Fritz Förster Bau der TU Dresden
Neoklassizistischer Ziegelbau

 

Architekt: Martin Dülfer
Bauzeit:_ 1917 (Entwurf)
___ 1922 - 26
Adresse: .Mommsenstraße 6
Nutzung: _ursprünglich Hauptgebäude der chemischen
__ _ _ _ _ Institute, z.Z. Umbau zur TU-Verwaltung

Monumentalität und Details

Der Hauptbau der u-förmigen Anlage erinnert in seiner Ausprägung an das Hellerauer Festspielhaus von Heinrich Tessenow (1911): ein gleichschenkliger hoher Dreiecksgiebel, neoklassizistische vertikale Gliederung und niedrigere Seitenflügel. Der Haupteingang zeigt allerdings zur Straße und nicht in den Hof.
Die schmucklose Strenge des berühmten auratischen Festspielhauses mit seinem spröden, unterkühlten Stil wurde jedoch bei diesem Institutsgebäude vermieden.
Neben dem klaren Grundaufbau fällt der dezent eingesetzte Detailreichtum auf: feine Profilierungen, der warme Grundton des würdig gealterten rotbrauen Ziegelmaterials und deren schmückende Verwendung in den Fensterbrüstungen.


Nicht nur Sandstein hat in Dresden Tradition

Dieses Baumaterial Klinker ist nur scheinbar untypisch für Dresden. Gerade in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wird viel mit diesem Material experimentiert, der bloße Stein im Sinne der Materialgerechtigkeit ohne Verputzung eingesetzt. Unter der vorgeblendeten Fassade verbirgt sich Stahlbeton, als die eigentliche statische Konstruktion.

Fantasievolle Ornamentik

Im Detail besticht der klare neoklassizistische Bau durch schöne Ornamentik, die nichts Schwülstiges oder Geschmackloses hat und sich organisch aus dem Bau ableitet. Sie scheint von den Ornamenten der Prärie-Häuser des US-amerikanischen Architekten Frank Lloyd Wright inspiriert, der seit 1910 zu einem wichtigen Impulsgeber der europäischen Architektur wurde.
Auch die breiten Schornsteine der Seitenflügel sind Reminiszenzen an den Präriestil Wrights.


Beschreibung

"Die Hochschulbauten stellen das Hauptwerk Dülfers in Dresden dar. Der Bau zeichnet sich durch seine einfache Gliederung aus. Von der G.-Bährstraße führt eine Achse durch das terrassierte Gelände auf das Hauptgebäude zu. Diese wird von zwei mit hohen Satteldächern ausgestatteten Flügeln, dem Müller- und König Bau, flankiert und bildet mit diesen eine symmetrische, U-förmige Anlage.
Die Fassade des Mittelbaus wird duch Lisenen gegliedert. Die medaillonartig ausgebildeten achteckigen Fenster des obersten Geschosses und die ornamentalen Verzierungen der Brüstungen erinnern an Formen des Jugendstils.
Den Kern des Gebäudes stellt der große Hörsaal dar."
(Architekturführer Dresden, 1997)


Umbau des Fritz-Foerster Baus

Thomas Will (Hg.): Der Fritz-Foerster-Bau als zukünftiges Domizil der Architekturfakultät der TU Dresden, Dresden 2004,
darin: Nils Meyer, Andreas Schwarting, Thomas Will:
Der Fritz-Foerster-Bau als Kulturdenkmal. Grundlagen für einen angemessenen Umgang, S. 33-50 (im folgenden ein Auszug)

Historische Bedeutung

"Errichtet als ein wichtiges Glied in der Kette der von Dresdner Professoren geplanten Hochschulbauten, belegt der Fritz-Foerster-Bau beispielhaft die städtebauliche und architektonische Entwicklung der TH in den 20er Jahren. Die Campus-Planung Dülfers von 1906-1910 erfuhr nach dem 1. Weltkrieg mit dem Gebäude der Chemnischen Institute eine sehr reduzierte, sparsame Umsetzung, die insbesondere an der heute noch ablesbaren städtebaulichen Achse von der George-Bähr-Straße zum Haupteingang des Gebäudes erkennbar ist. Stilistisch und bautypologisch ist der Foersterbau ein Dokument der Auseinandersetzungen in der Hochschularchitektur der Weimarer Republik. Der Foerstebau steht hier als ein Beispiel einer zwischen Reform und Bautradition, zwischen Sachlichkeit und monumenalem künstlerischem Ausdruck vermittelnden Backsteinarchitektur, wie wir sie im niederländischen und deutschen Expressionismus, etwa bei Fritz Höger, finden, und wie Dülfer selbst sie bereits bei seinem Stadttheater in Lübeck (1906 - 08) erprobt hatte. Bei den Chemischen Instituten ist aber vor allem - in finanziell bedingter einfacher Form - die Bauweise der auf dem neuen Universitätsgelände bereits von Weißbach errichteten Hochschulgebäude, die sämtlich in Klinkern verkleidet waren.

Künstlerische Bedeutung und künstlerischer Wert

Der Foersterbau ist eine wichtige Station im facettenreichen Werk von Martin Dülfer. Die Verbindung von späten Jugendstil- Anklängen, historischen Reduktionsstil bzw. einem idealisierten "Heimatstil" verleiht dem Foersterbau sein besonderes Gepräge. Die hochwertige Bauausführung reicht von erfindungsreichen Einsatz neuer Baustoffe, wie Stahlbeton in Kombination mit Naturstein und Ziegeln, bis hin zu handwerklicher Perfektion der Details, die zum künstlerischen Wert des Gebäudes entscheidend beitragen. Das Ensemble aus Fritz-Foerster-Bau, Königs-Bau und Ericht-Müller-Bau hat bis heute stadtbild- und campusprägende Wirkung, nicht zuletzt durch die differenzierte Gestaltung der Außenanlagen (Treppen- und Brückenanlagen, Pflasterungen, Masten, Bepflanzung)."
(Der gesamte Text) (pdf- Teil 2)

 


Klarer symmetrischer Grundaufbau im Grundriss
Fritz-Förster-Bau (1. Etage), Quelle TU

Umbau und Sanierung 2010

"Der Fritz-Förster-Bau zeichnet sich durch seine einfache Gliederung aus. Er bildet eine U-förmige Anlage, deren Kernstück das Hörsaalgebäude bildet. Die Fassade des Mittelbaus wird durch Lisenen gegliedert und durch hohe Dreiecksgiebel zum Hof und zur Straße betont, die zwei Flügel sind mit hohen Satteldächern ausgestattet. Die verwendeten Baumaterialien und Baukonstruktionen entsprechen dem von 1926 aktuellen Stand der Technik. Große Tragreserven gerade bei den Holz- und Stahlbetonkonstruktionen sind nicht zu erwarten. Alle Wände sowie viele Pfeiler und Stützen wurden in Ziegelmauerwerk ausgeführt, dünnere Stützen bestehen aus Stahlbeton. Die Geschossdecken sind alle in Stahlbeton ausgeführt. Das Satteldach ist ein Pfettentragwerk mit Schieferdeckung auf Holschalung. Aufgrund seiner architekturhistorischen und künstlerischen Bedeutung ist der Fritz-Förster-Bau als Kulturdenkmal in die Denkmalliste des Freistaates Sachsen eingetragen." (www.competitionline.com)

Ausführung: Rohdecan


Heutige Nutzung
Zwischen 2007 und 2011 ist das Gebäude für die Achitektur-
fakultät umgebaut worden. Nachdem aber die TU Dresden Exzellenz-Universität geworden ist, beansprucht nun die Verwaltung das repräsentative Haus.




Fritz-Förster Bau der TU Dresden , Aufnahme 1995 - Thomas Kantschew
Foto 1995 (TK)Fassadendetail am Fritz-Förster Bau, 1995Ornament im bleiglasverzierten FensterChemisches Institut nach Fertigstellung 1926
Institut 1926 nach der Fertigstellung
Untere Eingangshalle
Untere EingangshalleGroßer Hörsaal
Der große Hörsaal - 2007 immer noch im kompletten Original mit dem alten Holzmobilar erhalten. Fenster - Ornamente
Künstlerisch gestaltetes Holzgitter - trennend und transparent zugleich, Aufnahme: April 07