Flughafen Dresden International
Nachhaltige Nutzung einer historisch bedeutsamen Industriehalle

 

Architekt: Planungsgruppe Blees & Kampmann/ München
_ _ _ _ -_ (Heinz Blees, Niels Kampmann, Bruno Beck,
_ _ _ _ -_ Doris Schaumann)
Bauzeit: _1998 - 2001
Adresse:
. Flughafenstraße

Webseite von "Der Neue Flughafen": www.dresden-airport.de

Der neue geräumige Flughafen befindet sich seit 2001 in einer ehemaligen Industriehalle, in dem Ende der 1950er Jahre das Turbinen-Verkehrsflugzeug 152 produziert wurde. Dieser Hangar war einst die größte pfeilerlose Halle der DDR.
Dresden war ab 1955 zum Zentrum der DDR-Luftfahrt-industrie bestimmt worden. 1958/59 wurde dazu diese Halle 219 als Hangar errichtet. Nach der erfolgreichen Produktion des Prototyps ging der Flugzeugbau des turbinengetriebenen Flugzeuges 152 jedoch aus verschiedenen Gründen nicht in Serie. Die helle lichtdurchflutete Halle wurde ab 1962 als Werkstattgebäude genutzt.


Neuer Terminal mit altem Industriecharme

Die Aufgabe bestand nun, diese direkt am Flugfeld liegende Halle mit seiner historischen Bausubstanz nachhaltig umzubauen. Man kann behaupten, diese Aufgabe ist hervorragend gelungen. Während mit den Stirnseiten in Glas, Metall-Lamellen und ziegelroten Keramikfließen eine ansprechende Gegenwartsarchitektur entstand, konnte die alte Industriearchitektur im Inneren gut ablesbar erhalten werden. Die genieteten Stahlträger - das Grundgerüst der Halle - stammen original aus den 50er Jahren. Sie bilden mit der sehr gut erhaltenen tragenden Stahlbetonkonstruktion den eigentlichen Blickfang der modernen Halle. Etwas industriell Archaisches korrespondiert mit den sichtbar ausgestellten technischen Funktionen von Klimatisierung, Entlüftung etc. Auch die Bodengestaltung strahlt mit den hellen Streifen und dem mattiertem Glanz des Belages vornehmes Understatement aus.

Die zurückhaltend modern gestaltete Innenarchitektur verschont die lichte Weite und Großzügigkeit der Halle wohltuend von größeren Beeinträchtigungen. Dadurch bleibt die überraschender Raumfülle gewahrt (Ausdehnung der Halle: 170 x 150 Meter, Höhe: 25 Meter).
Insbesondere die große gläserne Panoramaterrasse am oberen Ende der Halle ist ein Glücksfall im Sinne der vielbeschworene Transparenz des inzwischen überstrapazierten Materials Glas, denn hier geben die Riesenfenster tatsächlich einen hinreißenden Blick in die liebliche Landschaft bis Moritzburg oder dem neuen Elektronik-Chip-Werk von AMD frei.

Freundliches Farbkonzept

Erstaunlich heiter auch das Farbkonzept: Das heute allgegenwärtige Anthrazit-Gau wird aufgelockert durch den warmen roten Ziegelton der Industriekeramik-Verkleidung. Innen gibt es helles Grau mit leuchtend frischen Farbakzenten in Grün und Rosa.
Die Kombination der Farbtöne und die behutsame Verwendung von Farbe überhaupt ist sehr positiv zu erwähnen.

Außen besticht eine futuristische gläserne "Sky-bridge" als Verbindungsgang zum großen Parkhaus in gleicher Architektur- und Farbsprache. Im Tiefgeschoss des neuen Flughafens wurde zudem extra ein neuer S-Bahnhof für den Airport-shuttle geschaffen, welches das Konzept der kurzen Wege zur Bündelung an diesem Verkehrsknotenpunkt für geplante 3,5 Mio Fluggäste jährlich (in der ersten Ausbaustufe) bestens umsetzte.


Konkurrenz durch Leipzig

Die sächsische Elbmetropole hat trotz großer Konkurrenz in Leipzig als Luftfahrtstandort gute Karten. Denn hier befinden sich auch die zum europäischen Aviatik-Riesen EADS gehörenden Elbe Flugzeugwerke, in denen Passagier-maschinen zu Frachtflugzeugen umgebaut werden. Ein weiterer grosser Hangar auf dem Flughafengelände gehört der IMA Materialforschung und Anwendungstechnik GmbH. Hier werden Belastungsproben für neue Flugzeugtypen durchgeführt. In Dresden befindet sich zur Zeit kein Geringerer als der neue Riesen-Airbus A380 im Härtetest.


Flughafen Eingang
Foto: Oliver Steimann
Blick in die umgebaute Halle
Einbezogene Konstruktion von 1959

Großartiger Raumeindruck