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Architekten: Herbert Terpitz,
Heinz Mersiowsky, Gerd
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Dettmar, Wolfgang Hänsch
Bauzeit:___ 1959- 60
Adresse:__.
Wilsdruffer Str. 3 -ehem. Ernst-Thälmann-Straße
Nach
dem Tod Stalins 1953 wendete sich die DDR-Ästhetik allmählich
vom volksbezogenen Arbeiterklassenpathos zur neuen Sachlichkeit -
mit deutlich weniger Ausschmückung und Zierat. Dabei wurde in
Dresden die Förderung der traditionell starken (verstaatlichten)
Handwerksbetriebe zugunsten des industrialisierten Bauens der VEB's
fallen gelassen. In der Architektur der neuen Bezirksstadt spielte
dann eine thematisierte Festkultur
kaum noch eine Rolle, stattdessen Pragmatismus und - eine schrittweise
Annäherung an die vorherrschende westliche Kultur. Das diktierte
Studium des deutschen Kulturerbes trat mehr und mehr in den Hintergrund.
Es gab nicht mehr so viel kulturelle Reglementierung von Moskau (Chruschtschow).
Dennoch
wurden immer noch traditionelle Elemente in dieser Übergangszeit
in den Entwurf mit einbezogen, beim Eckhaus Pirnaischen Platz waren
das: ein schräges Ziegeldach und die Verwendung des heimat-lichen
Baumaterials Sandstein.
Was verstand man unter "sozialistische Stadt"?
Das 8-stöckige Haus fällt angenehm durch Ruhe, Klarheit
und eine gewisse bescheidene Unaufgeregtheit auf. Trotzdem ist dieser
Eckbau im Stadtraum von einer klaren Prägnanz. Allerdings - auch
von einer gewissen Nüchternheit, die die vorherige Phase der
prachtvollen Ausgestaltung von Platz- und Straßenräumen
entgegenstand. Gerade jedoch jene unprätentiöse Bauhaltung,
ohne jede rhetorische Geste und Zurschaustellung macht auch den Charme
des Gebäudes aus.
Der Bau mit einer rechteckigen Grundfläche ragt als stadträumliche
Betonung der politisch motivierten Demonstrationsachse (Ernst- Thälmann-
Straße) aus den angrenzenden 6-stöckigen Wohnhäusern
heraus. Er ist als Dominante quasi ein Gegenstück zum "Haus
Altmarkt".
Der Hochbau wurde nicht als individuelles Gebäude errichtet,
sondern als Teil eines ganzen Ensembles in östlicher Fortführung
der begonnenen Altmarktbebauung zwischen Gewandhaus-, Weiße
Gasse, Kreuz- und Ringstraße.
Dennoch verleiht das Bürohaus dem Pirnaischen Platz eine kräftige
Akzentuierung und fiele sicher mehr ins öffentliche Blickfeld,
wäre die östliche Straßenkreuzung nicht so eine entsetzlich
weite undefinierte Fläche, die ein Fußgänger (und
durchschnittlicher Konsument) eher meidet. Aber die Stadt ist hier
nicht zu Ende, sondern geht über der Verkehrs-barriere in der
Pirnaischen Vorstadt weiter.
Auf der Rückseite des Bürogebäudes befindet sich ein
größerer begrünter Innenhof mit Kinderspielplatz (!)
, der Teil der gesamten Anlage des Aufbaus vom Dresdner Stadtzentrums
ist (Skizze siehe unten). Die ehemalige dichte Blockinnenbebauung
des historischen Quartiers wurde zugunsten des populären Licht-Luft-Sonne
Prinzips nicht wieder hergestellt.

Kinderrutsche auf dem Rüssel eines Betonelefanten
im Innenhof zw. Weiße und Gewandhausgasse. Gestaltet vom Dresdner
Künstler Friedrich Kracht ca. 1964 (Foto: TK 2006)
Gelungener Übergang zwischen Kontinuität und Reform
"Die Bebauung des Komplexes mußte in ihrer Baukörper-
bildung
und im architektonischen Ausdruck an die Bebauung des Altmarktes anklingen,
um die Einheitlichkeit der Bebauung im zentralen Bezirk nicht mit
diesen Bauten gleicher Zweckbestimmung zu durchbrechen. (...) Es wurde
versucht, die sich allerorts immer mehr durchsetzenden Erkenntnisse
einer starken Vereinfachung aufzunehmen. Ist dieses Eingliedern und
sich Bescheiden gelungen, so wird dies dem Gesamtbild des neuen Dresdens
von morgen nur förderlich sein. (warb Architekt
H. Terpitz um Verständins, in: "Aufbau der E.-Thälmann-Straße"
1960)
Das ganze Ensemble ist ein erhellendes Beispiel über die Architektudebatten
der frühen DDR bzw. der innerdeutschen Auseinandersetzung vor
dem Mauerbau. Es veranschaulicht die bewegliche Wandelfähigkeit
eines vermeintlich starren Systems, die lebendige Auseinandersetzung
innerhalb der DDR-Gesellschaft und eine sensible Ausbalancierung zwischen
Kontinuitätswünschen und Reformbestrebung.
Aufbau
Die Außenfassade zeichnet sich durch eine individuelle architektonische
Ausgestaltung aus und stört nicht durch Verflachung mit vorgefertigten
Typenelementen. Das Vor- und Zurückspringen der Fenster läßt
eine lebendige Licht-und Schattenwirkung entstehen.
In den unteren zwei Etagen wurden großzügige Verkaufsräume
geschaffen (ehemals Sportartikel), die mit einer elegant geschwungenen
Treppe verbunden sind (derzeit völlig verstellt). Darüber
sind 6 Büroetagen angeordnet, bei der die letzte Etage zurückgesetzt
und ganz in Glas gehalten wurde. Ein Säulengang setzt im oberen
Bereich gestalterisch Akzente.
Die Fassade weist eine klare Rasterung auf, wobei optisch jeweils
2 Fenster zusammengefasst werden und dadurch keine sterotype Langweile
aufkommt. Dafür sorgen auch rostrote Keramikplatten unterhalb
der Fenster.
Das Haus steht derzeit fast leer.
Das Haus steht z.Z. fast vollständig leer. Künstler nutzen
zuweilen die 7. Etage für Ausstellungen und Kino ("useful
information" - www.stock7.de).
Im Erdgeschoss gibts schon längst keine hochwertigen Sportwaren
mehr, sondern nur noch Ramsch. Der Verfall und die Verwahrlosung dieses
Gebäudes sind genauso vorprogrammiert wie für sämtliche
Häuser, die Anlieger dieser unmenschlichen Straßenkreuzung
mit ihrer entwürdigenden Fußgängeruntertunnelung sind.
Eine eindeutig konsumorientierte Nachwende-Stadtentwicklung, die sich
lediglich an eine Nord-Süd-Achse orientierte, braucht sich über
die Verödung der Innenstadt nicht zu wundern, wenn sie die Ost-West-Querungen
stark vernachlässigt. Wie beim Robotron-Gelände
ist auch hier eine tatkräftige Weiterentwicklung des Pirnaischen
Platzes angeraten.
Das Dresdner Tiefbauamt äußert im Februar 05 das stadtplanerische
Ziel, den häßlichen Fußgängner-Tunnel zuzuschütten,
ohne eine genaue Zeitplanung vorzulegen.
Literatur:
DDR-Bauzeitung "Deutsche Architektur" 4/1960
"Aufbau der Ernst- Thälmann-Straße in Dresden"
In diesem Artikel wird umfassend über dieses interessante innerstädtische
Aufbauprojekt berichtet, auch über die Konstroversen, die dieses
Ensemble auslöste: wie z.B. die Kritik am "bürgerlich-romantischen
Städtebau" der Weißen Gasse, die mangelnde Berücksichtigung
der "Macht der Arbeiterklasse" durch uneinheitliche, "individualistische"
Architektur im "Fahrwasser funktionalistischer Theorien",
willkürliche, zufällige Gestaltung nicht im rechten Winkel
stehender Bauten, mangelnde Ordnung und Übersichtlichkeit etc.
Architekten des gesamten Baukomplexes
zwischen Wilsdruffer Straße, Kreuzstraße, Weiße
Gasse, Gewandhausgasse und Ringstraße:
VEB Hochbauprojektierung Dresden
Entwurfsgruppe II - Block A, B, D:
Herbert Terpitz, Heinz Mersiowsky
Mitarbeit: Manfred Arlt, Tilo Jendrossek, Lorena Johne, Kurt Rößler,
Horst Linge
Entwurfsgruppe I - Block C
Wolfgang Hänsch, Gerd Dettmar
Mitarbeit: Gerhard Hölzel

Plan Innenstadt Ost 1960
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Schöne geschwungene
Treppe zur ersten Verkaufsetage, derzeit komplett verstellt, da die
erste Etage nicht genutzt wird.
Hey Szenefreaks: diese freie Fläche im 1. OG wäre ideal für
einen coolen Club
mit DJ und gemütlich-moderner Lounge!
Take possession of the city! |