Das blaue Haus
Ehem. Zentrales Forschungsinstitut für
Arbeitsschutz und Arbeitsökonomie

 

Architekt:..       Alfred Gottfried, Georg Wolf und Kollektiv
Bauzeit: :._      1958-1960

Kunst am Bau:
Wandbild von Dietmar Gubsch (1967)
Adresse:..-       Gerhard-Hauptmann-Str. 1
Sanierung:.      zur Seniorenresidenz durch die
                       Dresdner Bauhaus AG




Dominierendes 8geschossiges Bürogebäude mit Galerie-
geschoss. 400 Arbeitsplätze (ehemals in der DDR), Speise-
saal 100 Plätze, spätere Ergänzung: Festsaal 120 Plätze und Rechenstation. Stahlbeton-Skelettmontagebau, Raster-fassade mit Feldverkleidung in Meißner Keramik, Sandsteingiebel. Wandbild von Dietmar Gubsch

Städtebauliche Situation


Das Gebäude ist in seiner präzisen Geometrie und kubischen Form städtbaulich bewußt auf Weitwirkung vom Lenné Platz aus komponiert worden. Mit Pathos erhebt es sich zwischen den rechts und links entlang fließenden Hauptstraßen.
Dazwischen wurde, ganz im Sinne des
Städtebau der Moderne, ein gestalteter Grünraum mit Licht und Sonne komponiert, der nur einige wenige Bäume mit einbezog, um den Bau um so freier wirken zu lassen.


Disneypark der Moderne: Rekonstruktion des Kugelhauses

Diese bewußte städtebauliche Gestaltung der frühen Nachkriegs-Moderne in Dresden droht nun mit der geplanten Rekonstruktion des Kugelhauses, welches 1928 an anderer Stelle (Ausstellungsgelände) errichtet worden war, zunichte zu werden. Die Dresdner Bauhaus AG möchte das einstige Bürohaus zu altersgerechten Wohnungen und betreuten Wohnen umbauen. Direkt davor jedoch soll auf der Freifläche die Kugelhaus-Replik entstehen. Sollte das Kuriosum wirklich gebaut werden, würden sich die beiden Gebäude allerdings städtebaulich gegenseitig in ihrer Wirkung erheblich beeinträchtigen und behindern.
Die heroische Moderne wird durch das beliebige Zusammen-puzzeln von Solitären ihrer freistehenden Erhabenheit beraubt. Auch das Kugelhaus stand ja ehemals singulär auf einem größeren Platz, in dessen Hintergrund sich lediglich die Folie des grünen Großen Gartens abhob.
Neueste Info:
Der Traum vom Kugelhaus ist geplatzt
SZ vom 17.03.2010

Kunst am Bau - modern und fast abstrakt

Erstaunlich modern und abstrakt gibt sich das Sgraffito-Wandbild am separaten Flachtrakt von 1967. Dieses Werk des damaligen Dresdner Kunststudenten Gubsch steht keineswegs für einen platten sozialistischen Realismus, sondern für ein kreatives Menschenbild in reduzierten Flächen und Formen. Die suggestive Wirkung läßt sogar Assoziationen zu Picasso aufkommen. Begleitende Professoren waren Prof. Lohmar und Prof. Hesse (Fachbereich: Wandmalerei). Eine Freude, dass diese Kunst am Bau nun - nach jahrelanger Verwahrlosung - saniert werden wird.


Foto: Jan. 07

Leichtigkeit der Moderne

Markant und dennoch filigran erhebt sich das gefaltete Eingangsdach auf schlanken Stützen. Hier, auf einem erhöhtem Niveau durch 6 Stufen, schwingt die Leichtigkeit der Moderne nach der jahrelanger Schwere und Monumentalität der "Nationalen Tradition".
Zur den unaufdringlichen und dennoch besonderen Details gehören die vier hervorstehenden Fenster im ersten Obergeschoss und das lichtdurchflutete Treppenhaus.


Foto: Jan. 2007

Elegant geschwungenes Treppenhaus
Wandbild am Nebengebäude

Foto: November 2009





Denkmalschutz

Das ehemalige Zentrale Forschungsinstitut für Arbeit wurde vom Freistaat Sachsen unter Denkmalschutz gestellt.
Die Ausführung des Hauptgebäudes zählt zu den qualitativ hochwertigen Beispielen der „DDR-Moderne“. Funktionale, moderne Prinzipien sind hier zu Anwendung gekommen, die man an ahnlichen Forschungsbauten der DDR wieder vewendet hatte.
1954/ 55 wurden noch Varianten in sehr traditioneller Form und Grundrisslösung diskutiert. Ende 1956 kam dann ein großer Bruch von herkömmlichen Lösungen hin zu entschieden moderneren Formen.

Ansichten des Entwurfs mit elf Etagen vom 11.07.1957

 

Ansichten des Hauptgebäudes vom Großen Garten aus, Zeichnung vom 05.04.1955. Hier deutlich zu erkennen: traditionalistischer Ansatz


Grundriss des Erdgeschosses vom Hauptgebäude, Zeichnung vom 06.05.1955 in traditioneller Symmetrie. Diese Variante wurde zugunsten eines moderneren Entwurfs fallen gelassen. Zeichnungen bei: Stephanie Lehmann, das Blaue Haus.


Literatur:


Stephanie Lehmann: Das Blaue Haus - Das zentrale Forschungsinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsökonomie in Dresden, TU Dresden 2004.

Textband und Datenbank Archivalien. Basierend auf der Katalogisierung von Aktenfunden betr. die Jahre 1954-1989, stellt die Arbeit den Entwurfs- und Bauprozess des zentralen Forschungsinstitut für Arbeitsschutz und Arbeitsökonomie in Dresden zwischen 1954 und 1964 unter den in dieser Zeit tiefgreifenden politischen, architektonischen und wirtschaftlichen Veränderungen dar.

Weitere Infos unter: www.ostmodern.org




Stützen im Eingangsbereich.