Pommerin, Reiner: Dresden
unterm Hakenkreuz, Köln;
Weimar; Wien 1998.
(Statistik
zu den Wahlergebnissen der Reichstagswahlen am 06. November 1932 in
Deutschland)
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Gestalterische Parallelen zwischen Diktaturen
Deutsches Reich & Union der sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR)
Totalitär und patriotisch: Oper Nowosibirsk
Errichtet im Großen Vaterländischen Krieg 1941-1945,
eröffnet am: 12. Mai 1945
Das heutige Wahrzeichen Nowosibirsks nannte sich ursprünglich
„Theater für Technologie und realistische Atmosphäre“. Es war gedacht
für Demonstrationen und Konferenzen. Wasserspiele, futuristische Projektoren
und ein Planetarium sollten den Bau ergänzen, selbst Panzer sollten
durch die Halle rollen können. Allein die riesige Betonkuppel ist
60 Meter breit und 20 Meter hoch und symbolisierte den nationalen
Siegestriumph der SU über die deutsche Wehrmacht. Allein 30 000
Nowosibirsker gaben ihr Leben für die Freiheit ihres Heimatlandes.
Heute wird das stalinistische Gebäude als Oper genutzt.
Größtes Theater Eurasiens - am Ploschtschad Lenina (Leninplatz).
Nowosibirstk, gegr. 1893 am Fluss Ob, ist die dritt größte
Stadt Russlands.
Paradox
Adolf Hitler und die "national-sozialistisch" manipulierte
Bevölkerung Deutschlands wollte "den Bolschewismus",
also die sowjetische Auffassung von Sozialismus, im großen Ringen
der totalitären Rivalen aus Europa wegdrängen. Ganz unverhohlen
wurde diese Expansionsideologie mit einer rassenbiologischen Vorstellung
von "Lebensraum"
begründet. Letztlich hat jedoch diese gewaltige, räuberische
Vernichtungsschlacht (nach einem lächerlichen "Nichtangriffspakt"
1939) bewirkt, daß der Stalinismus direkt nach Deutschland in
die Mitte Europas flutete - mit weitreichenden Folgen für das
ursprüngliche Aggressorland und vor allem für ganz Europa,
welches 40 Jahre durch Spaltung geschwächt wurde.
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Dresden: "Die
Neugestaltung der Innenstadt" des Stadtplanungsamtes Dresden,
Entwurf: Paul Wolf, Ende 1938 (Ausschnitt)- Der
ganze Plan vergrößert

Plan Neugestaltung
Dresdens, Stadt-modell, Blick von Südosten, Entwurf: Paul Wolf
1938 (Ausschnitt) Vergrößerung
- Eine geradlinie Achse sollte das Gauforum mit der Altstadt verbinden,
an deren Endpunkt der Rathausturm gesetzt ist.
Bildquellen: Christiane Wolf, Gauforen, Zentren der Macht, 1999
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